Die Kartierer Bastian Liese und Michael Kasper suchen nach wertvollen Biotopen.
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 30.07.2028.
Strommasten hinterm Haus : Warum Anwohner jetzt auf Fledermäuse hoffen
Stand:
Um den Verlauf der umstrittenen Stromtrasse von Amprion festzulegen, sind Kartierer jetzt auch auf Privatgrundstücken im Münsterland unterwegs, und zwar auch ohne Erlaubnis der Besitzer. Warum Fledermäuse für viele Anwohner die letzte Hoffnung sind.
Die geplante Höchstspannungsleitung von Amprion soll über 80 Kilometer durch das Münsterland führen. Sie soll Strom von den Windparks in der Nordsee zur Industrie im Ruhrgebiet transportieren.
Der genaue Verlauf der Trasse steht allerdings noch nicht fest. Deshalb sind derzeit Kartierer im Gelände unterwegs und erfassen den Zustand von Natur und Landschaft.
Stromtrasse noch ohne festen Verlauf
Bislang gibt es nach Angaben der Kartierer nur einen 1.000 Meter breiten Planungskorridor. Innerhalb dieses Bereichs prüfen Fachleute, welche Flächen aus Naturschutzsicht besonders sensibel sind und welche Lebensräume dort vorkommen.
Innerhalb dieses Bereichs soll die Stromtrasse verlaufen.
Die Biologen Michael Kasper und Bastian Liese untersuchen dafür gerade Waldflächen in Everswinkel. Dabei suchen sie nach Hinweisen auf geschützte Arten und Lebensräume. Hier sind es zum Beispiel Baumhöhlen, die als Lebensraum für Fledermäuse oder Vögel infrage kommen könnten.
Konflikte um Kartierungen auf Privatgrundstücken
Die Untersuchungen finden auch auf privaten Flächen statt. Zunächst hatten viele Grundstückseigentümer den Zutritt verweigert. Inzwischen dürfen die Kartierer jedoch auch gegen den Willen der Eigentümer Privatgrundstücke wie Wälder und Wiesen betreten. Grundlage dafür sind Entscheidungen der Bezirksregierung.
Die beiden Kartierer berichten von teils angespannten Situationen mit Grundstückseigentümern.
"Kollegen ist auch schon mal gedroht worden mit einer Forke in der Hand." Kartierer und Landschaftsarchitekt Michael Kasper
Kommt es zu Konflikten, ziehen sie sich nach eigenen Angaben in der Regel zurück. Körperliche Übergriffe hat es nach Aussagen der beiden Kartierer nicht gegeben. "Und meistens erkundigen sich die Leute einfach nur höflich, was wir bei ihnen auf der Weide oder im Wald machen", berichtet Michael Kasper.
Protest gegen die Stromtrasse im Münsterland
Die geplante Leitung soll von Westerkappeln bis nach Hamm verlaufen. Entlang der Strecke gibt es Protest von Anwohnern und Landwirten. Das ist auch im Everswinkeler Ortsteil Alverskirchen so.
Landwirt Josef Rüping auf seinem Grundstück, wo die hohen die Stromtrasse langführen könnte.
Auch Milchbauer Josef Rüping aus Alverskirchen kritisiert die Pläne. Vor allem stört er sich an den Fundamenten für die 60 Meter hohen Strommasten.
"Auf der Stelle kann ich nicht mehr ackern. Man kriegt zwar einmalig eine Entschädigung. Aber die Masten stehen da für Generationen." Josef Rüping, Landwirt aus Everswinkel-Alverskirchen
Andere Anwohner befürchten nach eigenen Angaben eine Beeinträchtigung des Landschaftsbildes und einen Wertverlust ihrer Häuser.
Hoffnung auf seltene Arten
Manche Gegner der Stromtrasse setzen inzwischen auf die Ergebnisse der Kartierungen. Sie hoffen, dass in ihrer Nähe seltene Tiere wie bestimmte Fledermausarten oder Pflanzen nachgewiesen werden. Solche Funde könnten bei der späteren Festlegung des Trassenverlaufs berücksichtigt werden.
Unsere Quellen:
- Gespräch der Kartierer Michael Kasper und Bastian Liese mit WDR-Reporter
- Gespräch Landwirt Josef Rüping mit WDR-Reporter
- Gespräch Anwohner aus Everswinkel mit WDR-Reporter
- Planungsunterlagen von Amprion
- Duldungsverfügung der Bezirksregierung Münster
Sendung: WDR 2, WDR2 für das Münsterland, 30.07.2026, 14.30 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 30.07.2026, 19.30 Uhr