In Münster wollen Neonazis am Samstag, den 19.07 wieder aufmarschieren und demonstrieren. So wie am vergangenen Samstag, als etwas mehr als einhundert Neonazis aus Dortmund auf dem Bahnhofsvorplatz wegen eines Rechtsstreits vor dem Oberverwaltungsgericht Münster Stimmung machten.
Mehr als 1100 Gegendemonstranten traten ihnen entgegen. Die Polizei hatte mit einem Großaufgebot alle Hände voll zu tun. Über viele Stunden herrschte am Hauptbahnhof kompletter Stillstand.
Demos schränken öffentliches Leben am Bahnhof ein
"Der ÖPNV eingeschränkt, der Laden leer, die Stimmung mies," fasst Miriam Görge den Tag zusammen. Sie ist Leiterin der Bahnhofsbuchhandlung. "Erst die Umsatzeinbußen und dann musste ich auch noch 14 Stunden im Laden ausharren. Ich kam einfach nicht mehr weg, wegen der Absperrungen. Nichts ging mehr", erinnert sie sich. Nun befürchtet sie, dass es am Samstag nächster Woche (19.07) wieder so kommen könnte.
Richard Halberstadt unterstützt die Händler am Münsteraner Hbf
"Das wäre dann die dritte Demo in kürzester Zeit hier am Ort", erläutert Richard Halberstadt. Der CDU-Ratsherr lebt seit mehr als 50 Jahren im Bahnhofsviertel und kümmert sich um kommunalpolitisch wichtige Angelegenheiten. Die Sorgen und Nöte der Ladeninhaber, der Geschäftsleute und der Hoteliers im Viertel gehören dazu. "Es ist einfach aus Sicht vieler Gewerbetreibender nicht mehr tragbar. Geschäfte und Hotels können während der Demos nicht mehr angefahren werden. Keine Kunden heißt: kein Umsatz !"
Mit Brief und Unterschriftenliste das Schlimmste verhindern
Halberstadt hat deshalb einen Brief an die Polizei und die Stadt geschrieben, mit der Bitte, den Demonstrationszug an einen anderen Ort zu verlegen. Oder zumindest gemeinsam nach einer für alle tragfähigen Lösung zu suchen. "Klar, das Demonstrationsrecht ist ein hohes Gut, das steht auch außer Frage. Aber so kann es nicht weitergehen". Zumal das Bahnhofsviertel eh nicht den besten Ruf hat. Es gilt in Münster als Drogen-Hot-Spot-Areal und Anlaufplatz für kriminelle Geschäfte aller Art.
Viele Ladeninhaber haben unterschrieben
Yosef Dalil, Filialleiter einer Lebensmittelkette, macht bei der Aktion mit
Auch Yosef Dalil, Filialleiter einer Lebensmittelkette, unterschrieb ohne zu zögern. Wie viele andere auch: mehr als 40 Vertreter aus Hotellerie, Geschäften und Boutiquen setzten ihren Namen unter den Protestbrief.
Der ist mittlerweile bei der Polizei und der Stadt Münster gelandet. Die Polizei hält sich bedeckt, will aber Richard Halberstadt antworten, nach Einschätzung und Prüfung des Sachverhalts. Ebenso die Stadt. Die Betroffenen hoffen unterdessen, dass der "Kelch“ vielleicht doch noch an ihnen vorübergeht.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- Richard Halberstadt, CDU-Ratsherr und Mitglied der „Ordnungspartnerschaft Bahnhof“