Kölner Ermittler Markus Weber geht in Rente

WDR 07:37 Min. Verfügbar bis 26.05.2028

Auf der Jagd nach dem Mörder Als ein Kölner Ermittler einen ganzen Weiher leerpumpen ließ

Stand:

Er ermittelte bei den NSU-Morden und dem Reker-Attentat - und griff auf der Jagd nach einem Mörder zu einer ungewöhnlichen Maßnahme: In seinen rund 30 Jahren bei der Mordkommission hat Markus Weber zahlreiche spektakuläre Fälle bearbeitet. Jetzt geht der Kölner Ermittler in Rente und blickt auf eine einzigartige Karriere zurück.

Mit den Geschichten aus "Tatort", "Polizeiruf 110" und Co. hat die Arbeit eines Ermittlers eher weniger zu tun. Aber an manchen Stellen sind die TV-Ableger eben doch realistisch. Auch in Markus Webers Büro stehen die Akten aller alten Fälle gesammelt in einem Schrank. Und wer die mit Fahndungsplakaten vollgepflasterten Wände betrachtet, fühlt sich fast wie der Statist in einem Krimi.

"Baby getötet", steht auf einem Plakat in roter Schrift, darunter das Bild eines Sammelcontainers. "Gesuchter Dirnenmörder" verkündet ein anderes Plakat, eine große Zeichnung soll den mutmaßlichen Killer zeigen. Auf manchen Postern prangt der Stempel "Fall geklärt" - dort konnte Webers Team dem Opfer und seinen Angehörigen ein wenig Gerechtigkeit schenken.

"Ein gewisses Jagdfieber entwickelt"

32 Jahre lang, also genau die Hälfte seines Lebens, hat Markus Weber bei der Mordkommission der Kölner Polizei gearbeitet. "KK 11", so lautet das Kürzel für das "Königskommissariat", das sich mit den ganz harten Fällen beschäftigt. Wie viele Mörder er in seiner Karriere überführt hat, weiß Weber nicht. "Aber es waren sehr viele." Seit 2022 war er außerdem Leiter der damals neu gegründeten "Ermittlungsgruppe Cold Case", die sich mit ungeklärten Fällen beschäftigt. Jetzt geht er in Rente - und der ein oder andere Täter dürfte aufatmen.

Für Weber war es ein Traumjob. "Zum einen weiß man nie, was einen erwartet, wenn man alarmiert wird", sagt der 64-Jährige. "Und dann ist die Arbeit besonders bei ungeklärten Fällen ziemlich spannend, weil man auf der Suche nach dem Täter ein gewisses Jagdfieber entwickelt."

Die Gefahr: abstumpfen

Seit dem Teenageralter wusste Weber, dass er zur Kriminalpolizei möchte. Über den Mittleren Dienst und die Grundausbildung arbeitete er sich langsam nach oben. "Vielleicht war ich ein bisschen sicherheitsbewusster als Andere in meinem Alter", blickt er auf die Anfangszeiten zurück. Sonst sei er eigentlich "normal" gewesen.

Bild von Markus Weber als junger Polizist

Ein junger Markus Weber mit drei Kollegen.

1994 der Wechsel zur Kölner Mordkommission. Um es drei Jahrzehnte dort auszuhalten, regelmäßig mit grausam zugerichteten Leichen und menschlichen Abgründen zu tun zu haben, braucht es ein stabiles Gemüt. Mit seiner Frau und Freunden habe er nicht über die schlimmen Fälle geredet, sagt Weber. Das sei nicht zumutbar. Stattdessen habe der Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen geholfen.

Einige Personen aus der Mordkommission hätten über die Zeit Schlafstörungen bekommen. Einzelne Fälle seien so belastend gewesen, dass sie sich versetzen ließen. "Vielleicht stumpft man im Laufe der Zeit auch etwas ab", gibt der 64-Jährige zu. "Aber man muss trotzdem weiter in der Lage sein, mit den Angehörigen der Opfer einfühlsam umzugehen."

Kompletter Kölner Weiher leergepumpt

In seiner Karriere hat Weber zahlreiche Aufsehen erregende Fälle bearbeitet, unter anderem die NSU-Morde in der Kölner Keupstraße, das Attentat auf Ex-Oberbürgermeisterin Henriette Reker oder den Dreifach-Mord in Overath. Besonderes Aufsehen erregte 2015 eine Mordermittlung im Blücherpark. Neben einem Weiher wurde eine männliche Leiche gefunden - sie war offenbar ermordet worden.

"Wir haben dann die Umgebung nach Spuren oder einer Tatwaffe abgesucht", erinnert sich Weber. "Nachdem wir diese nicht gefunden hatten, kam in der Teambesprechung die Idee: Wir müssen natürlich auch mal im Wasser gucken." Weil der Weiher schlammig und nicht tief genug für Taucher war, ließ ihn Weber komplett leerpumpen. Die Waffe wurde zwar nicht gefunden, aber die Suchaktion schlug Wellen und setzte den Hauptverdächtigen derart unter Druck, dass er die Tat gestand.

Aus dem Archiv: Als der Weiher im Blücherpark leergepumpt wurde

WDR 02:24 Min. Verfügbar bis 27.05.2028

250 ungeklärte Cold Cases in Köln

Bei der Lösung von Cold Cases setzten Weber und sein Team immer wieder auf die Medien. Rekordverdächtige 13 Mal ist der Wahlkölner bei "Aktenzeichen XY... ungelöst" zu Gast gewesen. Dort stellte er unter anderem den Mord an Petra Nohl vor, die an Karneval 1988 in Köln getötet wurde. Nach der Sendung meldete sich ein Zuschauer und gab den entscheidenden Tipp: Der Täter sei ein ehemaliger Freund von ihm gewesen. Tatsächlich führte die Spur zum Erfolg. Der Verdächtige wurde überführt und zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt.

Ein Fahndungsplakat zum Karnevalsmord an Petra Nohl im Jahr 1988 hängt in Markus Webers Büro.

"Fall geklärt": Der Mord an Petra Nohl konnte gelöst werden.

Was braucht es, um ein erfolgreicher Ermittler zu sein? "Man muss ein Gespür für gewisse Sachverhalte haben und sich auf Personen einlassen können", sagt Weber. "Außerdem muss man hartnäckig sein und einen langen Atem haben, wenn man komplizierte Fälle bearbeitet. Und es ist wichtig, ein Teamplayer zu sein."

Aktuell sind im Kölner Raum noch rund 250 Cold Cases ungelöst. Diese werden Markus Webers Kollegen nun ohne ihn weiter bearbeiten. Der 64-Jährige geht zufrieden in Rente. "Ich hatte ein spannendes und erfüllendes Berufsleben", sagt er. Für die Zeit danach will er sich einem Hobby widmen, das fast genauso viel Adrenalin verspricht: Golf spielen.

Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
  • Gespräch mit Markus Weber

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Köln, 26.05.2026, 19.30 Uhr

Weitere Beiträge aus Köln

1 / 2