15 Prozent weniger Menschen in eineinhalb Jahren - das klingt nach einer Schreckensmeldung vom Statistischen Landesamt. Schaut man aber genauer in die Statistik, fällt auf: Es waren fast nur Männer, die jetzt nicht mehr in Horstmar gemeldet sind.
Es ist aber nicht so, dass viele Menschen weggezogen wären oder es besonders viele Todesfälle gegeben hätte. Grund für die desaströsen Zahlen ist ein Bautrupp der Firma MIH mit Sitz in Horstmar.
Großes Glasfaserunternehmen MIH meldet Bautrupp in Horstmar an
MIH verlegt Glasfaserkabel und ist nach Auskunft von Bürgermeister Robert Wenking der größte Gewerbesteuerzahler in der Stadt Horstmar. Der Chef der Firma, die inzwischen ihren Mutterkonzern in Liechtenstein hat, kommt aus Montenegro, so Wenking. Daher kämen auch viele Mitarbeiter der Bautrupps aus Südosteuropa.
MIH verlegt Glasfaserkabel in ganz Deutschland.
Bildquelle: DPADie Mitarbeiter sind auf wechselnden Baustellen in ganz Deutschland beschäftigt und oft in Ferienwohnungen oder Pensionen untergebracht.
Horstmar als Meldeadresse - mit Absprache des Landrats
"Das Unternehmen hat die Mitarbeiter in der Stadtverwaltung am Betriebsstandort, also in Horstmar, angemeldet", so Bürgermeister Robert Wenking. Das war mit dem Landrat so abgestimmt. "So hatten sie eine Meldeadresse und durften arbeiten. Und so konnten wir sie auch bei allen Behördengängen unterstützen, denn natürlich gibt es immer große Sprachbarrieren", sagt Wenking.
Am Stadtbild von Horstmar hat sich übrigens nichts geändert, denn die Mitarbeiter des Unternehmens, haben ja nicht dort gewohnt.
Bildquelle: WDR/ Frank RognerDie Sache hatte aber einen Haken. Laut Bundesmeldegesetz ist der Hauptwohnsitz eines Menschen da, wo der Schwerpunkt der Lebensbeziehungen ist. Sind die Personen meist abwesend, geht das nicht. Allerdings gibt es Ausnahmen für Binnenschiffer und Seeleute.
Bezirksregierung Münster untersagt Praxis
Eine Ausnahme wurde aber nicht gemacht. Es kam der Bescheid von der Bezirksregierung Münster und die 1000 Mitarbeiter mussten wieder abgemeldet werden. Bürgermeister Robert Wenking bedauert das sehr.
"Wir halten uns natürlich an das Gesetz, aber dauerhaft muss eine Lösung für diese Mitarbeiter gefunden werden." Robert Wenking, Bürgermeister Horstmar
"Betroffen ist davon übrigens nicht nur Horstmar. Aber in einer so kleinen Gemeinde fallen 1000 Einwohner weniger einfach mehr auf," sagt der Bürgermeister. Und das ist das ganze Geheimnis um das schrumpfende Horstmar.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporterin im Gespräch mit dem Bürgermeister der Stadt Horstmar, Robert Wenking
- Statistisches Landesamt IT.NRW
Sendung: WDR 2, WDR 2 für das Münsterland, 22.09.2026, 15:00 Uhr
