Overtourism - Mallorca am Limit
Aktuelle Stunde . 26.07.2026. 15:25 Min.. UT. Verfügbar bis 26.07.2028. WDR. Von Aida Shakirova.
Marta Valles ist 35 Jahre alt und lebt auf Mallorca. Die Spanierin träumt davon, ein kleines Haus im Inselinneren zu haben. Doch finanziell ist das für die Apothekerin unrealistisch. Wegen der hohen Immobilienpreise.
Maria Valles wohnt mit ihrem Partner in ihrem alten Kinderzimmer
Selbst eine Mietwohnung ist für sie zu teuer. Marta Valles bleibt nichts anderes übrig, als gemeinsam mit ihrem Partner bei ihren Eltern zu wohnen. In ihrem alten Kinderzimmer. "Es ist ein Zimmer, hier verbringen wir unser Leben", sagt Valles dem WDR resigniert.
Jede dritte Immobilie auf Mallorca geht an ausländische Käufer
Mindestens 500.000 Euro würde ein Haus kosten. "Ich suche weder eine Villa noch etwas sehr Großes, sondern etwas Einfaches", so Valles. Aber selbst für eine normale Eigentumswohnung mit höchstens 60, 70 Quadratmetern lägen die Preise bei mindestens 300.000 Euro und mehr. Das sei ziemlich teuer, sagt die junge Frau.
Valles verdient als Apothekerin in Vollzeit knapp 1.200 Euro netto im Monat. Menschen aus dem Ausland, deren Gehälter höher sind als die auf Mallorca, hätten mehr finanzielle Mittel, um auf der Balearen-Insel eine Immobilie zu erwerben. Inzwischen kaufen Ausländer fast jede dritte Immobilie auf Mallorca, besagen Statistiken.
Mieten auf Mallorca sind um mehr als 150 Prozent gestiegen
So wie Marta Valles geht es tausenden jungen Mallorquinern. Bezahlbarer Wohnraum? Die Mieten auf den Balearen sind innerhalb von zehn Jahren um mehr als 150 Prozent gestiegen.
Der Frust der Einheimischen macht sich mittlerweile auf den Straßen Mallorcas bemerkbar. Tausende demonstrieren - wie etwa bereits im Sommer vergangenen Jahres - gegen die Folgen des Massentourismus und für bezahlbaren Wohnraum.
Demo mit zehntausenden Teilnehmenden am Sonntag in Palma
Und auch am Sonntag zeigen viele Einwohner des auch bei NRWlern äußerst beliebten Reiseziels ihren Frust mit einer Demo in Palma. Der Protestzug steht unter dem Motto "Mallorca am Limit". Erwartet werden zehntausende Teilnehmende.
Rund 50 Initiativen hatten zu der Demo aufgerufen. Das Ziel: mit einer möglichst breiten Mobilisierung auf die Auswirkungen des Tourismus auf Wohnraum, Infrastruktur und Lebensqualität aufmerksam zu machen. Man wolle die Hauptstadt Palma lahmlegen, hieß es im Vorfeld.
Journalist Michael Wrobel berichtet für den WDR von der Demonstration. Er erlebt die mallorquinische Gesellschaft gespalten. Es gebe auch Menschen, die Kritik an den Protesten übten. Man verdiene schließlich seine Brötchen mit dem Geld, was sie nach Mallorca brächten. Marta Valles indes hofft, bald ihr eigenes Zuhause zu finden. Auch sie beteiligt sich am sonntäglichen Demonstrationszug.
Unsere Quellen:
- Marta Valles gegenüber dem WDR
- Beobachtungen des Journalisten Michael Wrobel vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.07.2026, 18:45 Uhr