Im Thüringer Landtag in Erfurt soll es eine Anhörung zu einem möglichen AfD-Verbotsverfahren geben. Daran soll auch Hape Kerkeling beteiligt werden. Der Deutschen Presse-Agentur wurde das aus Justizkreisen bestätigt, zuvor hatte schon die "Zeit" darüber berichtet.
Der Justizausschuss im Landtag hat die für den 30. September geplante Anhörung im Mai auf den Weg gebracht. Die Linke hatte sich dafür eingesetzt. "Die Anhörung soll klären, ob die verfassungsfeindlichen Positionen nicht nur einzelne Äußerungen sind, sondern die Partei insgesamt prägen", hatte die Linken-Abgeordnete Katharina König-Preuss damals gesagt.
Hape Kerkeling ist zu der Anhörung auf Betreiben der Linken eingeladen worden. Er will sich zu der Angelegenheit im Moment nicht äußern, hat sein Büro mitgeteilt. Der 61-Jährige, der in Recklinghausen geboren wurde, ist seit Jahrzehnten als Komiker und Autor erfolgreich. Furore machte er unter anderem mit seiner Kunstfigur Horst Schlämmer. Sein Buch "Ich bin dann mal weg" wurde zum Bestseller.
Kerkelings Großvater als Häftling im KZ Buchenwald
Der Großvater des Entertainers war als politischer Häftling im KZ Buchenwald und erlebte dort Zwangsarbeit und Folter. Kerkeling hatte im April eine Rede zur Befreiung des Konzentrationslagers gehalten und über das Schicksal seines Opas Hermann gesprochen.
Der katholische Kommunist aus dem Ruhrgebiet war wegen regimekritischer Flugblätter ab März 1933 in Haft, darunter zuletzt fast drei Jahre in Buchenwald. Er überlebte das Lager. Sein Enkel betonte, was seinem Großvater als Hochverrat ausgelegt worden sei, sei für ihn das "höchste Zeugnis von Treue zur Menschlichkeit".
Der eindrückliche Auftritt von Hape Kerkeling
Bildquelle: Martin Schutt / dpaAktuelle Stunde . 13.04.2026. 25:23 Min.. UT. Verfügbar bis 13.04.2028. WDR. Von Astrid Houben.
Kerkeling rief in seiner Rede dazu auf, demokratiefeindlichen Strömungen entgegenzutreten. Von der aktuellen politischen Entwicklung sei er "zutiefst alarmiert", sagte er. Diffamierungen der Erinnerungskultur seien ein Schlag ins Gesicht der Opfer und ihrer Nachfahren. Wer heute wegsehe oder jenen applaudiere, die die Geschichte umschreiben wollen, mache sich schuldig.
Online-Petition zur Nominierung Kerkelings als Bundespräsident
Derzeit läuft eine Online-Petition "Hape Kerkeling als Bundespräsident", die bis Mittwochmorgen (15.07.26) rund 137.000 Unterstützer hatte. Darin heißt es: "Nominieren Sie Hans-Peter Kerkeling als gemeinsamen, überparteilichen Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten für die Wahl am 30. Januar 2027. Deutschland braucht an der Spitze keine Parteitaktik, sondern eine Persönlichkeit, die unser Land würdig repräsentiert und gesellschaftlichen Zusammenhalt stiftet." Gerichtet ist der Aufruf an die Fraktionsführungen von Union, SPD, Grünen und Linken im Bundestag.
Debatte um AfD-Verbotsverfahren
Vor der Anhörung zur AfD, zu der Kerkeling eingeladen ist, soll es eine schriftliche Anhörung geben. Seit Längerem wird über ein mögliches AfD-Verbotsverfahren diskutiert - zuletzt auch, ob ein solches Verfahren gegen einzelne AfD-Landesverbände wie den Thüringer mit seinem Chef Björn Höcke angestrengt werden sollte.
Die Hürden für ein Verbotsverfahren gelten als hoch. Einen Antrag beim Bundesverfassungsgericht können ausschließlich der Bundestag, der Bundesrat oder die Bundesregierung stellen. Das gilt auch für ein mögliches Teilverbot.
Unsere Quellen:
- Deutsche Presse-Agentur
- Evangelischer Pressedienst
Sendung: WDR.de, Kerkeling zu Anhörung zu möglichem AfD-Verbotsverfahren geladen, 15.07.2026, 12:38 Uhr