Am Donnerstag wurde der Grundstein gelegt. Die Flusswasser-Wärmepumpe wird als Leuchtturmprojekt in der deutschen Energiewirtschaft betrachtet. Denn viele Städte hoffen, durch diese Technik künftig einen großen Teil der benötigten Heizwärme produzieren zu können. Gefördert wird das 280 Millionen Euro teure Projekt durch die EU und den Bund.
"Die Wärmewende ist ungleich komplexer und kapitalintensiver als die Energiewende", sagte Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche beim Besuch in Köln. "Ich wünsche dem Projekt viel Erfolg, das bundesweit Vorbildcharakter hat."
Unter anderem Katherina Reiche (2.v.r.) und Kölns OB Torsten Burmester (r.) waren bei der Grundsteinlegung dabei.
Wärmepumpe ist umgekehrter Kühlschrank
Die meisten denken bei Rheinwasser an kühles Nass. Rheinenergie hingegen denkt an Wärme. Das Wasser wird gefiltert und die Wärme daraus wird auf das Kältemittel Ammoniak übertragen. Das wird verdichtet und elektrisch erhitzt. Im Prinzip ein umgekehrter Kühlschrank. Der entzieht seinem Inneren Wärme und gibt sie nach außen ab.
Die Wärmepumpe macht es andersherum. Wärme wird von außen aufgenommen und nach innen abgegeben - in die Fernwärmeleitungen des Energieversorgers.
Köln-Niehl: Wärme für 50.000 Haushalte
Bis zu 50.000 Haushalte sollen bald mit der Wärme aus dem Rhein versorgt werden können. Durch die Flusswasser-Wärmepumpe in Köln-Niehl. Die ist aktuell die größte in Europa ihrer Art. Mit dieser Technik will die Rheinenergie ihre Ziele zur Dekarbonisierung der Wärmeversorgung zu einem Drittel erreichen.
Luftaufnahmen vom Kraftwerk in Niehl.
Unter Dekarbonisierung versteht man vereinfacht gesagt den Ausstieg aus fossilen Energieträgern wie Kohle, Öl und Erdgas. Als Standort wurde ein früherer Lkw-Parkplatz neben dem Kraftwerk in Niehl ausgesucht. Der Vorteil: Zum einen wird Strom für das Erhitzen des Ammoniaks benötigt. Zum anderen sind die notwendigen Anschlüsse an das Leitungsnetz bereits vorhanden.
Wärmepumpe auch andernorts möglich?
Das Projekt in Köln wird in vielen Kommunen mit Interesse verfolgt. Aber geeignet sind für solche Anlagen nicht alle Standorte. Zum einen muss der Fluss eine passende Durchflussgeschwindigkeit haben und es muss ein größerer Fluss sein, damit sich das Gewässer nicht zu sehr abkühlt. Zudem sollte ein Kraftwerk bereits vorhanden sein, damit die nötigen Netzanschlüsse nicht neu gebaut werden müssen.
Flusswasser-Wärmepumpe in Köln: Inbetriebnahme 2028
2028 soll die Anlage an den Start gehen. Und das ist ein Jahr später als ursprünglich gedacht. Das liegt vor allem an einem etwas längeren Genehmigungsverfahren. Denn die Behörden wollten wissen, ob es negative Auswirkungen auf die Umwelt gibt. Angesichts der durchfließenden Wassermenge des Rheins sei das kein Problem, sagt der Betreiber Rheinenergie. Größere Fische werden durch ein Gitter abgefangen und können trotz der Strömung wieder wegschwimmen. Kleine Fische und Lebewesen werden aufgefangen und anschließend wieder im Hafenbecken ausgesetzt.
Hinweis der Redaktion: In einer früheren Version des Textes stand in der Überschrift, dass Strom aus dem Rhein gewonnen werden soll. Auch in einer Push-Meldung in der WDR-App war von Strom die Rede. Es geht aber um Wärme - das haben wir entsprechend korrigiert.
Unsere Quellen:
- Mitteilung der Rheinenergie
- Bundesministerium für Energie und Wirtschaft
- Eigene Recherche
Sendung: WDR.de, Europas größte Flusswasser-Wärmepumpe entsteht in Köln, 22.07.2026, 11:17 Uhr