Schwimmen im Rhein: Badeverbot in Köln ist vielen egal

WDR 02:28 Min. Verfügbar bis 24.06.2028

Mann droht mit Anwalt Badeverbot im Rhein - Ordnungsamt greift durch

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Während der heißen Sommertage zieht es immer Menschen an den Rhein. Einige gehen dort auch schwimmen. Damit begeben sie sich in Lebensgefahr - das Kölner Ordnungsamt zieht jetzt eine erste Bilanz.

An der Rodenkirchener Riviera im Kölner Süden brennt die Sonne vom stahlblauen Himmel. Das Thermometer zeigt 36 Grad, zahlreiche Familien mit Decken haben es sich im Schatten gemütlich gemacht. Zwei Hartgesottene sitzen mit Campingstühlen in der prallen Sonne. Hunde jagen durchs Wasser und buddeln riesige Löcher in den Sand.

Ein Mann mit weißer Badehose möchte sich abkühlen und watet in den Rhein. Zu weit. Eine fünfköpfige Gruppe des Ordnungsamts passt den Mann ab. Lange, teils laute Diskussionen folgen. Der Ertappte droht mit seinem Anwalt.

Kölner Ordnungsamt zieht Bilanz

Aber das nützt alles nichts: Er hat gegen das Badeverbot im Rhein verstoßen und muss ein Bußgeld bezahlen. Am Ende des Tages wird das Ordnungsamt 16 mündliche Verwarnungen ausgesprochen und sieben Bußgeldverfahren eingeleitet haben.

Lisa Schenk und Thomas Blohm sitzen am Strand der Rodenkirchener Riviera.

Lisa Schenk und Thomas Blohm

Nur ein paar Meter weiter sitzen Lisa Schenk und Thomas Blohm mit ihren Hunden im Sand. Sie finden es vertretbar, dass das Ordnungsamt durchgreift. "Der Rhein ist sehr gefährlich", sagt Blohm. "Ich beobachte es öfter, dass Menschen sehr weit hinein gehen. Da habe ich teilweise Angst, dass sie reingezogen werden."

Letztes Jahr starben ein Dutzend Menschen im Rhein

In Köln gilt das Badeverbot seit vergangenem September. Wer im Rhein erwischt wird, ist bis zu 1.000 Euro los. Als Baden gilt, wenn man tiefer als bis zum Knöchel eintaucht - egal, ob man schwimmen, plantschen oder nur im Wasser stehen möchte.

Wenn eine Person abtreibt und im Rhein zu ertrinken droht, rücken Kian Shahbodhaghi und seine Kollegen vom Kölner DLRG aus. Letztes Jahr wurden sie zu 62 Einsätzen im Stadtgebiet gerufen, dieses Jahr sind es bislang 22. Inklusive der Feuerwehr sind jedes Mal rund drei Dutzend Rettungskräfte vor Ort. Ein gewaltiger Aufwand, der trotzdem umsonst sein kann: 2025 starben in NRW zwölf Menschen im Rhein, ein Jahr zuvor waren es 14.

Kian Shahbodhaghi vom DLRG steht am Rhein in Köln-Rodenkirchen.

Kian Shahbodhaghi und seine Kollegen sind während der Sommersaison im Dauereinsatz.

"Der normale Schwimmer hat keine Chance"

Wie schnell man als Schwimmer im Rhein die Kontrolle verliert, zeigt ein Kollege von Shahbodhaghi im Selbsttest. Einmal vom Rettungsboot in den Rhein gelassen, wird er sofort von den Rheinfluten mitgezogen - und das, obwohl er speziell ausgebildeter Strömungsretter ist. Nach wenigen Minuten verlässt ihn die Kraft, nur seine Schwimmweste hält ihn über Wasser.

"Der normale Freizeitschwimmer hat keine Chance, wieder aus dem Rhein zu kommen", sagt Shahbodhaghi. Bei gefährlichen Strömungen sei der Sog des Rheins so stark, dass er selbst geübte Schwimmer bis auf den Grund ziehen könne. Die Strömungen seien unberechenbar und meistens nicht zu erkennen.

Wasserretter der DLRG ziehen einen Kollegen aus dem Rhein.

Selbst geübte Schwimmer können sich nur kurz über Wasser halten.

Shahbodaghi erklärt den verhängnisvollen Ablauf: Schon einige Zeit, bevor Schiffe auf dem Rhein zu sehen sind, saugen sie Wasser an. Dadurch sinkt in der Wasserpegel in der Nähe des Ufers. "Die Reaktion der Menschen: Sie wollen sich abkühlen und gehen deshalb noch weiter ins Wasser."

Doch sobald das Schiff vorbeigefahren ist, kommt das Wasser mit voller Kraft zurück und reißt selbst Erwachsene in die Strömung. Die Folgen: Knochenbrüche, Unterkühlung, Herz-Kreislauf-Störungen und im schlimmsten Fall Tod durch Ertrinken.  

Warnungen werden häufig ignoriert

Die etwa 50 Wasserretter der Kölner DLRG arbeiten ehrenamtlich und sind aktuell im Dauereinsatz. An allen Rheinstränden sprechen sie mit den Menschen im Wasser und weisen ausdrücklich darauf hin, dass sie sich mit ihrem Verhalten in Lebensgefahr bringen. Doch die Warnungen würden häufig ignoriert, sagt Shahbodaghi.

"Die Menschen hören sich das an und nachdem wir wegfahren, steigen sie hinter uns wieder ins Wasser." Kian Shahbodaghi, DLRG

Ändern können die Helfer der DLRG daran nichts, denn sie haben keine Weisungsbefugnis. Stattdessen verhängt das Ordnungsamt die Strafen. Leiter Dirk Käsbach sagt, dass man in den Hitzetagen mit viel Personal und "mehrmals täglich" am Rhein präsent sei. "In diesem Jahr haben wir bislang 31 Bußgelder verhängt", sagt er - plus die sieben, die an diesem Tag dazu kommen.

Doch rund um die Uhr könne man den Rhein nicht überwachen. Die Mitarbeiter seien noch an vielen anderen Orten in Köln unterwegs und das Personal begrenzt. "Wir priorisieren jeden Tag neu", sagt der Ordnungsamt-Chef. "Weitere Kräfte wären natürlich hilfreich, um überall gleichzeitig zu sein."

"Es ist frustrierend"

Auch Shahbodhaghi und das Kölner DLRG-Team können nicht überall gleichzeitig sein. So viele Menschen, die sie vor dem sicheren Ertrinkungstod im Rhein retten müssen. So viele Menschen, die es trotz der eindrücklichen Warnungen nicht wahr haben wollen - "es ist frustrierend", sagt Shahbodhaghi.

Er glaubt, dass viele Menschen die Gefahr noch immer unterschätzen und hat einen weiteren Erklärungsansatz: "Immer mehr Schwimmbäder schließen. Außerdem können sich viele einen Schwimmbadbesuch mit der Familie nicht mehr leisten. Und dann gehen sie ans nächste Gewässer, das vor der Tür ist." Für die DLRG wird das Arbeitspensum auch in den kommenden Wochen massiv sein.

Unsere Quellen:

  • WDR-Gespräch mit Kian Shahbodhaghi
  • WDR-Gespräch mit Dirk Käsbach
  • DLRG
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 24.06.2026, 19:30 Uhr

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