Ankunft in der neuen Heimat
Bildquelle: WDR00:20 Min.. Verfügbar bis 18.06.2027.
Wegen Trump: Ein queeres Paar zieht aus den USA zurück nach NRW
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Von Seattle ins Münsterland: Aus Sorge vor der transfeindlichen Politik von US-Präsident Donald Trump verlässt ein queeres Paar die USA, um in Dülmen zu wohnen. Statt pulsierender Großstadt wartet auf die beiden westfälische Beschaulichkeit. Wir haben sie in ihren ersten Tagen in NRW begleitet.
Andrea und Claire Stark parken ihr Auto vor einem Haus in Dülmen-Buldern. Ihren echten Nachnamen möchten sie nicht nennen, daher haben wir ihn redaktionell geändert. Das Paar steigt aus, setzt die Füße auf Münsterländer Boden. Andrea kennt das alles gut, die Mitte 50-Jährige kommt ursprünglich von hier. Doch dass sie hier so bald wieder landen würde, war eigentlich nicht geplant. Beide beginnen, ihr Gepäck auszuladen. "Das ist schon ein Kulturschock, muss man sagen: Seattle und Buldern oder das Münsterland", sagt Andrea Stark, "das ist schon Dimensionen auseinander."
Unsichere Zeiten für queere Menschen in den USA
Aber die Rückkehr nach Deutschland schien zuletzt die einzige vernünftige Option. Am Ende hat die Ankündigung von Präsident Donald Trump, dass die USA nur noch zwei Geschlechter anerkennen werden, den Ausschlag gegeben.
So hat Claire Stark sich vor ihrer Auswanderung gefühlt
Bildquelle: WDR00:18 Min.. Verfügbar bis 18.06.2027.
Als Andrea und Claire Stark diese Ankündigung hören, steht ihre Entscheidung fest. Sie verlassen die USA, ziehen nach Deutschland. Denn als queere Menschen fühlen sie sich in den Staaten immer unsicherer. Als "sehr gefährlich", schätzt Claire Stark die Situation ein: "Es kann sein, dass die Demokratie nicht überlebt."
Als queer bezeichnen sich Menschen, deren sexuelle Orientierung oder geschlechtliche Identität von der gesellschaftlichen Norm abweicht. Ursprünglich war der Begriff ein Schimpfwort. Aber er wurde von der LGBTQIA+-Community zurückerobert und positiv umgedeutet. Heute steht queer für Vielfalt, Selbstbestimmung und das Hinterfragen starrer Geschlechterrollen. Der Begriff umfasst unter anderem lesbische, schwule und bisexuelle Identitäten. Er ist bewusst offen und flexibel gemeint, um der Komplexität menschlicher (Geschlechts-)Identitäten gerecht zu werden.
Zukunftssorgen auch in NRW
Doch auch in Nordrhein-Westfalen ist das Leben für queere Menschen nicht unkompliziert. Im Rahmen der Studie "Queer durch NRW - Lebenslagen und Erfahrungen von LSBTIQ*" gaben zwar zwei Drittel der Befragten an, ihre queere Lebenssituation in NRW sei positiv. Trotzdem machen sich 80 Prozent Sorgen um ihre Zukunft. Beauftragt hatte die Erhebung das Gleichstellungsministerium des Landes.
Ein weiterer Grund für den Umzug nach Dülmen war Andrea Starks Mutter. Sie ist froh, ihre Tochter wiederzusehen. Das Paar zieht bei ihr ein, sie wollen sich um sie kümmern. Neue Jobs müssen sie sich allerdings erst noch suchen.
Auch gute Erinnerungen an die USA
Am nächsten Tag machen sich Andrea und Claire Stark gleich auf den Weg ins Rathaus, um sich anzumelden. Deutsche Bürokratie. Doch den Kampf mit dem Papierkram kennen die beiden schon aus den USA. Kurze Zeit später ist auch das erledigt. Hand in Hand treten die Starks durch die Tür nach draußen. Claire Stark lächelt, streckt den Daumen nach oben. Alles ist glattgelaufen. Bald steht noch der Termin bei der Ausländerbehörde an.
Aber jetzt gibt es zur Entspannung erst einmal eine Kaffeepause. Auf dem Handy schauen sie sich alte Fotos aus den USA an. "Da sind wir am Strand", sagt Andrea Stark. "Den werden wir vermissen." Die Aufnahmen scheinen eine Mischung aus Wehmut und Erleichterung auszulösen, denn zwischen den Strandfotos tauchen auch Bilder von Demonstrationen auf. Menschen halten Protestschilder in die Höhe. Sie wollen sich gegen Trump wehren. "Wenn man zu viel sagt, könnte man gefährdet sein und auch die Familienangehörigen könnten in Gefahr sein", erzählt Andrea Stark.
Donald Trumps Ankündigung, nur noch zwei Geschlechter anzuerkennen
Bildquelle: WDR00:09 Min.. Verfügbar bis 18.06.2027.
Unter diesen Umständen will das Paar nicht mehr leben müssen. Claire und Andrea Stark möchten frei sein, gemeinsam leben können, ohne sich bedroht zu fühlen. Dieses Glück hoffen sie jetzt im Münsterland zu finden.
Über dieses Thema haben wir auch am 27.05.2025 im WDR-Fernsehen berichtet: Lokalzeit Münsterland, 19.30 Uhr.