Die Fahrbahndecke einer Autobahn ist aufgebrochen

"Blow up" an einer Beton-Fahrbahn.

Asphalt schmilzt, Beton bricht Wie schützt man Straßen vor Hitze?

Stand:

Temperaturen bis 40 Grad und viel Sonne - das ist nicht nur für Menschen, sondern auch für die Straßen in NRW eine große Belastung.

Wir wollen deine Meinung hören!

Jetzt mitdiskutieren

Während der vergangenen Hitzewelle hat es an mehreren Stellen in NRW Straßenschäden gegeben. Die Ursache für diese Hitzeschäden liegt nach Angaben der Autobahn GmbH im Material selbst.

Zwischen Winterberg-Grönebach und Medebach Küstelberg musste eine Landstraße gesperrt werden, weil sich der Asphalt auf der Fahrbahn durch die Hitze auflöste. Und auch auf einigen Autobahnen gab es Hitzeschäden: So zum Beispiel auf der A1 von Dortmund Richtung Köln, auf der A46 im Kreuz Hagen und auf der A45 bei Meinerzhagen.

Straßen in einigen NRW-Städte beschädigt

In Hattingen mussten mehrere Straßen gesperrt werden, weil durch die Hitze die Asphaltschicht aufgeweicht wurde. Die Stadt Siegen gab an, dass es bislang nur zu leichten Verdrückungen im Asphalt kam - das komme in den heißen Sommermonaten immer mal wieder vor.

In Duisburg ist laut Stadt bislang ein Schaden bekannt, der unmittelbar auf die hohen Temperaturen zurückzuführen ist. Hier hatte sich eine Fugenmasse durch die Hitze verflüssigt. Und auch in Münster gab es vereinzelt kleinere Schäden am Asphalt.

Warum sorgt die Hitze für Probleme beim Straßenbelag?

Nach Angaben der Autobahn GmbH bestehen 70 Prozent der Autobahnen in Deutschland aus Asphalt und etwa 30 Prozent aus Beton. Auf Landstraßen und innerorts sind nahezu alle Straßen aus Asphalt. Beide Materialien reagieren unterschiedlich auf Hitze – in Extremfällen können sie beschädigt werden. Die Autobahn GmbH erklärt die Unterschiede so:

Asphalt:

Asphalt besteht aus verschiedenen Gesteinssorten und Bitumen - einem aus Erdöl gewonnenen Bindemittel im Asphalt. Bleiben die Nächte tropisch warm und kühlt der Belag nicht ausreichend ab, kann das Bitumen weich werden. Unter der Belastung des Verkehrs können sich dann Spurrinnen, Verdrückungen, Aufwölbungen oder sich lösende Asphaltstücke bilden.

Beton:

Beton kann sich bei hoher Hitzeeinwirkung in schädlichem Ausmaß ausdehnen. Auf der Autobahn sind die einzelnen Betonplatten durch Fugen voneinander getrennt. Dehnt sich der Beton, stoßen die Platten aneinander und es entstehen Spannungen. Durch diese kann es zu Aufwölbungen kommen - sogenannten "Blow ups".

Was steckt im Asphalt alles drin?

Laut Straßenbau-Experte Hartmut Johannes Beckedahl hängen Hitzebeständigkeit und Härtegrad des Asphalts stark von dessen Zusammensetzung ab. Beckedahl hat schon vor Jahren an der Universität Wuppertal zu dem Thema geforscht. Bis 2019 leitete er das Forschungsgebiet Straßenentwurf und Straßenbau der Bergischen Uni.

Schwerlastverkehr hinterlässt Spurrillen in der Fahrbahndecke

Spurrillen in der Asphalt-Fahrbahn.

Dem Asphalt könne beispielsweise ein weicheres oder ein härteres Bitumen beigemischt werden. In Bereichen mit hohem Verkehrsaufkommen würde dann eher ein Asphalt mit härterem Bitumen eingesetzt - damit die Straße stärkeren Belastungen standhält.

Laut einem Sprecher der Bundesanstalt für Straßen- und Verkehrswesen ist ein Kompromiss in der Materialrezeptur notwendig, damit der Asphalt sowohl sehr heißen als auch sehr kalten Temperaturen standhält. "Harter Asphalt hält zwar Oberflächentemperaturen bis 60 Grad aus, neigt aber möglicherweise im Winter zu Rissbildung", sagt er.

