Es ist mehr als nur eine nette Geste: wer wollte, konnte sich an Allerheiligen zum Beispiel in Münster auf dem Zentralfriedhof unter einem vor Regen geschützten Pavillon der Malteser mal so richtig ausquatschen.
Erzählen, was einen bewegt und der Einsamkeit für ein paar Momente entfliehen. Das machte auch Ingrid aus Münster. Sie verlor in kürzester Zeit gleich drei Menschen, die ihr nahestanden.
"Ich fühle mich oft einsam, habe keine Verwandtschaft mehr, muss immer alleine auf den Friedhof. Dass es dieses Angebot jetzt gibt, finde ich richtig klasse. Es tut gut." Ingrid, Besucherin des Zentralfriedhofs in Münster
"Coffee to go" war gestern
Das hört Hendrik Feldhues gern. Er gehört dem Stadtverband der Malteser in Münster an. Zusammen mit einem Kollegen und zwei Kolleginnen bildeten sie heute die Anlaufstelle auf dem Friedhof. Statt eines "Coffee to go" gibt es hier einen "Coffee to stay".
Bewegende Begegnungen - gerade auf dem Friedhof
Das vierköpfige Team der Malteser waren für Gespräche da
Bildquelle: WDR/Marco PoltronieriBis nachmittags war das Team vor Ort. Sie hören zu, bieten Getränke und Kekse an und die Möglichkeit, miteinander ins Gespräch zu kommen.
"Ich bin überrascht, wie sehr das Angebot angenommen wird. Man kennt sich keine fünf Minuten und schon wird alles erzählt. Mir haben Leute schon Fotos von den Gräbern ihrer Angehörigen gezeigt, samt bewegender, sehr persönlicher Geschichten." Hendrik Feldhues, Stadtverband der Malteser in Münster
Anlaufstelle kommt gut an
Für die vier Ehrenamtlichen ist es eine Premiere. Wer will, kann als Zeichen von Trost und Hoffnung einen Segensspruch mitnehmen. Oder einfach nur eine Kerze.
Die Malteser verteilten Segenssprüche oder Kerzen an die Besucher
Bildquelle: WDR/Marco PoltronieriWeil im Laufe des Tages auf dem Zentralfriedhof reger Betrieb herrschte und viele die Malteser-Anlaufstelle besuchten, ist sich Hendrik Feldhues sicher, dass dieses Angebot wiederholt wird. "Das machen wir sicher noch mal", sagt er.
"Coffee to stay" an vielen Orten in NRW
Das Angebot gab es im Münsterland auch auf den Friedhöfen in Ostbevern und Ahlen. Innerhalb der Diözese Paderborn gab es das Angebot zudem in Herne, Paderborn und Warstein sowie in Kalkar, Wesel, Baesweiler, Hennef, Duisburg, Gelsenkirchen, Gladbeck, Oberhausen und Werdohl.
Junge und alte Menschen am häufigsten einsam
Große und kleine Besucher nahmen das Gesprächsangebot bei Kaffee und Keksen an
Bildquelle: WDR/Marco PoltronieriLaut dem Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend fühlen sich etwa ein Drittel der Erwachsenen in Deutschland teilweise einsam, knapp 20 Prozent fühlen sich sogar sehr einsam. Während der Pandemie waren vor allem die Jüngeren betroffen: Bei 18- bis 29-Jährigen stieg der Anteil im Jahr 2021 auf 31,8 Prozent.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter vor Ort
- Malteser Stadtverband Münster