Automaten-Papst, Drei-Groschen-Krösus, Pate des Glücksspiels - so wurde der Unternehmer Paul Gauselmann aus Espelkamp (Kreis Minden-Lübbecke) genannt. Der Patriarch leitete sein Familienunternehmen, die Gauselmann-Gruppe, bis ins hohe Alter und gehört zu den prägenden Unternehmern NRWs. Ein Selfmade-Man alter Schule, der es vom einfachen Handwerker-Sohn zum Milliardär schaffte.
Gesellschaftsspiele im Luftschutzbunker
Paul Gauselmann wird 1934 in Borghorst in der Nähe von Münster geboren. Als er zwei Jahre alt ist, stirbt seine Mutter. Als jüngster von fünf Brüdern kommt er in die Obhut einer Tante, leidet unter Heimweh und Einsamkeit. Während des Zweiten Weltkriegs lenkt sich der Jugendliche in Luftschutzbunkern durch Skat, Halma und Schach ab. Dabei entdeckt er sein "Talent für alles Strategische", wie er später sagt.
Nach dem Krieg macht er eine Ausbildung zum Fernmelderevisor, arbeitet danach als Jukebox-Aufsteller. 1957 gründet er zunächst nebenberuflich sein erstes Unternehmen. 1964 setzt er dann ganz aufs eigene Musik-Automaten-Geschäft. Mit technischem Geschick entwickelt er eine Jukebox-Fernbedienung und meldet das erste von zahlreichen Patenten an.
Einstieg in die Glückspiel-Branche
Doch noch mehr Musik steckt für den findigen Unternehmer im Glücksspiel. So wechselt er die Branche, erfindet und produziert Glücksspielautomaten. Und betreibt die dazugehörigen Spielhallen. 1974 eröffnet die erste Merkur-Spielothek. Das Logo mit der lachenden Sonne erobert schnell die Städte in ganz Deutschland. Und expandiert ins europäische Ausland. Den Jackpot, auf den Tausende Spieler hoffen, knackt regelmäßig Gauselmann und wird zum lachenden Sonnenkönig. Mit dem Einstieg ins lukrative Online-Geschäft im Jahr 2008 gilt für ihn, dass die Sonne in seinem Reich niemals untergeht.
Dubiose Online-Geschäfte
Gauselmann gründet 2010 eine Online-Firma mit Sitz auf der Isle of Man, verkauft sie und behält doch treuhänderisch Einfluss, wie 2017 Recherchen von SZ, WDR und NDR ergeben. Ebenfalls zur Unternehmensgruppe gehört der Sportwetten-Anbieter Xtip, der mit Lukas Podolski ein prominentes Werbegesicht hat.
Stiftung für Kinder von Spielsüchtigen
Aus Spiel und Spaß wird schnell eine existenzbedrohende Sucht, warnen Experten – insbesondere bei Automaten- und Online-Spielen. Doch Gauselmann spielt die Gefahr stets herunter und gründet 2008 eine Stiftung, die Kindern von spielsuchtkranken Eltern hilft.
Spielbanken mit der Sonne
Die Gauselmann-Gruppe konnte mehrere Landesspielbanken kaufen. 2021 wurden für vier Standorte in NRW 142 Millionen Euro gezahlt. Paul Gauselmann beschrieb es stolz als bedeutenden Meilenstein. Für den Selfmademan war es die Krönung seiner Unternehmensgeschichte.
Der "professionelle Spieler" ist am Ziel. Paul Gauselmann konnte sich seinen Lebenstraum erfüllen.
Die rechtliche Grauzone
Oft agiert Gauselmann am Rande der Legalität. Langwierige Gerichtsprozesse sind Teil der Unternehmensstrategie. Sind nur drei Spielautomaten pro Raum erlaubt, stellt er in seinen Spielhallen simple Trennwände zwischen die Geräte.
Wutausbrüche auf dem Tennisplatz
Paul Gauselmann ist diszipliniert, ehrgeizig und willensstark: "Mit Luschigkeit kann man nichts erreichen, das ist schon immer meine Überzeugung gewesen." Dieses Prinzip lebt er auch in seiner Freizeit, ist sportlich bis ins hohe Alter. Auch nach einem Herzinfarkt und mit zwei künstlichen Hüftgelenken steht er regelmäßig auf dem Tennisplatz und wird Deutscher Meister in seiner Altersklasse. Sein Ehrgeiz führt nicht nur auf dem Center Court immer wieder zu Wutausbrüchen.
Willkommener Wohltäter in OWL
Gauselmann erhält 1993 das Bundesverdienstkreuz für seine Verdienste um die Automatenwirtschaft. Wolfgang Clement setzt sich als NRW-Ministerpräsident 2003 erfolgreich für ein Upgrade zum Verdienstkreuz 1. Klasse ein. Der Unternehmer, dessen Firmen-Imperium nach eigenen Angaben mehrere Milliarden Euro wert ist, spendet reichlich für das Allgemeinwohl.
Die Arena in Düsseldorf-Stockum.
Bildquelle: imago/Hans BlosseyIn OWL in seinem Wohnort Espelkamp und dem Produktionsstandort Lübbecke ist sein Sponsoring allgegenwärtig und hochwillkommen. Doch als Gauselmann im Sommer 2018 für 3,5 Millionen Euro pro Jahr die Namensrechte am Stadion von Fortuna Düsseldorf kauft ("Merkur Spiel-Arena"), ist dies unter Kommunalpolitikern und Fans höchst umstritten. Der Stadt Espelkamp, in der er rund 70 Jahre lebte, spendete er 2024 für gemeinnützige Projekte 8,7 Millionen Euro.
Familienstiftung als Steuersparmodell
Gauselmann hat vier Söhne. Als sein ältester Sohn dem Glücksspielgeschäft den Rücken kehrt und sich die Beteiligung am Unternehmen auszahlen lässt, überführt der Patriarch das Unternehmen 2016 in eine Stiftung und schließt damit weitere Auszahlungen aus: "Da kann kommen, was will, das bleibt für immer zusammen." Am 21.08.2026 stirbt Paul Gauselmann im Alter von 91 Jahren.
Unsere Quellen:
- Pressemitteilung Merkur Gruppe
Sendung: WDR.de, Paul Gauselmann ist tot, 21.08.2026, 18:32 Uhr