Zwangsprostitution: Prozessauftakt in Münster
Lokalzeit Münsterland. 01.10.2025. 01:42 Min.. Verfügbar bis 01.10.2027. WDR. Von Dominik Hamers.
Am Landgericht Münster starten zwei Prozesse wegen Zwangsprostitution
Stand:
Das Landgericht Münster beschäftigt sich in den kommenden Monaten mit zwei aufwändigen Fällen von Zwangsprostitution. Die Fälle haben, so ein Gerichtssprecher, jedoch nichts miteinander zu tun. Dass der Start der beiden Prozesse so nah beieinander liegt sei Zufall.
Im ersten Prozess, der am 1. Oktober begonnen hat, richtet sich die Anklage gegen ein Ehepaar sowie die zwei Söhne und eine Tochter.
Die Familie aus Münster soll Frauen, darunter auch Minderjährige, zur Sexarbeit gezwungen haben - teilweise unter Androhung von Gewalt.
Frauen sollten für Lebensunterhalt der Angeklagten anschaffen
Mit dem Geld, das die Frauen verdienten, soll die Familie ihren Lebensunterhalt finanziert haben. Einer der Söhne habe dafür seine Wohnung in Münster als illegales Bordell zur Verfügung gestellt.
Zweiter Prozess betrifft 80 Fälle
Zwei Prozesse zu Zwangsprostitution beginnen vor dem Landgericht Münster
Um derartige Ausbeutung geht es auch im zweiten Prozess, der aber erst am 6. Oktober beginnt. Auch hier kommen die Angeklagten, zwei Männer und eine Frau, aus Münster. Sie sollen zwischen 2022 und Anfang 2025 in 80 Fällen Frauen im Alter von 15 bis 25 Jahren zur Prostitution gezwungen haben.
Loverboy-Methode und ein erzwungener Schwangerschaftsabbruch
Die Frauen sollen in die Prostitution gezwungen worden sein
Dabei sollen sie die sogenannte Loverboy-Methode angewandt haben: Lockvögel spielen den Opfern romantische Gefühle vor, ehe sie die Frauen mit einem System von Abhängigkeit und Druck in die Prostitution zwingen.
Um die Einnahmen zu steigern, sollen die Angeklagten die Frauen dazu gedrängt haben, ungeschützten Sex zu haben. Eine der Frauen sei so bei der Sexarbeit schwanger geworden.
Schwangerschaftsabbruch in den Niederlanden erzwungen?
Die Angeklagten zwangen sie laut Staatsanwaltschaft daraufhin, die Schwangerschaft in der 14. Woche bei einem Arzt in den Niederlanden abzubrechen, um sie danach wieder als Prostituierte einzusetzen.
Keine Anlaufstellen in Münster für Opfer von Zwangsprostitution
Zwei Prozesse innerhalb weniger Tage - ist Zwangsprostitution ein großes Thema in Münster? Die Dunkelziffer liegt wohl höher, eine Expertin sieht aber ein gravierendes Problem:
Susanne Kock von VRESA e.V. wünscht sich eine Anlaufstelle für Opfer
Susanne Kock, Geschäftsführerin des Vereins für Rechte von Sexarbeitenden (VRESA e.V.) betont, dass es in der Region keine Möglichkeit für Betroffene gibt, um Hilfe zu erhalten: "Mein Wunsch wäre eine explizite Anlaufstelle und, dass Sachbearbeitende, die mit potenziellen Opfern zusammenarbeiten, sensibilisiert werden. Opfer von Menschenhandel haben Rechte, um die sie oft gar nicht wissen."
Urteile ab Ende des Jahres erwartet
Die Urteile gegen die Angeklagten werden im Dezember beziehungsweise im Februar erwartet.
Unsere Quellen:
- Sprecher des Landgerichts Münster
- Gespräch mit Susanne Kock von VRESA e.V.