"Drogenkrieg" in Köln – Vierter Prozess gestartet

Lokalzeit aus Bonn 29.07.2025 02:28 Min. Verfügbar bis 29.07.2027 WDR Von Markus Schmitz

"Drogenkrieg" in Köln – Beschuldigte geben Vorwürfe zu

Stand:

Am Kölner Landgericht ist am Dienstag der vierte Prozess im "Drogenkrieg" gestartet. Es geht um Geiselnahme, Folter und 350 Kilo Marihuana.

Die drei Beschuldigten im Alter von 20 und 21 Jahren haben bereits am ersten Verhandlungstag die Vorwürfe gegen sie weitgehend eingeräumt. Sie haben unterschiedliche Staatsangehörigkeiten: einer ist Deutscher, einer Niederländer, einer Syrer. Der Verteidiger des syrischen Angeklagten rechnet nach einem möglichen Urteil mit einer Abschiebung.

Auseinandersetzung um 350 Kilo Marihuana

In dieser Lagerhalle in Hürth soll es zu den Taten gekommen sein.

Den Beschuldigten wird die Beteiligung an einer Geiselnahme vorgeworfen. Dabei soll ein Mann und eine Frau in einer Villa in Köln schwer misshandelt worden sein. Das war im Juli 2024. Anlass war laut Staatsanwaltschaft der Raub von 350 Kilogramm Marihuana in einer Lagerhalle in Köln.

Mit der Entführung hätten die mutmaßlichen Täter die verschwundenen Drogen zurückholen wollen. Sie glaubten, ein Familienangehöriger des entführten Mannes sei dafür verantwortlich. Nach der Rekonstruktion der Staatsanwaltschaft traf sich am Tag der Entführung eine Gruppe von Männern am Rastplatz Hösel an der Autobahn 3 zu einer Besprechung.

Darunter waren auch die drei Beschuldigten, die sich jetzt im vierten Prozess vor dem Landgericht Köln verantworten müssen.

Video zeigt Folter und Misshandlungen

Gemeinsam fuhren sie nach Bochum-Gehrte. Dort zwangen sie ihre Opfer - eine Frau und einen Mann - gewaltsam in einen Transporter und fuhren mit ihnen zu einem angemieteten Haus in Köln-Rodenkirchen, wo sie die Geiseln stundenlang folterten. Ein von den mutmaßlichen Tätern erstelltes Video dokumentiert Szenen dieser schweren Misshandlungen.

Dabei gingen die Männer laut Anklage äußerst brutal vor. Neben Schlägen mit Eisenstangen soll einer dem entführten Mann eine ungeladene Schusswaffe in den Mund gesteckt und abgedrückt haben.

Geld für Schläge

Am ersten Prozesstag berichtete der Beschuldigte aus den Niederlanden über seine Anwältin, er sei über ein soziales Netzwerk gefragt worden, ob er "für 5.000 Euro jemanden schlagen würde". Da er sich in einer schwierigen Lage befunden habe, habe er sich darauf eingelassen. Er habe aber keine Vorstellung davon gehabt, dass es sich um eine Entführung handeln würde. Er sei dafür nach Deutschland gebracht worden.

Der Anwalt des 20-jährigen deutschen Beschuldigten sagte, sein Mandant habe eine "Mitläufer-Stellung" gehabt, auch wenn er nichts bagatellisieren wolle. Der Beschuldigte werde sich auch ausführlich zu seinen Taten äußern, aber keinesfalls zu anderen Beteiligten. Der Grund sei, dass er Sorge um sein "eigenes Wohlbefinden" habe.

Der dritte Beschuldigte aus Syrien ließ über seinen Anwalt erklären, dass es sich um eine "schleichende Entwicklung" gehandelt habe, durch die er in die Geiselnahme hereingezogen worden sei.

Verfahren mit "außergewöhnlicher Dimension"

Laut Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer hat das Verfahren um den sogenannten Kölner Drogenkrieg eine "außergewöhnliche Dimension“. Insgesamt gibt es rund 60 Beschuldigte. Bislang wurden 38 Haftbefehle vollstreckt und 20 Personen angeklagt. Gegen die beiden mutmaßlichen Haupttäter stehen die Anklagen noch aus.

Im August soll der fünfte Prozess im Zusammenhang mit dem Kölner Drogenkrieg beginnen. Zeitgleich laufen im Kölner Landgericht zwei weitere Verfahren mit insgesamt sechs Angeklagten aus dem gleichen Komplex. Eins davon ist bereits abgeschlossen: Ein Mann wurde wegen Beihilfe zur Geiselnahme zu vier Jahren Haft verurteilt.

Unsere Quelle:

  • Staatsanwaltschaft Köln 
  • Reporter im Gerichtsprozess
  • dpa

"Drogenkrieg" in Köln – Vierter Prozess beginnt

WDR Studios NRW 29.07.2025 00:43 Min. Verfügbar bis 29.07.2027 WDR Online

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