Besonders gefährlich sind laut Beckedahl die "Blow ups" in der Betonfahrbahn. Hier spreche man auch von "Sprungschanzenbildung", weil die Betonplatten nach oben ausbrechen und so eine Art Sprungschanze bilden.

Wenn man dann von der falschen Seite auf diese Sprungschanze fährt, kann es zu sehr gefährlichen Unfällen kommen. Hartmut Johannes Beckedahl

Da solche "Blow ups" meist auf älteren Fahrbahnen entstehen, werden diese laut der Autobahn GmbH intensiv überwacht - durch die Autobahnmeistereien und teilweise durch Sensorik.

Wie kann Straßenbelag an Klimawandel angepasst werden?

Wie man den Asphalt besser an klimatische Bedingungen anpassen kann, dazu wird bereits lange geforscht. Beckedahl erklärt, dass man sich schon vor Jahren verschiedene Szenarien für den Klimawandel angeschaut habe. Mit dem Ziel, Asphalt herzustellen, der für bestimmte klimatische Rahmenbedingungen optimal ist. "Es können beispielsweise Baustoffe beigemischt werden, die einen positiven Einfluss auf die Wärmeentwicklung im Asphalt haben", sagt er.

Außerdem forsche man auch an den positiven Aspekten einer Aufhellung der Fahrbahn, meint Beckedahl. Eine hellere Fahrbahn speichere weniger Hitze, als der dunkle Asphalt. Außerdem habe der helle Asphalt noch einen weiteren positiven Aspekt: Er ist energiesparend, sagt Beckedahl - "Denn wegen der Reflexion der hellen Oberfläche kann die Helligkeit der Straßenbeleuchtung in der Stadt angepasst werden."

Wie sieht es in anderen Ländern aus?

In heißeren Ländern werden meist Asphaltzusammensetzungen gewählt, die bei höheren Temperaturen belastbarer sind, erklärt ein Sprecher der Bundesanstalt für Straßen und Verkehrswesen. Dafür seien die Straßen dort bei niedrigen Temperaturen aber weniger belastbar.

Auch Beckedahl erklärt, dass in anderen Ländern eine andere Bindemittelhärte gewählt wird. Ansonsten unterscheide sich die Zusammensetzung des Asphalts aber gar nicht so sehr von der in Deutschland. Im Vergleich zu anderen Ländern gebe es in Deutschland jedoch eine sehr hohe Verkehrsbelastung. Es habe hier einen Lkw-Zuwachs gegeben, für den die Straßen und auch die Brücken einfach nicht ausgelegt seien, sagt er.

Was gibt es in NRW für Ideen gegen Hitzeschäden?

Die Stadt Lünen geht mit einem Winterdienstfahrzeug gegen die Hitzeschäden vor. Zur Abkühlung der Fahrbahn wird ein Streusalz-Salzlake-Gemisch mit einem Streufahrzeug ausgebracht. Das Salz bindet Wasser, wodurch Wärme entzogen wird und ein kühlender Effekt entsteht. Die Methode wurde während der vergangenen Hitzewelle erstmals getestet. "Da der Belag trotz extremer Hitze keine Schäden erlitten hat, werten wir den Versuch als Erfolg", teilte ein Sprecher der Stadt mit.

In Oberhausen werden künftig helle Straßen gegen die Hitze getestet. Dafür wird ein spezieller heller Asphalt benutzt, der weniger Hitze speichert. Getestet wird der helle Asphalt auf drei Straßen in den Stadteilen Bremensfeld, Altstaden-Ost und in der Innenstadt. Eingebaut werde der helle Asphalt aber frühestens 2027, erklärte die Stadt.

In Siegen wird gleich eine Vielzahl verschiedener Maßnahmen ergriffen. Bei Busspuren und anderen Straßen mit besonderen Belastungen werden Wachse als Zusatz verwendet, um die Standfestigkeit zu erhöhen, teilt die Stadt mit. Teilweise werde auch mit helleren Gesteinskörnungen gearbeitet, um die Temperaturen zu senken. Außerdem werden bei Neubaumaßnahmen Bäume gepflanzt, um die Temperaturen durch den natürlichen Schatten zu senken.

Auch die Stadt Düsseldorf gab an, dass durch den Einsatz von hellerem Gestein, härterem Bindemittel und die Verschattung durch Bäume eine Verbesserung erreicht werden kann.

