NRW-Mann wird Gesundheitsminister | Aktuelle Stunde

Aktuelle Stunde 24.07.2026 36:34 Min. UT Verfügbar bis 24.07.2028 WDR Von Per Quast

Früheres Linnemann-Interview "Warum wird der Gesundheitsminister?"

Stand:

Carsten Linnemann soll Gesundheitsminister werden. Vor einem Jahr fand er noch, dass er für den Job nicht geeignet ist.

Von Christina Höwelhans

Bundeskanzler Friedrich Merz hat seine Regierungsmannschaft neu aufgestellt. Die bisherige Gesundheitsministerin Nina Warken wechselt ins Kanzleramt. Im Gesundheitsministerium soll Carsten Linnemann aus Paderborn den Chefsessel übernehmen.

Vor einem Jahr hat Linnemann das Amt noch als abwegig bezeichnet

Dabei hat sich der 48-Jährige bisher weniger mit Gesundheitspolitik, sondern mehr mit Arbeits- und Wirtschaftspolitik beschäftigt. Es gilt als offenes Geheimnis, dass Linnemann bei der Regierungsbildung vor einem Jahr gerne Arbeitsminister geworden wäre - das Ministerium ging aber an die SPD. So blieb Linnemann in der CDU-Parteizentrale und dort Generalsekretär.

Friedrich Merz, Nina Warken, Carsten Linnemann und Philipp Amthor bei der Pressekonferenz zur Kabinettsumbildung

Linnemann (rechts) bei seiner Vorstellung, neben ihm Bundeskanzler Merz und die bisherige Gesundheitsministerin Warken

In einem Interview beim Fernsehsender Phoenix hat er damals gesagt, er brauche kein Ministeramt: "Dass das irgendwo bei Wikipedia steht, das ist nicht mein Ding." Und außerdem hat er hinzugefügt: "Wenn sie mich jetzt aufgestellt hätten, weiß ich nicht, als Gesundheitsminister, wäre ich wahrscheinlich nicht erfolgreich gewesen." Er glaubte damals sogar, dass die Leute gefragt hätten: "Warum wird der Gesundheitsminister?" Das Video tauchte jetzt wieder in den sozialen Medien auf.

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Ist Linnemann im Gesundheitsministerium fehl am Platz und sieht das auch selbst so? Der Paderborner hat bei seiner Vorstellung am Freitag (24.07.26) gesagt, ihm sei bewusst, dass er vor einer großen Aufgabe stehe: "Deshalb gehe ich mit Demut diese Aufgabe an, aber auch mit großem, großem Respekt." Das Thema Gesundheit betreffe alle, es berühre, und deshalb sei es so wichtig: "Ich freue mich auf die Aufgabe."

Meinung der Menschen in Paderborn gehen weit auseinander

Jeder kennt ihn in Paderborn. Jeder hat eine Meinung. Carsten Linnemann ist Gesprächsthema auf dem Domplatz in Paderborn, der Heimatstadt des Politikers. Und die Meinungen zu seinem zukünftigen Amt gehen weit auseinander. Einige sind bereit, ihm Zeit einzuräumen, glauben, dass er "das Zeug hat." Andere finden: "Er gehört er da nicht wirklich rein", und fragen sich auch heute: "Warum wird der Gesundheitsminister?"

Ralf Schaffer

"Ich finde gut, dass er jetzt noch mehr Verantwortung bekommt. Das ist auf jeden Fall ein guter Mann." - Ralf Schaffer

Dauemen hoch vom Ehepaar Lüdicke

"Was er sich erstmal aneignen muss, ist Basiswissen im Gesundheitswesen. Da wird immer gesagt, das hat er nicht. Aber ich traue ihm zu, dass er sich da schnell einarbeitet." - Andreas Lüdicke

Patricio Gomes Ferreira zweifelt an Linnemann

"Wenn die Attitude der CDU weiter so bleibt, wie sie aktuell ist, könnte es auch sehr in die Hose gehen." - Patricio Gomes Ferreira

Vier Personen sitzen auf einer Treppenstufe vor einem LKW

"Ich finde schon, dass er relativ bodenständig ist und ich glaube, dass er versucht, etwas umzusetzen." - Jennifer Chamberlain (ganz links)

Junges, blondes Mädchen lächelt in die Kamera

"Ich finde, wenn jemand von sich sagt, dass er sich nicht vorstellen kann das zu machen, dann gehört er da nicht wirklich rein. Man sollte schon selbst von sich überzeugt sein, wenn man sich dafür entscheidet." - Grace Chamberlain (vorne rechts)

Zwei Männer lächeln

"Er hat das Zeug zum Minister, aber das Gesundheitsamt ist eine sehr schwere Aufgabe für ihn. Ich glaube, dass er das kann. Er hat ja genügend Leute im Hintergrund, die für ihn arbeiten." - Thomas Siemen (links)

"Ich finde gut, dass er jetzt noch mehr Verantwortung bekommt. Das ist auf jeden Fall ein guter Mann." - Ralf Schaffer

"Was er sich erstmal aneignen muss, ist Basiswissen im Gesundheitswesen. Da wird immer gesagt, das hat er nicht. Aber ich traue ihm zu, dass er sich da schnell einarbeitet." - Andreas Lüdicke

"Wenn die Attitude der CDU weiter so bleibt, wie sie aktuell ist, könnte es auch sehr in die Hose gehen." - Patricio Gomes Ferreira

