Anschlag CSD Berlin – Chronik des Wochenendes | WDR aktuell
WDR. 05:29 Min.. Verfügbar bis 27.07.2028.
Der Schock ist groß. Die queere Community in NRW hat direkt am Sonntag in vielen Städten zu Gedenkveranstaltungen für die Opfer des Anschlags beim Christopher-Street-Day (CSD) in Berlin eingeladen. Das Geschehene "erschüttert uns zutiefst", heißt es auf vielen Social-Media-Kanälen.
In vielen NRW-Städten fanden Sonntag spontane Gedenk- und Trauerveranstaltungen statt, manche werden noch am Montag erwartet. Zum Beispiel in Köln, Bochum, Wuppertal und Duisburg. Im Gespräch mit dem WDR berichten Menschen aus der queeren Community von Fassungslosigkeit, Schock, Unsicherheit, Sprachlosigkeit - und immer wieder Mitgefühl.
Das sind die Reaktionen aus NRW:
Solingen zeigt sich erschüttert
Noch am Samstag lief die sogenannte Klingenpride durch Solingen. Die Veranstalter hätten am Samstagabend beim Abbauen von den Nachrichten aus Berlin erfahren, sagt Mitorganisator Sebastian Bergfeld. Noch habe man gar nicht die Zeit gehabt, diese schrecklichen Nachrichten zu verarbeiten.
Als Solinger haben wir direkt ein sehr schlechtes Gefühl zu all den Sachen. Attentate oder die Angst davor schwingen immer mit. Sebastian Bergfeld, Mitorganisator CSD Solingen
Tobi aus Bochum erlebt regelmäßig Übergriffe
Zu dem Aufruf in Bochum, gemeinsam das Attentat und die Trauer zu verarbeiten, waren am frühen Nachmittag 15 Menschen aus der queeren Community gekommen. Treffpunkt war das Café FLUID der Aids-Hilfe.
Sofort wurde gefragt, ob man jemanden kennt, der oder die auch in Berlin dabei waren. Der 41-jährige Tobi (Name auf Wunsch geändert) sitzt auf dem Sofa und erzählt von seinen Erfahrungen in Bochum: "Ich erlebe regelmäßig Übergriffe."
Die Runde war sich in zwei Ansichten einig: dass man nun von der Öffentlichkeit eine "respektvolle und angemessene Art der Trauer" erwarte. Und dass für alle dieser Anschlag nur schwer zu ertragen sei.
Wie geht es mit den CSDs in NRW weiter?
Schon für die kommenden Wochen sind weitere CSD-Umzüge in Nordrhein-Westfalen geplant. Schon am kommenden Samstag (1. August) in Bonn, Moers und Ahaus. Weitere CSDs stehen unter anderem in Krefeld, Essen oder Münster an. Die Veranstalter beraten jetzt, was geschehen soll. Absage oder mehr Sicherheit?
"Jetzt erst recht"
Berichtet von massiven Anfeindungen im Vorfeld des CSD in Bonn, Michael Harings, Rheinqueer Bonn e.V.
In Bonn ist schon klar: am kommenden Wochenende wird es den geplanten CSD geben. Noch einmal werde dort die Sicherheit überprüft. Aber es hatte schon im Vorfeld wegen massiver Anfeindungen zusätzliche Maßnahmen gegeben, sagt Michael Haring, Vorstandsvorsitzender des Bonner CSD e.V. Leicht fällt die Orga gerade trotzdem nicht: "Ich habe die ganze Nacht geweint", sagt er.
Schweigeminute in Ahaus
Solidarisch mit dem CSD Berlin e.V. und für den eigenen CSD in Ahaus: Jonah Paul, Vorstandsvorsitzender von "Queer in Ahaus"
Auch im münsterländischen Ahaus heißt das Motto: "Jetzt erst recht", wie Jonah Paul vom Vorstand von queerinahaus e.V. sagt. "CSD sind dafür da, für queere Rechte, für queere Sichtbarkeit einzustehen!“ Der Ahauser CSD soll also weiter wie geplant stattfinden. Einzige Änderung: Eine Schweigeminute für die Opfer in Berlin soll es geben.
Das ist das Risiko, das man als CSD-Veranstalter und queere Person leider schon immer einplanen musste. Jonah Paul, CSD Ahaus
Krefeld prüft das Sicherheitskonzept
Hält an der Krefelder CSD-Demo fest: Levent Sirkal, Vorsitzender CSD Crefeld e.V.
In Krefeld will der dortige CSD-Verein mit der Polizei in den Austausch gehen. In Sachen Sicherheit "werde man sicherlich jetzt nachschärfen müssen", sagte der Vorsitzende Levent Sirkal. "Viele Menschen fragen mich jetzt, wie sicher ist ein CSD?" Auch in Krefeld soll es eine Gedenkminute geben.
Unser CSD in Krefeld wird stattfinden. Wir machen dann eine Gedenkminute für die Opfer in Berlin. Levent Sirkal, Vorsitzender "CSD Crefeld e.V."
"Es soll keiner Angst haben"
Und auch in Moers will man sich vom der Tat in Berlin nicht vom Feiern und Demonstrieren abhalten lassen. "Es soll keiner Angst haben, es sollen alle kommen", sagt Organisator Daniel Siebert.
Mahnwache in Mönchengladbach
"Wir lassen uns davon keine Angst machen", sagt auch Nadine John Reuen, Vorsitzende vom CSD in Mönchengladbach. Am Sonntagnachmittag kamen etwa 70 Menschen in der Stadt zu einer Mahnwache zusammen, um ein Zeichen gegen Hass und Gewalt zu setzen.
Am Sonntag trafen sich Menschen in Mönchengladbach zu einer Mahnwache.
Polizei in NRW "sensibilisieren"
Aus der Politik in NRW gibt es auch dazu bereits eine Stellungnahme. NRW-Innenminister Reul (CDU) kündigte als Konsequenz an: "Wir werden aktuell die Polizei im Land für die laufenden und anstehenden Veranstaltungen und Feste noch einmal sensibilisieren."
Weiter sagt er: "Die Kernfrage ist nicht: Wie sichern wir die Feste ab? Sondern: Wie kommen wir frühzeitig an Informationen, ob sich jemand radikalisiert. Wir müssen es merken, wir im Netz, als Polizei, aber auch die Menschen. Also jeder, der in der Nachbarschaft merkt, da tut sich was." Dafür seien auch Hinweise aus der Bevölkerung hilfreich.
"Sicherheit ins Wanken geraten"
In Duisburg wurde gleichzeitig mit Berlin bereits am Samstag der CSD gefeiert. Dann kam die Schocknachricht vom Anschlag im Berliner Tiergarten. "Das Sicherheitsgefühl ist bei uns jetzt ins Wanken geraten," sagt Christian Karus, Vorsitzender von DUPride e.V. am Sonntag.
Unsere Quellen:
- dpa
- Aidshilfe Bochum e.V.
- Queer in Ahaus e.V.
- Queeres Zentrum Wuppertal
- Crefelder CSD e.V.
- R(h)einqueer Bonn e.V.
- DUPride e.V
- CSD Solingen
Sendung: WDR 2, WDR aktuell, 26.07.2026, 14 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 26.07.2026, 18:45 Uhr

