Köln: Empörung über Vorfall mit Ordnungsamt am Brüsseler Platz

Lokalzeit aus Köln 03.07.2025 02:34 Min. Verfügbar bis 03.07.2027 WDR Von Oliver Köhler

Video von Handgreiflichkeiten am Kult-Kiosk in Köln sorgt für Empörung

Stand:

Ein Video zeigt Handgreiflichkeiten zwischen Ordnungsamt und Kiosk-Mitarbeiter. So sieht der Brüsseler Platz den Konflikt.

Von Sun-Hie Kunert

"Ich bin kein Krimineller. Was machen die hier mit uns?", fragt Christian Becker, der Betreiber des Restaurants "Tante Kurt" am Brüsseler Platz. Er kann seine Aufregung nicht verbergen: "Wir verkaufen doch nur Essen und Trinken. Das zweitälteste Gewerbe der Welt." Becker fühlt sich vom Kölner Ordnungsamt gegängelt. Immer wieder gerät der mit dessen Mitarbeitern aneinander.

Vorfall zwischen Ordnungsamt und Kiosk-Mitarbeiter sorgt für Empörung

Kiosk-Geschäftsführer Pablo Dege schaut direkt in die Kamera. Er hat ein blaues Oberteil an.

Kiosk-Geschäftsführer Pablo Dege

Gegenüber befindet sich das beliebte Büdchen "le Kiosk". Pablo Dege, der Geschäftsführer, steht aufrecht, angelehnt an die Kiosk-Fensterbank im schützenden Schatten vor der Mittagssonne. An dieser mit Kunstrasen überzogenen Fensterbank wird bei gutem Wetter viel gequatscht im Belgischen Viertel. Doch am späten Dienstagabend (1. Juli) kommt es genau hier zu einem Vorfall zwischen Mitarbeitern des Ordnungsamtes und Dege.

Die Situation führt zu so viel Aufsehen, dass jemand eine Videoaufnahme macht. Dieses Video kursiert im Internet und sorgt für viel Empörung in den sozialen Netzwerken. Darauf kommt zu Handgreiflichkeiten. Ein Mitarbeiter des Ordnungsamtes scheint Dege in den Nacken zu fassen und niederzudrücken.

Kiosk bekommt häufig Besuch vom Ordnungsamt

Brüsseler Platz in Köln

Brüsseler Platz in Köln

Am Ende schreitet die Polizei ein und löst die Situation auf. Laut Polizei wird nun gegen den Mitarbeiter des Ordnungsamtes der Stadt Köln wegen Körperverletzung ermittelt. Die Stadt äußerte sich auf Anfrage des WDR wegen laufender Ermittlungen nicht zu dem Vorfall.

Pablo Dege sagt, es sei ursprünglich nur um das Schließen der Fenster und Türen des Kiosks gegangen. Er klagt, dass er sehr häufig Besuch vom Ordungsamt bekomme.

Verweilverbot wurde gekippt

Es ist später Mittag, die Gastronomen um den Kiosk am Platz bauen ihre Terrassen auf. Sie rollen mit den Augen, wenn man sie nach dem Ordnungsamt fragt. Sie erzählen von Ermahnungen und regelmäßigen Kontrollen von alten Lizenzen zu Stoßzeiten mit vier oder mehr Mitarbeitern des Ordnungsamtes. Das fühle sich bedrohlich an. Aus Angst vor noch mehr Ärger möchten sie nicht persönlich zitiert werden.

Der Konflikt am Brüsseler Platz dauert schon einige Jahre an. Ende letzten Jahres gab es schließlich ein Urteil des Verwaltungsgerichts Münster, welches die Stadt Köln dazu zwang, die Dezibelzahl nach 22:00 Uhr unter 60 zu halten.

Die Stadt reagierte: Schluss mit Außengastronomie und ein Verweilverbot auf dem Platz nach dieser Uhrzeit. Für die Gastronomen bedeutet das massive Umsatzeinbußen. Sie sind generell nicht gut zu sprechen auf die Stadt Köln.

Verweilverbot wieder gekippt

Das Verweilverbot wurde mittlerweile gekippt, stattdessen wurde ein Alkoholkonsumverbot ab dem 15. Mai diesen Jahres ausgesprochen. Die Mitarbeitenden des Ordnungsamtes sollen für die Einhaltung des Verbots sorgen.

"Ist schon ein unwohles Gefühl" Anwohnerin

Einige Meter weiter sitzt eine Mutter auf dem Spielplatz, die ihrem Kind eine kleine Brezel gibt. "Ich verstehe, dass sie ihre Arbeit machen müssen, aber ist schon ein unwohles Gefühl, wenn der Trupp hier mit 15 Mann die Straße runter geht."

Sie findet, dass es seit dem Verbot abends auf dem Platz ruhiger geworden ist. Dafür ist es bei ihr vor der Tür lauter geworden, 80 Meter weiter die Straße runter, am Kreisverkehr. Denn dorthin würden die Feiernden nun ausweichen.

Anwohner: Grölende Menschen größtes Problem

Ein Mann mit voll tätowierten Armen und Boardshorts bestätigt ihre Haltung. Er meint, dass es doch sehr viel ruhiger geworden sei. Und er könne das sagen, denn er wohne vorne am Brüsseler Platz im ersten Stock. Mit Kind sei das schon angenehmer: "Aber ich kann nicht mit offenem Fenster schlafen", sagt er herzlich lachend.

"Es war nie das Gemurmel der Leute, die einen wecken, sondern die Einzelnen, die hier nachts grölend über den Platz laufen und Flaschen zerschlagen." Und die gäbe es immer noch.

Quellen:

  • Stadt Köln
  • Polizei Köln
  • Reporterin vor Ort

Weitere Beiträge aus Köln

1 / 2