"Ich finde schon, dass er relativ bodenständig ist und ich glaube, dass er versucht, etwas umzusetzen." - Jennifer Chamberlain (ganz links)

"Ich finde, wenn jemand von sich sagt, dass er sich nicht vorstellen kann das zu machen, dann gehört er da nicht wirklich rein. Man sollte schon selbst von sich überzeugt sein, wenn man sich dafür entscheidet." - Grace Chamberlain (vorne rechts)

"Er hat das Zeug zum Minister, aber das Gesundheitsamt ist eine sehr schwere Aufgabe für ihn. Ich glaube, dass er das kann. Er hat ja genügend Leute im Hintergrund, die für ihn arbeiten." - Thomas Siemen (links)

Bei den Koalitionsverhandlungen hat Linnemann das Thema Gesundheit verhandelt

Linnemann ist seit 2009 im Bundestag, wurde in seinem Wahlkreis in Paderborn immer direkt gewählt. Er ist Vertreter des Wirtschaftsflügels der Partei, seine Schwerpunkte im Bundestag sind die Themen Arbeit und Wirtschaft. Bei den Koalitionsverhandlungen hat er allerdings auch in der Arbeitsgruppe Gesundheit mitverhandelt. Mit den Themen, mit denen er sich nun im Ministerium auseinandersetzen muss, hat er sich also durchaus schon beschäftigt.

Fachfremde Minister keine Seltenheit

Dass Politiker ein Ministerium übernehmen, ohne dass es ihr ausgewiesenes Fachgebiet ist, ist schon häufig vorgekommen. Der ehemalige Außenminister Heiko Maas etwa hatte vor seiner Amtsübernahme wenig mit außenpolitischen Themen zu tun, er war eher in seinem vorherigen Amt als Justizminister bewandert. Oder die heutige EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, sie begann ihre Laufbahn als Familienpolitikerin. Nach dem Bundesfamilienministerium hat sie aber auch das Arbeits- und danach das Verteidigungsministerium geführt.

Linnemann stehen viele Verhandlungen mit Interessensvertretern bevor

Die Aufgabe des NRW-Politikers Linnemann wird es sein, die von seiner Vorgängerin Warken durchgesetzte Reform zur Stabilisierung der Krankenkassen umzusetzen. Außerdem muss die Pflege dringend reformiert werden. Und die Krankenkassen sollen neu strukturiert werden. Dazu hat Linnemann schon Ideen. Schon im April hat er in der ARD-Sendung Maischberger über zu viele Kassen geklagt: "Wir haben über 90 Krankenkassen mit Verwaltungen, Vorständen und so weiter. Ich finde, zehn Krankenkassen reichen aus."

Linnemanns Motto ist "Einfach mal machen", so heißt auch der Podcast, den er als CDU-Generalsekretär moderiert. Im Gesundheitsministerium wird er wohl nicht nur "einfach mal machen" können, sondern sich auch mit unterschiedlichen Akteuren auseinandersetzen müssen: mit Krankenkassen- und Patientenvertretern, Vertretern der Pharmabranche, Krankenhausvertretern und vielen anderen. ARD-Hauptstadtkorrespondent Markus Preiß gab kurz vor Linnemanns Vorstellung zu Bedenken, dass es viele Reformen zu managen gebe und Linnemann sich erst noch einarbeiten müsse: "Das ist sicher nicht ganz ohne."

"Von außen aufs System schauen" - ein Vorteil?

Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbandes der Gesetzlichen Krankenkassen, hat gegenüber der Tagesschau auf Linnemanns Vorgängerin verwiesen, die vor der Amtsübernahme auch nicht viel mit Gesundheitspolitik zu tun hatte: "Frau Warken hat ja bewiesen, dass man durchaus viel bewegen kann, auch wenn man fachfremd reinkommt." Es sei vielleicht auch ein Vorteil, "von außen auf ein solches System zu gucken".

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Linnemann hat in der CDU-Parteizentrale das neue Grundsatzprogramm der Partei erarbeitet. Dafür hat er mit den verschiedenen Flügeln der CDU zusammengearbeitet und konnte seine Verhandlungs- und Managementqualitäten unter Beweise stellen - die wird er im Ministerium auch brauchen. Am Freitag hat sich der Noch-CDU-Generalsekretär auf seinem Instagram-Account in einem Video zu seinem bevorstehenden neuen Amt geäußert: "Ich bin ehrlich, ihr müsst mir ein bisschen Zeit geben, hier und da muss ich noch tiefer einsteigen." Er sehe aber gute Möglichkeiten, "dass wir ein gerechtes, leistungsfähiges, zukunftsfähiges Gesundheitssystem bekommen". Er nehme die Aufgabe an.

Unsere Quellen:

  • Pressekonferenz von Bundeskanzler Merz zur Vorstellung der neuen Minister am 24.07.26
  • Einschätzung von ARD-Hauptstadtkorrespondent Markus Preiß
  • Phoenix-Interview mit Carsten Linnemann vom 06.05.25
  • ARD-Sendung Maischberger vom 29.04.26
  • Instagram-Account von Carsten Linnemann
  • tagesschau-Interview mit Oliver Blatt, Vorstandsvorsitzender GKV-Spitzenverband

Sendung: Aktuelle Stunde, NRW-Mann wird Gesundheitsminister, 24.07.2026, 18:45 Uhr.

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