"In Köln gab es am Wochenende mehr als 1.100 Rettungseinsätze.
02:38 Min.. Verfügbar bis 29.06.2028.
Die Anzahl der Rettungseinsätze in Köln am vergangenen Hitze-Wochenende war enorm. Allein am Samstag verzeichnete die Feuerwehr mehr als 1.100 Einsätze, üblich sind etwa 500.
In vielen Fällen konnten die Retter für die Patienten nichts mehr tun. Nach vorläufigen Zahlen spricht die Polizei im Zeitraum zwischen Freitag und Sonntag von etwa 120 Toten in Köln. Das seien fast viermal so viele wie an einem gewöhnlichen Wochenende.
Ähnlich viele Fälle im Kreis Mettmann und im Bergischen Land
Im Kreis Mettmann hat die Polizei am vergangenen Wochenende 45 Todesfälle registriert. "Das ist die Hälfte der Fälle, die wir sonst in einem Monat haben. Wir führen das auf die Hitze zurück," sagt Daniel Uebber von der Polizei Mettmann.
Unter den Toten seien viele ältere, vorerkrankte Menschen gewesen. In Wuppertal, Remscheid und Solingen gab es laut Polizei doppelt so viele Todesfälle wie sonst an einem Wochenende. Danach seien es wieder deutlich weniger geworden.
Hitze wahrscheinlich Todesursache
Der ärztliche Leiter der Stadt Köln, Alexander Lechleutner, geht davon aus, dass die Hitze Ursache für die deutlich erhöhte Sterberate ist. Geklärt sei das aber nicht, weil in den meisten Fällen kein rechtsmedizinisches Gutachten vorliegt. Dem WDR sagte er:
"Die extreme Hitze bedeutete insbesondere für ältere und vorerkrankte Menschen eine hohe gesundheitliche Belastung und führte zu einer Übersterblichkeit. Es lässt sich jedoch nicht sagen, in wie vielen Fällen die Hitze tatsächlich die Todesursache war." Alexander Lechleutner, Ärztlicher Leiter der Stadt Köln
Nothelfer messen 44 Grad Körpertemperatur bei Patienten
Viele Einsätze der Rettungskräfte bei Hitzewelle am Wochenende
Lechleutner nennt ein eindrückliches Beispiel für einen Notfall, zu dem die Einsatzkräfte am Samstag wegen der anhaltenden Hitze gerufen wurden: Ein Patient sei vom Einkaufen gekommen, habe sich hingesetzt und das Bewusstsein verloren. Die herbeigeeilten Rettungskräfte haben an der Person eine Körpertemperatur von 44 Grad Celsius gemessen. Die Reanimation war nicht erfolgreich, der Patient sei gestorben.
Notaufnahmen überlastet - viele jüngere Patienten
Zudem seien die Krankenhäuser durch Hilfesuchende, Erkrankte oder Erschöpfte geradezu geflutet worden, sagt Lechleutner. Das habe dazu geführt, dass die Notaufnahmen überlastet waren.
Auch einige junge Menschen mussten stationär behandelt werden: Weil sie keine Kopfbedeckung trugen, bekamen sie einen Sonnenstich und mussten mit einer angeschwollenen Hirnstruktur mehrere Tage im Krankenhaus verbringen.
Mehr Tote auch in Leverkusen und im Rhein-Erft-Kreis
Die Stadt Leverkusen teilte mit, dass von Samstagmorgen bis Sonntagmittag 19 Todesfälle gezählt wurden. Auch hier werde geprüft, ob dies mit der Hitzewelle zusammenhängen könnte.
Eine ähnliche Situation schildert auch ein Sprecher der Polizei im Rhein-Erft-Kreis. Es seien am Hitzewochenende deutlich mehr Menschen gestorben als sonst in einem vergleichbaren Zeitraum.
Deutlich mehr Todesfälle in Duisburg und am Niederrhein
Die Polizei spricht von einer Verdreifachung der Zahlen. Wie oft die große Hitze am Wochenende in den Kreisen Kleve und Wesel sowie in Duisburg allerdings zweifelsfrei zum Tode geführt hat, ist nicht nachgewiesen.
Unsere Quellen:
- Polizei Köln
- Feuerwehr Köln
- Stadt Köln
- Polizei Rhein-Erft-Kreis
- Polizei Duisburg
- Polizei Kreis Kleve
- Polizei Kreis Wesel
Sendung: WDR.de, Vier Mal mehr Todesfälle am heißen Wochenende in Köln, 30.06.2026, 11 Uhr
Erstveröffentlichung des Artikels am 29.06.2026