PFAS aus dem Rhein könnte in Tagebau-Seen landen
WDR. 03:15 Min.. Verfügbar bis 19.05.2028.
Die Chemiedeponie im Leverkusener Ortsteil Bürrig ist eine der größten Sonderabfallanlagen in Deutschland. Seit fast 60 Jahren lassen hier Chemieunternehmen Produktionsrückstände vergraben - zum Teil offenbar hochgiftige Stoffe.
Chemikalien sickern ins Grundwasser. Um zu verhindern, dass sich die Schadstoffe im Untergrund ausbreiten, wird das Grundwasser rund um die Deponie ständig abgepumpt. Über das Klärwerk in Bürrig wird das Sickerwasser aus der Deponie dann in den Rhein geleitet.
Keine Reinigung des Wassers aus der Deponie
Das Problem: Das Klärwerk kann die gefährlichen Ewigkeitschemikalien PFAS und offenbar auch viele andere Schadstoffe nicht aus dem Deponiewasser herausfiltern. Dazu wären zusätzliche Filter notwendig. Folge: Die Chemikalien gelangen in den Rhein.
"Das hat uns regelrecht geschockt, dass es keine Reinigungsanlage für das Sickerwasser aus der Deponie gibt. Das ist ein Versäumnis, das dringend korrigiert werden muss" Paul Kröfges, Wasserexperte des Umweltverbandes BUND
Das Klärwerk Leverkusen Bürrig kann viele Chemikalien nicht aus dem Abwasser filtern
Denn die Chemikalien aus der Sonderabfalldeponie pumpt der Betreiber Currenta letztlich in den Rhein und das ganz legal. Denn für gefährliche Stoffe wie PFAS gibt es keine Grenzwerte. Ein Problem könnte das jetzt auch für die geplante Seenplatte im rheinischen Braunkohlerevier werden.
Wasser für Seenplatte wird nahe der Deponie abgepumpt
Denn hier sollen schon bald die Tagebaue Hambach und Garzweiler II mit Wasser aus dem Rhein gefüllt werden. Das Rheinwasser für die künftigen Seen soll ausgerechnet unterhalb von Leverkusen aus dem Rhein gepumpt werden. Umweltschützer warnen vor einer Verschmutzung des Grundwassers rund um den künftigen See.
"Im Rheinwasser schwimmen etwa 30.000 Chemikalien, unter anderem Ewigkeitschemikalien", sagt Dirk Jansen vom BUND. "Die haben weder etwas in den Tagebausee noch im Grundwasser noch in den Feuchtgebieten etwas zu suchen".
Um eine der wichtigen Quellen für die gefährlichen PFAS-Chemikalien und andere Schadstoffe auszuschalten, müsste das Abwasser der Deponie in Bürrig gründlich gefiltert werden. Aktivkohlefilter, die das können, gibt es längst, sagt der BUND-Wasserexperte Paul Kröfges.
Noch kein Reinigungsverfahren für Deponiewasser gefunden
Der Betreiber der Deponie - das Unternehmen Currenta - sagt aber, so einfach sei das nicht, das Abwasser der Deponie zu filtern. Schriftlich teilt das Unternehmen mit: "Currenta arbeitet bereits seit einiger Zeit intensiv daran, gezielte Maßnahmen und Behandlungsverfahren zu erproben, um die PFAS-Frachten (…) aus dem Sickerwasser schrittweise und nachhaltig zu reduzieren".
Hier bei Leverkusen werden Chemikalien aus der Deponie in den Rhein gepumpt
Wann es so weit sein soll, dass Currenta das Abwasser aus der Deponie endlich filtert, steht bis jetzt nicht fest. Schon in vier Jahren soll aber nur ein Stück flussabwärts Rheinwasser in den Hambacher See gepumpt werden. Wenn Currenta nicht Tempo macht mit den Filtern, dann landet die Chemie aus der Deponie auch im Hambacher See und im Garzweiler See.
Unsere Quellen:
- Dirk Jansen, Umweltverband BUND
- Paul Kröfges, Wasserexperte des Umweltverbandes BUND
- Schriftliche Stellungnahme von Currenta GmbH & Co. OHG
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Köln, 19.05.2026, 19.30 Uhr