Prozessstart von Femizid an junger Mutter | WDR aktuell

Bildquelle: WDR / Olaf Biernat

WDR 21 Sek. Verfügbar bis 23.04.2028

Prozessauftakt in Essen Gelsenkirchener gesteht Tötung seiner Partnerin

Stand:

Am Landgericht Essen hat ein 28-Jähriger die Tötung seiner Partnerin gestanden. Die 24-Jährige wurde vor der Haustür erstochen.

Von Thomas Becker und Olaf Biernat

Der Zuschauerbereich im Landgericht Essen ist voll. Angehörige und Freunde der getöteten 24-Jährigen sind gekommen, alle in schwarz gekleidet. Sprechen will niemand, alle sind angespannt und warten auf das Aufeinandertreffen mit dem mutmaßlichen Mörder von Annalena.

Angeklagter vermeidet Blickkontakt

Regungslos kommt der 28-Jährige in den Gerichtssaal. Er vermeidet jeden Blickkontakt mit der Familie der Getöteten. Nach wenigen Minuten liest sein Anwalt eine vorbereitete Erklärung vor.

"Der gesamten Familie möchte ich mein Bedauern ausdrücken. Eine Entschuldigung gibt es nicht. Ich schäme mich außerordentlich, es vergeht kein Tag, an dem ich es nicht bereue", heißt es. Während der Verlesung brechen viele Angehörige in Tränen aus.

Messerangriff vor der Haustür

Die getötete Annalena aus Herne hält ihre kleine Tochter im Arm

Die getötete Annalena aus Herne mit ihrer kleinen Tochter

Bildquelle: privat

Ein Messerstich in den Hals beendete im November das Leben der 24-jährigen Annalena aus Herne. Noch kurz zuvor soll sie vor der Gewalttätigkeit ihres Partners zu ihren Eltern geflohen sein. Doch dann kam sie zu ihm zurück, mit der fünf Monate alten gemeinsamen Tochter.

Nachmittags, nach dem gemeinsamen Einkaufen, soll der Angeklagte sie plötzlich vor der Haustür zusammengeschlagen, gewürgt und schließlich auf sie eingestochen haben - ohne erkennbaren Anlass. Sie starb Stunden später während einer Notoperation im Krankenhaus.

Mahnwache für Annalena - gegen Gewalt an Frauen

Der Tatort in einem Wohngebiet in Gelsenkirchen-Scholven

Der Tatort in Gelsenkirchen-Scholven

Bildquelle: WDR / Carmen Krafft

Der schreckliche Tod der jungen Frau löste in der Region Entsetzen und große Betroffenheit aus. Viele Menschen kamen Wochen später zu einer Mahnwache in der Herner Innenstadt, um an Annalena zu erinnern und ein Zeichen gegen Gewalt an Frauen zu setzen.

Eine enge Vertraute der Familie, die Hernerin Saida Badr, hatte die Mahnwache initiiert. "Es ist wichtig, dass Annalena nicht vergessen wird“, sagt sie kurz vor dem Prozessauftakt im Gespräch mit dem WDR. Zugleich betont sie, es sei falsch, im gewaltsamen Tod der 24-Jährigen einen traurigen Einzelfall zu sehen.

"Man muss aufhören, diese strukturelle Gewalt gegen Frauen als private Beziehungstragödie zu verharmlosen.“ Saida Badr

Spendenaufruf für Annalenas Baby mit großer Resonanz

Am ersten Prozesstag begleitete sie die Familie ins Landgericht Essen. "Man versucht, stark zu sein und Halt zu geben“, sagt sie. Die jüngere Schwester der Getöteten hatte kurz nach dem Verbrechen einen Spendenaufruf im Internet gestartet, um die Beerdigung bezahlen und dem Baby eine finanzielle Rücklage schaffen zu können. In wenigen Tagen kamen 50.000 Euro zusammen, mehr als 1.700 Menschen haben Geld gespendet.

Zum Motiv machte der Anwalt des Angeklagten keine Angaben, wohl aber zum psychischen Zustand des 28-Jährigen. Er nehme ein starkes Medikament zur Behandlung von Schizophrenie und Bipolarität. Zum nächsten Verhandlungstag will die Verteidigung eine ausführliche Erklärung vorlegen. Ebenso soll ein psychologisches Gutachten dargelegt werden.

Für den Prozess hat das Essener Landgericht neun Verhandlungstage angesetzt, der letzte ist Anfang Juli. Dem 28-jährigen Angeklagten droht eine lebenslange Haftstrafe wegen Mordes.

Gelsenkirchener gesteht Tötung seiner Partnerin

WDR 23.04.2026 43 Sek. Verfügbar bis 22.04.2028

Unsere Quellen:

  • Eindrücke des Reporters aus dem Gerichtssaal
  • WDR-Archiv
  • WAZ
  • Landgericht Essen
  • Spendenaufruf auf der Plattform gofundme
  • Gespräch mit Saida Badr

Sendung: WDR 2 Rhein und Ruhr, Lokalzeit, 23.04.2026, 14:33 Uhr

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