Tattoo-Aktion bringt Freude im Achatiushaus Münster

WDR 03:59 Min. Verfügbar bis 21.07.2028

Junge Pflegebedürftige in Münster Tattoo-Studio im Pflegeheim

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Junge Pflegebedürftige lassen sich tätowieren. Die Aktion zeigt, wie selten passende Pflegeheime für unter 60-Jährige sind.

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Petra Brönstrup

Helga Wiesmüller lebt seit 25 Jahren im Achatiushaus in Münster. Die heute 61-Jährige leidet seit früher Kindheit an einer Muskelschwäche und braucht ständig Pflege.

Wiesmüller hatte sich ein Tattoo gewünscht. Doch sie kam mit ihrem sperrigen Rollstuhl nicht ins Tattoo-Studio. Deshalb ist die Tätowiererin jetzt da. Sie ist für einen Tag ins Achatiushaus gekommen und hat dort im Wohnzimmer ihr Tattoo-Studio aufgebaut.

Das Achatiushaus - kein gewöhnliches Pflegeheim

Darüber freuen sich auch andere Bewohner. Moritz Marohn zum Beispiel. Der 32-Jährige hat keine Beine mehr, die wurden ihm vor zwei Jahren abgenommen. Nun rollt er zusammen mit Helga Wiesmüller und drei anderen Bewohnern ins Wohnzimmer, um sich tätowieren zu lassen.

Eine Frau tätowiert einen Mann.

Moritz Marohn bekommt ein japanisches Schriftzeichen auf die Brust tätowiert

Er hat sich für ein japanisches Schriftzeichen entschieden. Er sagt, das stehe für Liebe. Marohn will es auf der linken Brust haben.

"Ich dachte mir, so über dem Herzen passt das ja eigentlich ganz gut." Moritz Marohn, Bewohner im Achatiushaus Münster

Es herrscht eine ausgelassene Stimmung. Die Bewohner freuen sich über diese schöne Abwechslung. Der Sozialdienst des Hauses hat dafür gesorgt, er bemüht sich um altersgerechte Angebote im Achatiushaus. Das Haus ist kein gewöhnliches Pflegeheim, es hat eine Etage mit 18 Plätzen für Pflegebedürftige zwischen 18 und 60.

Nur wenige Pflegeheime für junge Menschen

Einrichtungen dieser Art sind in NRW selten, es gibt sie unter anderem in Dortmund, Duisburg, Nettetal. Es gibt Pflegeheime für alte Menschen, aber kaum für junge. Landesweite Zahlen über Angebot und Nachfrage gibt es nicht. Zuständig sind die jeweiligen Kreise und Kommunen.

Die Stadt Münster zum Beispiel sieht das Problem, wenn junge Pflegebedürftige in Einrichtungen für alte Menschen untergebracht werden müssen. "Die Versorgung in einer regulären vollstationären Pflegeeinrichtung entspricht in der Regel nicht den Wünschen und dem Bedarf der Menschen unter 65 Jahren", heißt es im Bericht der Stadtverwaltung zur kommunalen Pflegeplanung in Münster.

Einrichtungen müssen sich rechnen

Aber die Stadt ist nicht Träger dieser Einrichtungen. Das sind oft Wohlfahrtsverbände wie Caritas, Diakonie und Arbeiterwohlfahrt oder Gesundheitsunternehmen wie Alexianer. Und für die muss sich der Betrieb rechnen. Nur das ist bei Pflegeheimen speziell für junge Pflegebedürftige unter 60 oft nicht der Fall. Große Häuser werden nicht benötigt, weil es gar nicht so viele Betroffene gibt, und kleine Häuser mit wenigen Plätzen rechnen sich nicht.

Die Alexianer in Münster haben deshalb mit dem Achatiushaus eine Einrichtung für alle Altersgruppen geschaffen. Aber hier leben junge und alte Pflegebedürftige nicht zusammen, sondern sie haben eigene Bereiche mit eigenen altersgerechten Angeboten.

Eine Tätowiererin sticht einer lächelnden Frau ein Tattoo auf den Arm.

Helga Wiesmüller glücklich mit einem Eulen-Tattoo auf dem Arm

Mobiles Tattoo-Studio im Pflegeheim kommt an

Das mobile Tattoo-Studio im Wohnzimmer ist ein solches Angebot. Am Ende des Tages sitzen die jungen Pflegebedürftigen im Garten zusammen und bewundern ihre Tattoos. Das war sicherlich nicht die letzte Aktion dieser Art im Achatiushaus in Münster.

Unsere Quellen:

  • Reporterin im Gespräch mit jungen Pflegebedürftigen
  • Kommunale Pflegeplanung der Stadt Münster
  • NRW-Gesundheitsministerium
  • Sprecherin der Alexianer GmbH

Sendung: wdr.de, Junge Pflegebedürftige in Münster: Tattoo-Studio im Wohnzimmer, 24.07.2026, 09:25 Uhr

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