Politische Aussagen: Alphaville darf nicht auftreten
Bildquelle: imago stock&peopleAktuelle Stunde . 03.09.2026. 29 Min. 38 Sek.. UT. Verfügbar bis 03.09.2028. WDR. Von Jan Hofer.
Die Kehrtwende der Veranstalter kam offenbar zu spät: Die Münsteraner Band Alphaville ("Forever Young") wird endgültig nicht beim Glücksgefühle-Festival am Hockenheimring auftreten. "Wir nehmen die Entschuldigung und Wiedereinladung des Veranstalters Markus Krampe zur Kenntnis und hoffen, dass er von nun an die Bedeutung von Rede- und Kunstfreiheit beim 'Glücksgefühle Festival' gebührend respektiert", erklärte Alphaville-Sänger Marian Gold am Donnerstagabend.
"Ungeachtet dessen haben die vorangegangenen Äußerungen eine Atmosphäre geschaffen, in der wir von einem Auftritt absehen." Marian Gold, Alphaville
Die Gage des geplatzten Auftritts werde Alphaville an eine gemeinnützige Organisation spenden.
Streit um politische Aussagen auf der Bühne beim Glücksgefühle-Festival
Wie war es zu dem Eklat gekommen? Am Mittwoch war bekannt geworden, dass die Organisatoren die Band kurzfristig ausgeladen hatten. In der Absage heißt es: "Wir dulden keine politischen Themen oder Äußerungen jeglicher Art auf unserer Bühne." Das Festival sei komplett unpolitisch, es gehe um Spaß und "good vibes only". Man habe Alphaville vorab darum gebeten, politische Betätigung auf der Bühne zu unterlassen. Darauf habe man sich mit Alphaville aber nicht einigen können.
Gold und seine Band reagierten wütend und fassungslos. Auf Instagram sprach der Sänger von einem "Maulkorberlass". Es handle sich um einen klaren Angriff auf die Meinungs-, Rede- und Kunstfreiheit.
Unterstützung für Alphaville durch die Toten Hosen
Mit dieser Einschätzung steht Gold nicht allein: Am Mittwoch holten die Toten Hosen bei ihrem Konzert in Münster den Alphaville-Sänger als Überraschungsgast auf die Bühne. Der Frontsänger der Toten Hosen, Campino, bezeichnete die Entscheidung des Festivals gegenüber dem Publikum als "absurd" und sagte, dass "eine neue Grenze eingerissen" worden sei. Das Statement hatte auch die Münsterländer Band Donots, deren Sänger Ingo Kollmann auch vor Ort war, auf ihrer Instagram-Seite gepostet.
Festivalmacher reagieren mit Entschuldigung und Wiedereinladung
Offenbar als Reaktion auf den öffentlichen Druck kam am Donnerstag die Kehrtwende: "Wie wir gehandelt haben, war in der Tat ein Fehler. Das tut mir leid", sagte Festival-Chef Krampe der "Bild"-Zeitung.
"Wir laden Alphaville ein, wie geplant Teil des Festivals zu sein. Nicht als Zeichen eines Nachgebens, sondern als bewusste Entscheidung für das, was uns verbindet." Auch Mitorganisator Lukas Podolski schrieb auf Instagram: "Ich finde es gut, dass Markus die Entscheidung nochmal überdacht und klar gesagt hat, dass es ein Fehler war."
Festival begründet Ausladung mit "unpolitischem" Konzept
Die Veranstalter hatten zuvor in den sozialen Medien betont, dass "gesellschaftlich kontrovers diskutierte und politische Reden auf der Bühne zu unterlassen seien". Alphaville stand demnach in diesem Jahr schon auf zwei anderen Konzerten der "Glücksgefühle"-Veranstalter auf der Bühne.
Auch dort soll die Band sich politisch geäußert haben. Sänger Gold hatte sich zudem in der Ansage des Songs "Carry Your Flag" deutlich gegen rechtsradikale Tendenzen und für Freiheit, Toleranz und Demokratie eingesetzt.
Debatte in sozialen Medien über politische Aussagen von Alphaville
In den sozialen Medien wie Instagram und Facebook gibt es dazu viele Kommentare. Einige schreiben, "mit dem Rauswurf von Alphaville hätte man das Festival erst recht politisch gemacht" oder "gegen Rechtsextremismus ein Zeichen setzen ist gerade jetzt so wichtig".
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Instagram-Post Marian Gold
- Instagram-Post Glücksgefühle-Festival
- Instagram-Post Donotsofficial
- Instagram-Post Lukas Podolski
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 03.09.2026, 18:45 Uhr
Erstveröffentlichung des Beitrags am 03.09.2026
