Die Anzahl der Automaten in NRW geht zurück. Aber das Problem bleibt.
Bildquelle: picture alliance / CHROMORANGE / Michael BihlmayerGlücksspiel in NRW : Viele Spielautomaten, wenig Hilfe bei Spielsucht
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Trotz sinkender Zahlen bei Spielhallen bleibt das Glücksspiel in NRW weit verbreitet. Eine neue Studie der Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW zeigt: Das Angebot verlagert sich zunehmend ins Internet, während Hilfsangebote nur selten genutzt werden. Gleichzeitig sorgen illegale Spielautomaten und fehlende Kontrollen für zusätzliche Probleme.
Der Studie zufolge steht der breiten Verfügbarkeit von Glücksspielangeboten nur ein vergleichsweise kleines Hilfenetz gegenüber. In fast jeder Kommune gibt es Glücksspielgeräte, doch nur etwa jede achte Kommune verfügt über eine Suchtberatungsstelle.
Dabei mangelt es nicht an Kapazitäten. "Wir könnten viel mehr Glücksspieler behandeln, das wäre überhaupt kein Thema. Wir haben maximal zwei bis drei Erstgespräche pro Woche. Für den gesamten Rhein-Erft-Kreis," berichtet Jeanette Wolff, Leiterin der Suchtberatungsstellen im Rhein-Erft-Kreis. Einrichtungen könnten deutlich mehr Betroffene aufnehmen.
"Die kommen erst, wenn es fünf nach zwölf ist." Jeanette Wolff, Leiterin der Suchtberatungsstellen im Rhein-Erft-Kreis
Das Problem ist also nicht die Kapazität. Die Spielsüchtigen suchen sich nur selten Hilfe. Das könnte an der Stigmatisierung liegen. Außerdem lasse sich Glücksspielsucht leichter verheimlichen als beispielsweise eine Alkoholabhängigkeit.
Kleine Kommunen besonders betroffen
Jeanette Wolff von den Suchtberatungsstellen Rhein-Erft Kreis sieht das Problem auch in den weiten Wegen: "Wenn man auf dem Land lebt, zum Beispiel in der Eifel, muss man viele Kilometer fahren, um bei uns anzukommen. Manche, die kein Auto haben, haben große Probleme das Hilfsangebot zu erreichen."
In kleinen Städten und Landgemeinden gibt es oft überhaupt kein Angebot. Mobile oder digitale Beratung könnte Abhilfe schaffen. Die Drogenhilfe Köln bietet zum Beispiel eine Chatfunktion an. Laut Jeanette Wolff eine gute Sache. Die Beratungsstellen im Rhein-Erft Kreis haben schon viele Klienten über Chat gewonnen. Das sei ein gutes Angebot, aber eine Online-Beratung allein reiche nicht aus:
"Glücksspieler sind es eh gewohnt, sich zu verstecken. Allein deshalb ist es besser, jemanden im Gespräch zu haben, jemanden, den man sehen kann." Jeanette Wolff, Leiterin der Suchtberatungsstellen im Rhein-Erft-Kreis
Seit 1998 wird die Ausbreitung des Glücksspielmarktes in NRW erfasst. Die Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW betrachtet dabei zum Beispiel Spielautomaten, Lottoannahmestellen und Pferdewetten. Eine umfassende Abbildung des Glücksspielmarktes. Abgesehen vom Internet.
Hohe Angebotsdichte bleibt bestehen
Obwohl die Zahl der Spielhallen deutlich sinkt - wegen der Glücksspielangebote im Internet - bleibt die Angebotsdichte in NRW hoch. Auf einen Automaten kommen nur 464 Einwohner. Die Zahl der legalen Spielhallen ist zwischen 2024 und 2026 zwar um fast 10 Prozent gesunken, der Rückgang ist aber kritisch zu betrachten.
Das Problem ist eindeutig verlagert. Der Rückgang hat nichts damit zu tun, dass das Problem kleiner wird. Alle Automaten, die es in der Spielhalle gibt, gibt es eins zu eins auch online zu spielen. Jeanette Wolff, Leitung der Suchtberatungsstellen Rhein-Erft Kreis
Alkohol und Spielsucht
Außerdem hat die Zahl der Spielgeräte in Gaststätten zugenommen. Das ist eine beunruhigende Entwicklung: In Gaststätten und Kneipen wird oft Alkohol ausgeschenkt und das senkt die Hemmschwelle für Glücksspiel.
"Keine Auszahlung" steht drauf, aber das stimmt nicht. Dieser "Fun-Game" Automat steht für Schulungen in der Landesfachstelle.
Bildquelle: WDR/SchillerLaut Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW wird dort weniger auf Spielersicherheit geachtet. Beispielsweise gibt es weniger Alterskontrollen.
Kontrolllücken bei illegalen Fun-Games
Ein weiteres Problem ist die Verbreitung sogenannter "Fun-Games". Das sind als Unterhaltungs- und Geschicklichkeitsspiele getarnte Glücksspielautomaten. Zum Beispiel "Flipper". Diese zahlen aber auch Gewinne aus.
In einem Viertel der kontrollierten Kommunen wurden solche illegalen Geräte entdeckt. In den überprüften Großstädten lag der Anteil sogar bei mehr als 70 Prozent. Das tatsächliche Ausmaß dürfte jedoch größer sein. Laut Studie wurden im vergangenen Jahr rund 30 Prozent der Kommunen überhaupt nicht kontrolliert. Die Dunkelziffer illegaler Geräte könnte daher deutlich höher liegen.
Unsere Quellen:
- Landesfachstelle Glücksspielsucht NRW
- Suchtberatungsstellen Rhein-Erft Kreis
- Rote-Studie-2026
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 10.08.2026, 14:30 Uhr
