Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wird 70

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WDR 36 Sek. Verfügbar bis 18.08.2028

Umstrittener Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki wird 70

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Rainer Maria Woelki gehört zu den mächtigsten deutschen Kirchenmännern und durfte bereits zweimal einen Papst mitwählen. An diesem Dienstag ist der Kölner Kardinal 70 Jahre alt geworden. Ein Rückblick auf einen Kirchenmann, der sein Erzbistum polarisiert.

Rainer Maria Kardinal Woelki ist ein kölscher Jung, FC-Fan und trinkt auch mal ein Kölsch. Geboren wurde er am 18. August 1956 in Köln. Dort ging er zur Schule, wurde Priester und später Weihbischof. 2011 ernannte ihn Papst Benedikt XVI. zum Erzbischof von Berlin, 2014 kehrte Woelki als Erzbischof nach Köln zurück.

Damals kam er bei vielen Gläubigen gut an. Woelki galt als volksnah, setzte sich für Geflüchtete und Obdachlose ein und hob sich für viele von seinem stockkonservativen Vorgänger Joachim Meisner ab.

Flüchtlingsboot wird zum Altar

Von Woelkis erster Zeit als Erzbischof schreibt auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, in einem Geburtstagsgruß in der Kölner "Kirchenzeitung": "Unvergessen bleibt jener Fronleichnamsgottesdienst, an dem als Mahnmal eines der von der europäischen Küste gekenterten Flüchtlingsboote Altar bei der Eucharistiefeier war."

Bei seiner Amtseinführung lobten Gläubige Woelkis Volksnähe – und dass er auch mal ein Kölsch trinke. Doch das Bild des beliebten Kardinals änderte sich grundlegend.

Kritik an Aufarbeitung von Missbrauchsfällen

Woelki versprach, Fälle sexualisierter Gewalt gegen Kinder rigoros aufzuklären und Namen von Verantwortlichen zu nennen. Dann entschied er jedoch, ein von ihm in Auftrag gegebenes und weitgehend fertiggestelltes Gutachten nicht zu veröffentlichen. Sein Umgang mit der Aufarbeitung sorgte für massive Kritik, auch von Missbrauchsbetroffenen.

Kardinal Rainer Maria Woelki

Seit zwölf Jahren ist Woelki als Erzbischof in Köln

Bildquelle: Rolf Vennenbernd/dpa

Woelki bot schließlich dem Papst seinen Rücktritt an. Gläubige erstatteten Anzeige gegen ihn – sowohl beim Vatikan als auch bei der deutschen Justiz. Dennoch blieb Woelki im Amt. Joachim Frank, Kirchenexperte beim "Kölner Stadt-Anzeiger", beobachtet den Kardinal seit Jahren kritisch.

Warum Rom Woelki im Amt ließ

Warum hat Rom nicht eingegriffen? "Aus meiner Sicht sind das zwei Komponenten eines römischen Machtkalküls", sagt Joachim Frank.

"Woelki ist gewissermaßen Teil eines Kräfteparallelogramms. Liberale und konservative Kräfte liegen miteinander im Widerstreit und Rom wollte nicht das scheinbare Schwergewicht der Konservativen an dieser Stelle rausbrechen." Joachim Frank, Kirchenexperte beim Kölner Stadt-Anzeiger

Außerdem, sagt Frank, seien Unbeliebtheit, Vertrauensverlust oder Abgehobenheit eines Bischofs keine Kölner Spezialitäten. "Die gibt es in verschiedenen Teilen der Welt. Und wenn Rom an der Stelle einen Bischof, sogar einen Kardinal aus dem Spiel nehmen würde auf Drängen des Kirchenvolks, dann könnten ja auch andere auf die Idee kommen, dass da was zu machen ist."

Resignation und Angst im Erzbistum

Für das Erzbistum Köln hat der Konflikt weitreichende Folgen. Viele Gläubige sind aus der Kirche ausgetreten. Inzwischen ist nicht mehr Köln das mitgliederstärkste Bistum Deutschlands, sondern Münster.

Doch Woelki hat weiterhin Anhänger. Dazu gehören etwa Frauen der konservativen Organisation Maria 1.0. Auch einige Priesteramtsanwärter schätzen den Kardinal, der sich gegen Reformen in der katholischen Kirche stemmt.

Kardinal Woelki im Gebet

Kardinal Woelki bei der Fronleichnamsprozession in Köln

Bildquelle: WDR / ddp / PanamaPictures

Besucher eines Gottesdienstes am Kölner Dom loben ihn: "Herrn Woelki finden wir sehr gut. Was die Kirche hier macht und wie sich der Bischof in der Öffentlichkeit präsentiert." Auch seine klaren Positionen finden Zustimmung: "Aber er steht zumindest dahinter und ich denke, es ist schön, wenn man sich nicht dem Mainstream hingibt, sondern auch mal klare Stellung bezieht."

Unter den Mitarbeitenden des Erzbistums sei die Stimmung dagegen angespannt, sagt Marianne Arndt, Gemeindereferentin aus dem Kölner Osten: "An vielen Stellen herrscht Resignation. Ich erlebe aber auch viel Angst und viel Sorge, auch im Kollegenkreis." Es sei ein neuer Kommunikationsstil entstanden, der in gewisser Weise Konflikte kaum noch zulasse.

Es fehlt an Offenheit

Mit Bedauern sieht Arndt auch den Umgang mit queeren Menschen oder engagierten Frauen: "Immer wieder kriege ich von Menschen mit, die sich an den Rand gedrängt fühlen. Da fehlt es an Offenheit, an Transparenz, an Gesprächsbereitschaft." Gratulieren will sie ihm trotzdem, ihrem Chef dem Kardinal: "Viel Glück, Gottes Segen und vor allen Dingen Gesundheit."

Ans Aufhören denkt Rainer Maria Woelki nicht. Das sagte er jüngst in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur. Bischöfe bieten dem Papst in der Regel mit 75 Jahren ihren Rücktritt an. Woelki bleiben damit noch fünf Jahre.

"Ich kann sagen, dass ich mich weder alt noch müde fühle. Eher beflügelt. Eigentlich hat mir meine Tätigkeit noch nie so viel Spaß gemacht wie jetzt." Kardinal Rainer Maria Woelki

Seinen Geburtstag feiert Kardinal Woelki am 6. September mit einer Dankmesse im Kölner Dom. Danach lädt er die Gläubigen ins Generalvikariat, die Zentrale des Erzbistums, ein – auf ein Glas Kölsch.

Rainer Maria Woelki wird 70

WDR 17.08.2026 4 Min. 7 Sek. Verfügbar bis 16.08.2028

Unsere Quellen:

  • WDR-Interviews mit Joachim Frank, Marianne Arndt
  • WDR-Reporterin im Gespräch mit Passanten und Gläubigen vor dem Dom
  • WDR Archiv
  • Kölner Kirchenzeitung
  • dpa

Sendung: WDR.de, Rainer Maria Woelki wird 70, 18.08.2026, 5:02 Uhr
Lokalzeit Köln, 18.08.2026, 19:30 Uhr

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