Duisburg verliert die meisten Bäume in NRW
WDR. 02:41 Min.. Verfügbar bis 09.06.2028.
Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) hat einen Hitze-Check gemacht. Demnach hält Duisburg den Negativrekord. Laut DUH Statistik sind in den vergangenen sieben Jahren 22.058 Bäume gefällt worden. Köln verlor demnach 19.548 Bäume und Dortmund 15.626.
Diese Entwicklung führt laut DUH dazu, dass es zunehmend Hitze-Hotspots in den Städten gibt.
Gefällte Platanen von Anwohnern sehr vermisst
Da, wo früher über 100 Jahre alte Platanen die Wedauer Straße geschmückt und im Sommer Schatten gespendet haben, ist heute nur noch Schotter zu sehen. Anwohnerin Fikret Senner sagt, ihre Lebensqualität sei erheblich gesunken. Sie habe die Bäume geliebt und vermisse sie sehr. In ihrer Wohnung sei es nun im Sommer sehr heiß. Anwohner Wolfgang Windhorst sagt, in seiner Wohnung sei es im Sommer nun 5 Grad heißer und im Winter 5 Grad kälter.
Nicht nur Duisburg, sondern auch andere Städte in Deutschland werden heißer, wenn nach und nach Straßenbäume verschwinden. Das ist die bittere Wahrheit. Heinrich Strößenreuther, Gründer und Vorstand BaumEntscheid e.V.
Umweltaktivist Heinrich Strößenreuther fordert mehr Schutz für Bäume
Die Stadt hatte 2022 an der Wedauer Straße 26 Bäume gefällt. Sie wollte hier die Fahrbahn sanieren, Rad- und Fußwege anlegen und neue Parkplätze schaffen.
Kein Kommentar aus dem Duisburger Rathaus
Aus der Stadtspitze gibt es heute keine Reaktion auf die neue Statistik der Deutschen Umwelthilfe. Eine WDR-Anfrage blieb unbeantwortet.
In Duisburg gibt es seit Anfang 2016 keine Baumschutzsatzung mehr. Die Satzung wurde damals vom Stadtrat außer Kraft gesetzt. Seitdem braucht man in Duisburg für das Fällen von Bäumen auf Privatgrundstücken keine Genehmigung mehr. Für Umweltschützer führt auch das zu immer höheren Verlusten.
Kerpen: Wenig Grün - mehr Versiegelungsflächen
Kerpen liegt in NRW laut DUH-Statistik auf Platz 3 der am wenigsten begrünten Städte. Dort bestehen nur 18,97 Prozent der Stadtfläche aus Bäumen. 2.603 Bäume sind in den vergangenen sieben Jahren gefällt worden. Die Versiegelung ist um 1,28 Prozent gestiegen.
Im Sommer heizt sich die Kerpener Straße enorm auf.
Die Kerpener Straße ist einer der Knotenpunkte der Stadt. Sie verbindet Wohngebiete, Einkaufsmöglichkeiten und den Bahnhof Sindorf miteinander. Entlang der Straße liegen zahlreiche Supermärkte, Geschäfte und Tankstellen. Im Sommer wird die Hauptstraße zum Glutofen. Eine Anwohnerin sagt: "Manchmal bekommt man hier vor Hitze kaum Luft."
Auf eine WDR-Anfrage zur Studie antwortet die Stadt Kerpen vage. Man habe im letzten Jahr eine Nachhaltigkeitsstrategie entwickelt, heißt es. Diese solle für weniger Versiegelung und eine stärkere Grünvernetzung sorgen. Seit April dieses Jahres gebe es eine Karte mit kühlen Orten für die Bevölkerung. Beim Bau neuer Gebäude gebe es Grenzen für die Neuversiegelung.
Auch Grevenbroich schneidet im Hitze-Check schlecht ab
Voll versiegelter Platz vor dem Schlossbad in Grevenbroich
In Grevenbroich bewertet die Deutsche Umwelthilfe vor allem die zunehmende Versiegelung der Böden negativ. Diese habe in den vergangenen Jahren um 1 Prozent zugenommen. Damit liegt Grevenbroich landesweit in der Spitzengruppe. Ein Hitzeschutzkonzept gibt es in Grevenbroich bislang nicht. Die Stadt verweist auf einzelne Maßnahmen, etwa auf Trinkwasserspender oder Dach- und Fassadenbegrünungen.
Unsere Quellen:
- Hitze-Check 2026 Deutsche Umwelthilfe
- Reporter:innen vor Ort
- Interview mit Heinrich Strößenreuther, BaumEntscheid e.V.
- Anfragen an die Pressestellen der Städte Duisburg, Grevenbroich und Kerpen
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 09.06.2026, 18:00 Uhr