Einsatzkräfte der Feuerwehr Köln üben das Ablegen kontaminierter Schutzkleidung nach dem Einsatz

Einsatzkräfte bei der Bevölkerungsschutzübung im Kölner Stadion

Übung im Kölner Stadion Warum Katastrophenschutz-Übungen wichtig sind

Stand:

"resConEx26" heißt die nationale Übung zum Bevölkerungsschutz, die heute in Köln-Müngersdorf im Stadion vom 1. FC Köln stattfindet. Was bringen solche Übungen? Wir haben mit einem Fachmann für Bevölkerungsschutz darüber gesprochen.

Rund 800 Einsatzkräfte sowie 400 Statistinnen und Statisten nehmen an der nationalen Übung für den Bevölkerungsschutz im Kölner Stadion teil.

Bei der Übung geht es um chemische, biologische, radiologische und nukleare Gefahren. Mit dabei ist das THW, die Bundespolizei und das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe.

Andreas Kling, Berater für Bevölkerungsschutz und kritische Infrastruktur

Andreas Kling, Berater für Bevölkerungsschutz und kritische Infrastruktur

Was wird hier genau geübt? Andreas Kling ist Berater für Bevölkerungsschutz und kritische Infrastruktur. Er sagt, dass es hier unter anderem um die Dekontamination von Personen, Fahrzeugen, Geräten und Infrastruktur geht und dass die Zusammenarbeit nationaler und europäischer Einsatzkräfte trainiert wird. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, was solche Übungen bringen.

So eine Übung soll vorbereiten auf einen Ernstfall. Welcher Ernstfall könnte das denn zum Beispiel sein?

Andreas Kling: Überall dort natürlich, wo es biologische, chemische oder auch atomare Zwischenfälle gibt. Das könnte ein Chemieunfall sein, oder es könnte auch eine Krankheitswelle, also eine biologische Gefahr sein. Überall dort wo diese Gefahren entstehen, müssen dann auch Menschen dekontaminiert werden. Oder auch Gegenstände und Fahrzeuge müssen dekontaminiert werden.

Diese Bilder hat man vielleicht schon mal gesehen, in irgendwelchen Hollywood-Filmen. Das sind dann Leute in großen Schutzanzügen, die andere Leute abspritzen?

Kling: Ja, so muss man sich das vorstellen. Natürlich geht dann auch der Eigenschutz des eingesetzten Personals vor, die müssen sich ja auch schützen. Wenn der Eigenschutz gewährleistet ist, versuche ich die betroffenen Personen zu dekontaminieren. Teilweise müssen die Kleider entfernt werden. Teilweise werden die Fahrzeuge abgespritzt und gereinigt - mit Wasser und einem Lösungsmittel oder einem Reinigungsmittel. Da gibt es verschiedene Ansätze und das alles wird dann geübt.

Übungen im Katastrophenschutz: "Immer noch Luft nach oben"

WDR 5 Morgenecho - Interview 03.06.2026 04:24 Min. Verfügbar bis 03.06.2027 WDR 5

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Da sind heute 800 Einsatzkräfte mit dabei, 400 Statisten. Das klingt ziemlich groß. Worum geht es denn da genau - wie unterschiedliche Behörden zusammenarbeiten?

Kling: Ja, ein Ziel soll auf jeden Fall sein, dass unterschiedliche Behörden zusammenarbeiten. Diese Einheit ist ja ein Gemeinschaftsprodukt vom Technischen Hilfswerk, von der Bundespolizei und vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe. Und da geht es auch um die Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden und Organisationen. Die soll erstmalig in diesem Umfang geübt werden.

Zweitens ist diese Übung auch Teil des Europäischen Katastrophenschutzmechanismuses und da soll auch die Zusammenarbeit mit den europäischen Behörden und die Einsatzfähigkeiten dieser Einheiten geübt werden.

 Person wird von Einsatzkräften auf einer Trage getragen

Übung in Köln: Ein Statist wird von Einsatzkräften auf einer Trage transportiert.

Kann man sich dann da auch was abgucken von den europäischen Ländern, die dann noch mit beteiligt sind? Oder sind wir da aus deutscher Sicht eigentlich schon ganz gut aufgestellt?

Kling: Es ist immer noch Luft nach oben. Es hat sicherlich auch jedes Land Sachen, die sehr gut funktionieren und vielleicht andere Sachen, die nicht so gut funktionieren. Aber die Hauptsache ist, dass man es gemeinsam übt, damit man die Ressourcen dann auch praktisch zusammenwerfen kann.

Nehmen wir das Beispiel einer Zivilschutzlage durch einen Angriff mit chemischen Waffen. Da wird es betroffene Länder geben, aber auch Länder, die nicht betroffen sind. Die nicht Betroffenen könnten den Betroffenen dann im Rahmen dieses europäischen Katastrophenschutzmechanismuses helfen.

Jetzt haben wir eine angespannte weltpolitische Lage. Gehen Sie davon aus, dass wir in den nächsten Jahren öfter solche Übungen sehen werden?

Kling: Definitiv wird es mehr Übungen geben müssen. Das ist jetzt, so verstehe ich das, ein Pilotprojekt. Man wird auch kleinere Übungen auf Landkreisebene oder auf Landesebene sehen. Aufgrund der geopolitischen Lage und aufgrund der Gefahren, die durch den Ukraine-Krieg entstanden sind, besteht einfach die Notwendigkeit, uns da besser vorzubereiten. Übungen sind dafür unbedingt notwendig.

Das Interview führte Tobias Strauß im WDR 5-Morgenecho. Es wurde für eine bessere Lesbarkeit in der Schriftform sprachlich leicht angepasst, ohne den Inhalt zu verändern.

Unsere Quelle:

  • Interview mit Andreas Kling

Sendung: WDR5, Morgenecho, 03.06.2026, 6 Uhr

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