Unter dem Motto "Zuhören" verwandelt das Shalom-Festival Köln in eine Bühne für jüdische Musik. An mehr als 25 Spielorten treten Musikerinnen und Musiker verschiedener Generationen und Traditionen auf.
Einer der vielleicht ungewöhnlichsten Acts ist der Hornist Bar Zemach. Er ist der erste bekannte Musiker, der ein jahrtausende altes Instrument melodisch auf die großen Konzertbühnen bringt: das sogenannte Schofar.
Schofar hat im Judentum eine besondere Bedeutung
Das Schofar ist kein gewöhnliches Blasinstrument. Diese Instrumente gibt es seit 3.000 Jahren. Traditionell aus einem Widderhorn gefertigt, kommt es ohne Klappen, Ventile und Mundstücke aus. Im Judentum hat es eine besondere Bedeutung und sein durchdringender Klang ist üblicherweise zu hohen Feiertagen in den Synagogen zu hören. Zum Beispiel zum Neujahrsfest Rosch ha Schana, das am 11. September beginnt.
Heute gehört das Schofar zu den ältesten Instrumenten der Welt. Normalerweise kann es maximal drei Töne hervorbringen. Bar Zemach schafft ganze Melodien, von Klassik bis zur FC-Hymne. Dabei erzeugt er die unterschiedlichen Tonhöhen mit seiner Atemtechnik und vor allem der Spannung seiner Lippen.
"Mein Opa hat mir mein Schofar zum 18. Geburtstag geschenkt," erzählt der mittlerweile 26-Jährige stolz, "Er wünschte sich, dass ich unsere Kultur in die Welt trage." Diesen Wunsch hat der Musiker bereits erfüllt. Allein im vergangenen Jahr hat Zemach weltweit rund hundert Konzerte mit dem Schofar gegeben.
Gratis-Konzerte für mehr Toleranz
Täglich muss der gebürtige Israeli drei Stunden üben. Dabei spielt er das Instrument koscher, also den religiösen Vorschriften entsprechend. Das heißt: nicht von der Seite und immer mit Kippa - der jüdischen Kopfbedeckung für den Mann.
Hat mit dem Schofar schon etwa 100 Konzerte gegeben: Bar Zemach.
Bildquelle: Riki SoferZemach wird während des Festivals mehrfach auftreten, unter anderem beim Eröffnungskonzert: "Dass Menschen das Schofar zum ersten Mal hören, bedeutet für mich meine Kultur ein Stück zu teilen," sagt er.
Ich finde, das Teilen von Kultur ist das Einzige, was uns in diesen Zeiten zusammenbringt, in denen das Zwischenmenschliche wirklich herausgefordert wird. Bar Zemach, Hornist
Mehr als 1.700 Jahre jüdisches Leben in Köln
Veranstaltet wird das Shalom-Festival vom Kölner Forum für Kultur und Dialog in Kooperation mit der Kölner Synagogen-Gemeinde. "Jüdische Musik und jüdisches Leben gehören zu Köln," sagte die Vorsitzende des Vereins Claudia Hessel bei einer Pressekonferenz im Mai 2026, "schließlich ist die Gemeinde hier die Älteste nördlich der Alpen."
Vom 1. bis zum 10. September finden in der ganzen Stadt rund 70 Konzerte statt. Auch der Kammerchor des Kölner Männer-Gesang-Vereins ist dabei und tritt mit der Berliner Sängerin Sharon Brauner auf. Der feierliche Auftakt beginnt in der Flora. Das Festival soll Raum für Dialog und Begegnung bieten. NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst hat die Schirmherrschaft übernommen.
Unsere Quellen:
- Interview mit dem Hornisten Bar Zemach
- Kölner Forum für Kultur im DIalog e.V.
Sendung: WDR.de, Shalom-Festival startet in Köln, 01.09.2026, 08:04 Uhr
