Ein Haus für die goldene Kokosnuss
WDR. 03:10 Min.. Verfügbar bis 19.05.2028.
Neues Museum für Münsters Domschatz : Ein Haus für die goldene Kokosnuss
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Der Domschatz fasziniert. Das zeigte sich im vergangenen Jahr bei der Feier zum 800-jährigen Bestehen des münsterschen Doms. Die Menschen standen Schlange, nur um einen kurzen Blick auf die Kostbarkeiten aus Silber, Gold und Edelsteinen zu werfen.
Katrin Egbringhoff dreht den Schlüssel in der Tür zum Tresorraum um. Die junge Frau ist eine von vier Kunsthistorikerinnen, die im Auftrag des Domkapitels den wertvollen Domschatz pflegen. Hochgesichert, hinter dicken Mauern, irgendwo im Münsterland.
Seit fast zehn Jahren ist der Domschatz eingelagert. Es gab kein Museum, wo man ihn hätte zeigen können. Nur manchmal kamen Teile ans Tageslicht, wie im vergangenen Jahr, als das Bistum den 800. Geburtstag des Doms feierte.
Vergoldeter Paulus-Kopf - fast 1.000 Jahre alt
Da gab es unter anderem den Paulus-Kopf zu sehen. Das ist eine kleine vergoldete Büste, angeblich fast 1.000 Jahre alt, in der Splitter vom Schädelknochen des echten Apostel Paulus stecken sollen. Paulus ist der Namensgeber des münsterschen Doms. Es ist das wertvollste Stück des Domschatzes und soll im neuen Paulus-Museum einen Ehrenplatz bekommen.
Der Museumsbau: ein glücklicher Zufall
Das neue Museum mitten in der Innenstadt von Münster ist derzeit im Bau, in gut drei Monaten, am 26. August, soll es eröffnen. Das Museum ist einer Handvoll Münsteranern zu verdanken, darunter eine Unternehmer-Familie, der Domprobst und ein Architekt.
"Es war - ich will nicht sagen - eine Schnapsidee, aber doch ein Zufall, dass wir gesagt haben: Warum nicht hier ein Dommuseum machen?" Jörg Preckel, Architekt
Die katholische Kirche wollte und konnte sich den Museumsneubau nicht leisten. "Das wäre niemandem zu vermitteln gewesen, dass wir Millionen in ein Museum stecken, gleichzeitig aber Kirchen und andere katholische Einrichtungen aus Mangel an Geld schließen", sagt Domprobst Hans-Bernd Köppen. Und so kam es zu einer ungewöhnlichen Kooperation.
So soll der Innenraum des Museums für den Domschatz aussehen
Eine Unternehmer-Familie aus Münster besaß bereits Häuser in der Innenstadt, sie kaufte zwei weitere dazu und schmiedete zusammen mit einem Architekten und dem Domprobst Pläne für ein Museum nur einen Steinwurf vom Prinzipalmarkt entfernt - als neues Zuhause für den Domschatz.
Museumsbetrieb finanziell abgesichert
Eigentümer des Gebäudes ist die Unternehmer-Familie, sie vermietet die Museumsräume an das Domkapitel. Die Unterhaltung sei für die nächsten zehn Jahre gesichert, versichert der Domprobst. "Es gibt drei große Geldgeber: die Kirchensteuerzahler, eine Stiftung und künftig auch einen Förderverein."
Allerdings reichen die Räume für den Domschatz im Ganzen nicht aus, so groß ist das Museum nicht. Doch das sei von Vorteil, sagen die Initiatoren. Sie planen stetig wechselnde Ausstellungen.
Domprobst Hans-Bernd Köppen (links) mit Architekt Jörg Preckel auf der Baustelle.
Vom Paulus-Kopf bis zur vergoldeten Kokosnuss
Und dann werden auch die vielen kuriosen Stücke des Domschatzes ans Tageslicht kommen: eine vergoldete Kokosnuss mit Reliquien gefüllt oder ein jahrhundertealtes Bischofsgewand, das die französische Königin Marie-Antoinette bestickt haben soll für ihren Bruder Maximilian Franz, Fürstbischof von Münster.
Die beiden, weiß Domprobst Köppen, seien Kinder der legendären Kaiserin Maria Teresa von Österreich gewesen. "So hat die Sissi auch noch was mit Münster zu tun", freut sich Köppen. Er freut sich darauf, im neuen Museum die vielen Geschichten, die mit dem Domschatz verbunden sind, schon bald einem breiten Publikum erzählen zu können.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Domprobst Hans-Bernd Köppen
- WDR-Gespräch mit Architekt Jörg Preckel
- WDR-Gespräch mit Kunsthistorikerin Katrin Egbringhoff
- Beobachtungen der WDR-Reporterin Petra Brönstrup vor Ort
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Münsterland, 19.05.2026, 19.30 Uhr
