"Mir fehlen die Worte": Schüler besuchen Jugendhospiz

Bildquelle: WDR / Jens Gleisberg

4 Min. 9 Sek. Verfügbar bis 08.07.2028

Schüler besuchen Jugendhospiz "Die hätten noch ihr ganzes Leben vor sich"

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Das Hospiz in Olpe betreut unheilbar erkrankte Kinder und Jugendliche. Eine Kölner Schülergruppe hat das Hospiz besucht und war überrascht, wie bunt und fröhlich es hier zugeht.

Die 18-jährige Nika Schustermann besucht die 12. Klasse an einem Kölner Gymnasium. Sie ist zusammen mit dem Leistungskurs Pädagogik zu Besuch im Kinder- und Jugendhospiz in Olpe. Über das, was sie erwartet, hat sie vorher mit ihren Eltern gesprochen.

"Meine Eltern waren erschrocken darüber, dass wir hier hingehen", sagt Nika Schustermann. "Meine Mutter hatte Vorurteile, dass alles dunkel und finster ist und es nur um den Tod geht."

Die Stimmung im Hospiz ist unerwartet fröhlich

Dunkel und bedrückend ist das Hospiz in Olpe keineswegs. Bunte Farben und helle, freundlich gestaltete Räume prägen das Haus. Die Schülerinnen und Schüler aus Köln haben sich zwar mit Tod und Sterben auseinandergesetzt – auch, weil ihre Großeltern älter werden und deren Lebensende näher rückt. Doch der Besuch im Kinder- und Jugendhospiz zeigt ihnen: Hier ist die Situation eine andere.

Nika Schustermann beim Besuch im Hospiz

Nika Schustermann ist beeindruckt von dem, was sie im Kinder- und Jugendhospiz gelernt hat.

Bildquelle: WDR / Jens Gleisberg

"Hier ist es noch viel krasser, da sie noch ihr ganzes Leben vor sich hätten und so viel mehr erleben könnten - theoretisch", sagt Jule Angermann. "Es ist auf jeden Fall sehr schön, dass es diese Einrichtung gibt."

Im Hospiz ist Platz auch für Eltern und Geschwister

Nicole Mechsner vom Hospiz nimmt die Schülergruppe in Empfang. Als erstes erklärt sie ihnen, was sie nicht sehen werden: Den Wohnbereich. Hier wohnen bis zu zwölf Kinder und Jugendliche während ihres Aufenthaltes im Hospiz - zum Teil zusammen mit ihren Eltern und Geschwistern.

Nicole Mechsner vom Kinder- und Jugendhospiz in Olpe spricht mit der Kölner Schülergruppe

Die größte Hürde zur Anmeldung ist oft die Einsicht, dass das eigene Kind sterben wird.

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Im eigenen Zuhause, sagt Mechsner, wolle man auch nicht immer fremde Menschen im Wohnzimmer sitzen haben. Aber sie zeigt allen einen Film, in dem erkrankte Kinder und ihre Eltern zu Wort kommen. Sie sprechen auch darüber, wie groß die Hürde ist, sich überhaupt beim Hospiz anzumelden. Denn das bedeutet für viele, das erste Mal zu akzeptieren, dass das eigene Kind sterben wird. Viel früher, als sie erhofft haben.

Auszeit von der Dauerbelastung

Wer aber diesen Schritt geht, findet hier einen Platz, an dem sich Familien von den Belastungen des Alltags erholen können. Im Wohnbereich treffen wir Alexander Heeren. Der 22-Jährige kommt seit 2024 immer wieder ins Hospiz. Er hat eine genetisch bedingte Muskelschwäche und muss beatmet werden. Für ihn sei das Hospiz wie ein Sommerurlaub, sagt er. "Man kann sich einfach mal entspannen vom Alltag und hat eine Entlastung. Auch die Eltern."

Ein Beispiel: Alexander Heeren schläft gerne lange. Im Hospiz kann er das. Die Pflegekräfte sind darauf eingestellt. Als wir ihn treffen, ist es Mittag. Er sitzt gerade erst beim Frühstück. "Hier ist alles normal. Als wäre nix gewesen", sagt er.

Räume zum Kuscheln, Spielen und Lesen

1998 wurde das Hospiz gegründet, als erstes in Deutschland. Zunächst nur für Kinder, später dann auch für Jugendliche. Finanziert wird es zur Hälfte von den Krankenkassen und zur anderen Hälfte durch Spenden. Letztere sind dringend nötig, denn die Betreuung ist wesentlich intensiver und kostet mehr als die Kassen zahlen.

Das Hospiz hat sich ein Motto gegeben: "Leben, Sterben, Lachen, Trauern". Das erfahren die Schüler und Schülerinnen bei ihrem Rundgang durch den Therapiebereich. Es gibt Räume zum Kuscheln, zum Spielen, zum Lesen. Alles in bunten Farben gehalten, fröhlich und hell wirkt es.

Jugendliche stehen gemeinsam in einem Raum, in dem eine Diskokugel hängt, ein Bett steht im Hintergrund.

Beim Rundgang erleben die Schülerinnen und Schüler das Hospizmotto „Leben, Sterben, Lachen, Trauern“

Bildquelle: WDR / Jens Gleisberg
Hier lebt man ständig mit dieser Angst, dass mein Kind stirbt. Aber hier wird intensiver gelebt. Das ist so unfassbar schön, da fehlen mir die Worte. Nika Schustermann, Schülerin

Hospiz-Besuch berührt die Schülergruppe

Am Ende des Flurs ist das Abschiedszimmer. Hier sehen Eltern ihre gestorbenen Kinder zum letzten Mal. Können sich Zeit nehmen für den Abschied - so, wie es für die Familien passt. Manche Kinder sterben hier im Hospiz, manche zu Hause.

Nach einer Stunde ist der Besuch für die Schülergruppe vorbei. Die Meisten hängen ihren Gedanken nach. Es sind Eindrücke, die sie erstmal verarbeiten müssen.

"Ich möchte gar nicht wissen, wie viele Menschen durch das Leben laufen, ohne wertzuschätzen, wie viel Wert das eigene Leben hat." Jule Angermann, Schülerin

Diesen Gedanken wird Jule Angermann vom Besuch im Kinder- und Jugendhospiz in Olpe mitnehmen.

Unsere Quellen:

  • Kinder- und Jugendhospiz Balthasar in Olpe
  • WDR-Gespräch mit Nika Schustermann, Jule Angermann, Nicole Mechsner und Alexander Heeren
  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort

Sendung: WDR.de, Kölner Schüler besuchen Jugendhospiz, 07.07.2026, 5:05 Uhr

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