Warum Schützen in Herbern in Gummistiefeln protestieren
Bildquelle: WDR/Detlef ProgesWDR. 3 Min. 16 Sek.. Verfügbar bis 13.05.2028.
Antreten heißt es am Morgen für die rund 150 Schützenbrüder und Schwestern in der Bauerschaft Nordick, in Ascheberg-Herbern. Dann: Schicke schwarze Schuhe aus und Gummistiefel an. Denn jetzt geht der traditionelle Marsch zum Festzelt nicht über die kleine, asphaltierte Landstraße, wie schon seit Jahrzehnten. Dort, wo höchstens alle zwei Wochen mal ein Auto langfährt, wie sie selber sagen. Dieses Mal laufen die Schützen über einen privaten Acker zum Festzelt.
"Nordick Walking" - Protest mit Augenzwinkern
Es ist das 69. Schützenfest, das hier zum ersten Mal ganz anders beginnt: Quasi mit "Nordick Walking" protestieren die Schützen gegen die behördlichen Auflagen. Denn für den Marsch über die Landstraße hätte ein Stück abgesperrt werden müssen, Ordner hätten den kurzen Marsch begleiten müssen. Und Polizeibegleitung war angeordnet. Das ging den Schützen dann doch zu weit.
"Wir haben gesagt, jetzt ist Schluss. Wir wollen keine Steuergelder aufwenden. Die Polizei brauchen wir nicht auch noch dabei," zeigt sich Frank Holtrup entschlossen und der erste Vorsitzende des Schützenvereins aus dem südlichen Münsterland ergänzt: "Der Aufwand für so einen kleinen Umzug, ein paar hundert Meter über eine einsame Straße, ist so exorbitant gestiegen, dass es immer schwieriger wird, Leute zu finden, die dafür die Verantwortung übernehmen wollen."
Frank Holtrup, Vorsitzender des Schützenvereins Nordick und Umgebung e.V.
Bildquelle: WDR/Detlef ProgesOhne Auflagen einfach über den Acker
Getreu ihrem Vereinsmotto "Nordick my Nature" gehen sie dann quer durch die Natur ihres Dorfes, ganz ohne behördliche Auflagen, weil es sich um einen Privatacker handelt. Damit wollen sie darauf aufmerksam machen, dass es ihrer Meinung nach zu viele Vorschriften gibt, die solches Brauchtum wie Schützenfeste oder Martinsumzüge auf Dauer unmöglich machen.
Münsterländer Idyll - am Ackerrand marschieren die Schützen zum Festzelt.
Bildquelle: WDR/Detlef ProgesNatürlich gebe es Risiken wie Terroranschläge und Amokfahrten. Aber nichts im Leben sei ohne Risiko und Schützenumzüge müssten ohne zu große Auflagen möglich sein, finden hier viele.
Königspaar bleibt matschfrei
Damit zumindest die Majestäten sauber bleiben, wird das amtierende Königspaar Tim und Maia standesgemäß in einer Kutsche gefahren, damit Kleid und Anzug den Weg über den Acker unbeschadet überstehen. Und der augenzwinkernde Protest verdirbt hier niemandem die Laune. Ganz im Gegenteil, freut sich Schützenkönig Tim I.: "Es ist verrückt, es macht super Spaß!"
Das Königspaar des Schützenvereins Nordick wurde standesgemäß in einer Kutsche gefahren.
Bildquelle: WDR/Detlef ProgesSchützen wollen zum Nachdenken anregen
Dieses 69. Schützenfest am Tag vor Christi Himmelfahrt ist auch für den ersten Vorsitzenden etwas Besonderes. Der hält nämlich, anders als sonst, eine kurze Rede, bevor der Marsch losgeht. Dieses besondere Schützenfest geht heute Abend ganz traditionell weiter mit einer riesigen Party zusammen mit befreundeten Schützenvereinen aus den Nachbarkreisen.
Unsere Quellen:
- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Gespräch mit Frank Holtrup, Vorsitzender Schützenverein Nordick und Umgebung e.V.
- WDR-Gespräch mit den Schützen des Schützenvereins Nordick und Umgebung e.V.
Sendung: WDR 2 Münsterland, Lokalzeit, 13.05.2026, 07:31 Uhr
Sendung: WDR.de, Schützen protetstieren bei Festumzug, 13.05.2026, 16:30 Uhr
