„Fokus, Martina!“: Krefelder Eisdiele geht viral
Bildquelle: TikTok@eistantekrefeldAktuelle Stunde . 25.08.2026. 25 Min. 49 Sek.. UT. Verfügbar bis 25.08.2028. WDR. Von Jens Eberl.
"Ich zeige euch, wie ich mein Spaghetti-Eis mache." So beginnt Fraya Burchartz ein TikTok-Video aus ihrer Eisdiele "Hey Eistante" in Krefeld-Bockum. Anlass ist eine Google-Bewertung einer Kundin namens Martina. Sie wirft der Eisdielenbesitzerin vor, ihr Spaghetti-Eis entspreche nicht der klassischen Variante. Unter anderem sei eine Kugel Erdbeer- statt Vanilleeis verwendet worden.
"Martina ist mein größter Fan zurzeit. Sie hat in einer Ortsteilgruppe aus Bockum lange Posts über mich, meinen Laden und mein Spaghetti-Eis verfasst", erklärt Burchartz im Video. Mit der Resonanz auf ihren Post hatte die Eisdielenbesitzerin wohl nicht gerechnet: Mehr als 767.000 Aufrufe und über 1.500 Kommentare später hat sich die Diskussion über ihr Spaghetti-Eis zu einer viralen Debatte entwickelt.
Die Reaktion auf das Spaghetti-Eis aus Krefeld hat Wellen geschlagen
Bildquelle: TikTok@eistantekrefeldDas macht deutlich, welche Bedeutung Online-Bewertungen inzwischen haben können. Doch wie sollten Unternehmen mit negativer Kritik umgehen? Und wie aussagekräftig und vertrauenswürdig sind Online-Bewertungen überhaupt noch?
Warum Google-Bewertungen für Betriebe so wichtig sind
Wer sich für ein Lokal entscheidet, prüft häufig vorher Bewertungen online. Für Gastronomiebetriebe können Sterne und Rezensionen deshalb entscheidend sein. "Da kommt es auf jede einzelne Bewertung an", sagt Isa Fiedler, stellvertretende Geschäftsführerin des Deutschen Hotellerie- und Gastronomieverbands (Dehoga) Nordrhein in Düsseldorf.
Für Gastronomen zählt jede Bewertung
Bildquelle: WDR / picture alliance/dpa, Jennifer WeeseDer Fall aus Krefeld zeigt, wie schnell einzelne Bewertungen und Kommentare dabei große Aufmerksamkeit erzeugen können. Einerseits besteht die Gefahr, dass Unternehmen durch falsche oder irreführende Google-Bewertungen in Verruf geraten. Andererseits ist der Umgang mit negativen Online-Bewertungen selbst zu einem eigenen Geschäftsfeld geworden. Denn auch Unternehmen wehren sich zunehmend gegen aus ihrer Sicht falsche oder rufschädigende Einträge.
Zwischen Kritik und Löschantrag
Google löscht nach eigenen Richtlinien unter anderem Spam, Fake-Bewertungen, Hassrede oder Inhalte ohne erkennbaren Bezug zu einer tatsächlichen Kundenerfahrung. Unternehmen können solche Bewertungen melden und prüfen lassen. Zahlreiche Agenturen und Anwaltskanzleien haben sich darauf spezialisiert, Bewertungen anzufechten oder entfernen zu lassen.
"Wer bei Google einen schlechten Ruf hat, der hat es verdammt schwer, mit Neukunden überhaupt Geschäfte zu machen, branchenübergreifend." Düsseldorfer Rechtsanwalt Colin Simbach
Rechtsanwalt Colin Simbach hat sich auf das Löschen von Googlebewertungen spezialisiert. Die Markmacht der Googlebewertungen sei immens, sagt er, und sie wachse jedes Jahr.
Aber: Bei begründeter Rechtsbeschwerde deaktiviere Google eine Bewertung auch wieder, sogar "unverzüglich". Dann prüfe das Unternehmen den Inhalt zusammen mit dem Verfasser. Könne der Beweise vorlegen, dass seine Kritik gerechtfertigt ist, werde die Bewertung wieder aktiviert.
Ein Blick in die DSA-Transparenzdatenbank der Europäischen Kommission zeigt die Dimensionen konkret: Laut einer Auswertung der Tagesschau wurden im Jahr 2025 EU-weit 1.378.518 Löschanträge wegen Diffamierung gestellt - rund 99,97 Prozent davon kamen aus Deutschland
"Immer mehrere Bewertungen ansehen"
Das verdeutlicht, welche Bedeutung Online-Bewertungen inzwischen haben. Gleichzeitig wird deutlich, wie umkämpft das System um die Bewertungen geworden ist. Wer sich ein realistisches Bild machen will, sollte deshalb nicht nur auf die Sternebewertung schauen. "Ich würde immer mehrere Bewertungen durchlesen. So kann man auch Grundtendenzen über das Lokal erkennen", rät Isa Fiedler vom Dehoga.
Und am Ende bleibt manches eben Geschmackssache. Zum Beispiel die Frage, ob die Sahne beim Spaghetti-Eis oben oder unten liegen sollte.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Isa Fiedler von der DEHOGA Nordrhein
- Interview mit Rechtsanwalt Colin Simbach
- Recherche der Tagesschau zu gelöschten Google Bewertungen
- DSA-Transparenzdatenbank der Europäischen Kommission
- Richtlinien für von Google Maps-Nutzern veröffentlichte Inhalte
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 25.08.2026, 18:45 Uhr
