Sicher campen - aber wie? Polizei-Aktion in Gescher klärt auf
Lokalzeit Münsterland. 01.08.2025. 02:39 Min.. Verfügbar bis 01.08.2027. WDR. Von Dennis Burk.
"Langsam...langsam - stopp", ruft ein Polizist Ludger Brinkhaus aus Südlohn zu. Der 64-Jährige ist mit seinem Wohnmobil hier und rollt auf zwei graue Platten zu. Kurz vor dem Start in den Campingurlaub heute Abend gen Süden war ihm wichtig, vorher einmal hierhin zum Verkehrsübungsplatz zu kommen.
"Für die eigene Sicherheit will ich einfach wissen, wo ich gewichtsmäßig mit dem Camper liege", erklärt er. Die Platten, auf die er gefahren ist, messen nun die Achslast. Einmal bei den Vorderreifen, dann bei den Hinterreifen. Inzwischen hat sich hinter ihm eine kleine Schlange gebildet.
Zusatzschlösser und GPS-Tracker zum Schutz
Etwas weiter hinten läuft Klaus Vogel von der Kriminalprävention die Wohnwagen und -mobile ab, in seiner Hand ein dicker Packen Flyer. Darin gibt es Tipps rund um das Thema Urlaub und Sicherheit. Alfred und Waltraud Lütke-Wissing nehmen ein paar davon dankend an.
Ehepaar Lütke-Wissing informiert sich über Maßnahmen gegen Einbrüche
"Bisher sind wir nicht zum Glück nicht ausgeraubt worden, aber man ist schon vorsichtig", sagt Herr Lütke-Wissing. Der Camper des Ehepaars ist bereits mit Zusatzschlössern, einer Parkkralle und einem GPS-Tracker ausgestattet. Das soll schützen oder helfen, falls der Wagen doch gestohlen wird.
Tipps gegen Betäubungsgas-Attacken und weitere Maschen
Aber es ginge noch mehr, findet Klaus Vogel. Immer wieder kommt es auf Rast- und Campingplätzen zu Betäubungsgas-Attacken. Die Diebe leiten dabei über ein offenes Fenster oder ein kleines Loch Gas ein, damit die Schlafenden nicht vom Einbruch geweckt werden. Dagegen kann ein Trigas-Alarm helfen.
"Ich würde immer so ein Ding einbauen, denn im Schlaf kann man nicht riechen", so Vogel. Die Geräte sind mit einem Sensor ausgestattet, der Propan, Narkosegas und Butan in er Luft erkennt und einen Alarm auslöst. So helfen sie nicht nur gegen Einbrüche, sondern auch bei austretendem Gas bei der Campingausstattung.
Eine weitere, beliebte Masche: Die Täter werfen bei einer Pause auf dem Rastplatz einen Stein an die Wohnwagenseite und täuschen eine Kollision vor. Damit wollen sie Camper verunsichern und sich Zugang zum Innenraum mit Wertsachen verschaffen. Ein Trick zum Abschrecken: "Das Handy zücken und filmen."
Wiegeaktion erfolgreich
Ludger Brinkhaus ist mit seinem Wohnmobil inzwischen runter von den Wiegeplatten. Eine Polizistin kommt zu ihm rüber und übergibt einen Papierbogen mit den Messergebnissen: "50 Kilogramm haben Sie noch Luft, wenn Ihre Frau mit drin sitzt. Dann dürfen sie so auf jeden Fall in den Urlaub fahren."
Nach der Aktion geht es für Herrn Brinkhaus gen Süden
Die Polizistin hat den Messwert mit dem zulässigen Reisegewicht des Campers, das im Zulassungsschein steht, abgeglichen. Außerdem hat sie nachgeschaut, wie das Gewicht auf die beiden Achsen verteilt sind. Zufrieden steigt Herr Brinkhaus wieder ein: "Jetzt können wir guten Gewissens Richtung Süden fahren."
Der Urlaub kommt für ihn genau im richtigen Moment. Nur wenige Minuten später fängt es auf dem Verkehrsübungsplatz an zu schütten und zu gewittern. Insgesamt über 40 Camper waren da, sieben davon überladen. "Zur Kasse gebeten wird hier bei der Aktion natürlich niemand", betont das Team der Polizei.
Ähnliche Aktionen etwa in Duisburg und Mettmann
Verteilt über NRW gibt es einige Polizei-Behörden, die Wiege- und Beratungsaktionen für Camper anbieten. In Duisburg zum Beispiel gab es in diesem Jahr erstmals zwei Veranstaltungen vor den Oster- und Sommerferien. In Mettmann soll es auch in Richtung Herbstferien wieder eine geben.
