Symbolbild: Ein Kölner Lehrer muss wegen Vergewaltigung und Missbrauch länger in Haft.
Bildquelle: dpaEs sind verstörende Taten. Das Landgericht Köln sieht es als erwiesen an, dass ein heute 37-jähriger Studienrat Anfang 2023 seine eigene Tochter vergewaltigt hat. Das Mädchen war damals elf Monate alt. Zudem missbrauchte er als Vertretungslehrer an einem Gymnasium eine damals 16-Jährige im Unterricht. In Online-Chats suchte er zudem Kontakt zu Mädchen und setzte sie unter Druck, damit sie ihm Nacktaufnahmen schickten.
Der Fall des Lehrers beschäftigt seit Jahren die Gerichte. Im Dezember 2024 endete der erste Prozess gegen ihn mit einer Haftstrafe von drei Jahren und zehn Monaten. Der Bundesgerichtshof hatte dieses erste Urteil allerdings in Teilen aufgehoben und den Fall erneut nach Köln zurückgewiesen.
Revision gegen ein Urteil von Juli eingelegt
Im Juli 2026 gab es ein neues Urteil. Das Landgericht Köln verlängerte seine Haftstrafe auf fünf Jahre und drei Monate. Doch dagegen wehrte sich der Lehrer erneut: Eine Sprecherin des Landgerichts Köln bestätigte am Mittwoch dem WDR auf Anfrage, dass der Studienrat gegen das Urteil Revision eingelegt hat.
Laut Medienberichten hatte der Lehrer zwar im Prozess seine Taten gestanden - bis auf die Vergewaltigung der Tochter, das habe er anders wahrgenommen. Aussagen aus dem Prozess lassen vermuten, dass der Angeklagte über seinen Verteidiger aus finanziellen Motiven Revision gegen das Urteil einlegte.
Schuldfrage ist geklärt
Das war nach einem Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" schon bei dem ersten Urteil der Fall. Denn solange das Urteil nicht rechtskräftig ist, bekommt der Angeklagte weiter seine Beamtenbezüge. Und der Studienrat sagte laut dem Zeitungsbericht selbst: "Ich bin immer noch Beamter, mit Rechtskraft fällt alles weg; der Tag nähert sich."
Darüber zeigte sich der Vorsitzende Richter laut "Kölner Stadt-Anzeiger" verwundert: Eigentlich müsse der Beamtenstatus bereits jetzt weg sein, da die Schuldfrage geklärt sei. Im Prozess im Juli sei es nur noch um eine Strafverschärfung gegangen.
Ein Sprecher der zuständigen Kölner Bezirksregierung als obere Schulaufsichtsbehörde sagte gegenüber dem WDR zu der Frage, warum der Mann weiter Beamtenbezüge kassiert: "Da es sich in diesem Fall um ein laufendes Gerichtsverfahren handelt, werden wir dazu keine weiteren Aussagen tätigen."
Mann will später erneut als Lehrer arbeiten
Ebenfalls verstörend: Dem Zeitungsbericht zufolge hat der Angeklagte bei der Gerichtsverhandlung im Juli über seine berufliche Zukunft gesprochen - er wolle später erneut als Nachhilfelehrer arbeiten. Er habe noch einen Vertrag mit einer Agentur. Dabei gehe es "hauptsächlich um Studenten für Naturwissenschaften", versuchte der 37-Jährige laut dem Bericht zu beschwichtigen. Beim Richter sorgte diese Aussage für Kopfschütteln.
Noch ist offen, ob er seine Job-Pläne umsetzen kann. Denn zunächst muss das Gericht über die Revision entscheiden. Bis zu einem finalen Urteil kann nach Einschätzung von Beobachtern mindestens ein Jahr vergehen.
Unsere Quellen:
- Sprecherin des Landgerichts Köln auf WDR-Anfrage
- Sprecher der Bezirksregierung Köln auf WDR-Anfrage
- Bericht des "Kölner Stadt-Anzeigers" vom 5. August 2026
- bisherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Verurteilter Lehrer kassiert weiter Beamtenbezüge, 05.08.2026, 19.12 Uhr