Was kann man selber tun?

Bei hohen Temperaturen sollte man besonders aufmerksam fahren und die geltenden Geschwindigkeitsbegrenzungen unbedingt einhalten, sagt die Autobahn GmbH. Wer Schäden an der Fahrbahn bemerkt, sollte diese umgehend der Polizei melden.

Die Stadt Düsseldorf verweist darauf, dass auch Menschen vor Ort Straßenschäden melden können - und zwar hier. Ähnliche Melder gibt es auch in vielen anderen Städten.

Wie können Straßen vor Hitze geschützt werden?

WDR 02.07.2026 06:59 Min. Verfügbar bis 01.07.2028 WDR Online

Download

Unsere Quellen:

  • Gespräch mit Univ.-Prof. a.D. Dr.-Ing. Hartmut Johannes Beckedahl
  • Auskunft der Städte
  • Auskunft der Bundesanstalt für Straßen und Verkehrswesen
  • Auskunft der Autobahn GmbH
  • Eigene Berichterstattung

Sendung: WDR.de, Wie können Straßen vor Hitze geschützt werden?, 02.07.2026, 05:02 Uhr

Kommentare zum Thema

3 Kommentare

  • 3 Andre Schäfer 02.07.2026, 19:19 Uhr

    Nun, neben helleren Asphalt-Mischungen läge die einfachste Lösung in entsprechend dimensionierten Dehnungsfugen. Und wenn man die, entgegen den auf betonierten Autobahnen im 90° Winkel zur Fahrtrichtung eingezogenen Fugen, im 45° Winkel zur Fahrtrichtung einzieht, machen die weder Lärm, noch merkt jemand wenn er drüber fährt noch stellen die ein Problem für Zweiradfahrer dar. Gilt auch für alle Arten von Pflasterungen und hat z.B. auf Bürgersteigen den Vorteil, dass dort Schnee einfacher geräumt werden kann, weil Räumschild / Schaufel nicht den Fugen hängen bleiben. Ist halt nur etwas aufwändiger herzustellen.

  • 2 Oldtimer 02.07.2026, 14:10 Uhr

    Die paar heißen Tage machen keinen Klimawandel. Höchstens in meiner Wohnung, die letzten 3 Sommer waren Totalausfall um Luftfeuchtigkeit aus meine Wohnung zu kriegen. Dafür müsste schon mehr kommen, trotz langes Lüften ist die rel. Luftfeuchte in meiner Wohnung bei 80%. Temperaturspitzen bis 40 Grad im Sommer sind normal, dann baut man etwas Reserve ein und das müssten Straßen und Brücken aushalten. Richtig knackig kalte Winter über längere Zeit sind allerdings auch ausgeblieben. Trotzdem haben wir Frostschäden im Umfang den ich früher nur in Entwicklungsländer für möglich gehalten hätte. Früher habe ich viel Zeit am Mittelmeer verbracht, solche Probleme waren da unbekannt. Mittelmeer hat im Winter mildes Klima, in Wüstenländern kann es aber tagsüber sehr heiß werden und nachts sehr kalt. Ich glaube nicht, dass man neue Ideen gegen Hitzeschäden braucht, oder gegen Kälteschäden. Wir brauchen alte Ideen wie Geld wieder dahin fließt wo es gebraucht wird, in die eigene Infrastruktur.

  • 1 Gast 02.07.2026, 12:55 Uhr

    Evtl. mal schauen wie es in wärmeren Ländern, z.B. Portugal, Spanien gemacht wird....

    Antworten (2)
    • Strada 02.07.2026, 15:11 Uhr

      GENAU das war mein erster Gedanke - schauen, welchen Belag/Zusammensetzung die Südländer nutzen. Ich bin regelmäßig in Kalabrien, Süditalien. Dort habe ich noch nie durch Hitze deformierte Straßen gesehen. Auch damals auf Sizilien nicht, wo wir ab und einige Tage verbrachten.

    • Andre Schäfer 02.07.2026, 19:13 Uhr

      Ja, die Südländer haben eine andere Mischung, die den Asphalt unempfindlicher gegen Hitze macht. Die haben aber auch im Winter nur extrem selten mal Minusgrade über mehrere Tage, wie sie hier bei uns durchaus vorkommen. Und für kalte Temperaturen im Winter ist deren Mischung absolut ungeeignet.

Weitere Beiträge aus NRW

1 / 2