Mega-Stromtrasse durch NRW: Rhein wird teilweise gesperrt
Stand:
Zwischen Rees und Xanten werden seit Donnerstag acht große Rohre unter dem Rhein verlegt. Der Fluss ist für Schiffe deswegen nur einspurig befahrbar. Es ist Teil des Netzausbaus, der Windstrom von der Küste nach NRW und Baden-Württemberg bringen soll. Dreh- und Angelpunkt dieser Stromversorgung ist Meerbusch-Osterath.
Die Stromtrasse "A-Nord" ist ein wesentlicher Teil der Energiewende in Deutschland und soll Windkraft von der Küste nach NRW und später auch weiter nach Baden-Württemberg bringen. Denn Deutschland hat sich gesetzlich verpflichtet, bis 2045 klimaneutral zu sein. Das geht nur mit einem massiven Netzausbau. Sichtbares Zeichen der Energiewende sind die Bauarbeiten des Netzbetreibers Amprion.
Die Rheinquerung steht an
In den vergangenen Monaten hatte das Unternehmen Amprion bereits auf beiden Seiten des Rheins Schutzrohre für die Stromkabel verlegt. Dafür wurden die Deiche kurzzeitig geöffnet. Im Rhein gruben Baggerschiffe eine vier Meter tiefe Rinne ins Flussbett. Am Donnerstag gehen die Bauarbeiten dort weiter: Nun werden auch hier die Kabelschutzrohre verlegt. Anschließend wird der Graben wieder verfüllt.
Später sollen dann die Stromkabel durch die Rohre gezogen werden. Amprion rechnet damit, dass die Arbeiten im Oktober fertig sind.
Stromautobahn soll 2027 fertig sein
Die Rohre und Kabel sind ein Teil der 300 Kilometer langen Stromtrasse "A-Nord", die künftig Windstrom vom ostfriesischen Emden bis nach Meerbusch-Osterath transportieren soll. Übernächstes Jahr soll die Leitung in Betrieb genommen werden.
Baubeginn für die Stromautobahn war im Oktober 2023 in Niedersachsen. Die Gesamtkosten liegen bei rund drei Milliarden Euro. Die Investition in den Bau dieser Trasse übernimmt zunächst der Netzbetreiber und Bauherr Amprion. Später sollen die Kosten auf die Stromverbraucherinnen und -verbraucher über die Netzentgelte auf der Stromrechnung weitergegeben werden, sagt Amprion.
So sehen die Bauarbeiten aus
Wenn nicht gerade der Rhein gequert wird, arbeitet Amprion nach eigenen Angaben in offener Bauweise an der Verlegung der Erdbkabel. Das heißt, hier werden mit Baggern zwei Gräben ausgehoben, in denen in der Regel jeweils drei Rohre liegen. Diese räumliche Trennung für Hin- und Rückleitung habe den Vorteil, dass in einem Störfall nicht die komplette Leitung abgeschaltet werden müsse. Zwischen beiden Kanälen liegt eine Baustraße, von der aus an beiden Gräben gearbeitet wird.
Die Kabel werden zwei Meter tief in die Gräben gelegt. Insgesamt nimmt die Baustelle eine Breite von 26 Meter ein. Die Rohre für die Kabel sind laut Amprion nicht in Beton gebettet, sondern in Flüssigboden. Er sei frei von umweltschädlichen Stoffen und verwende als Grundlage den Aushub der Bauarbeiten. Da zunächst nur die Kabelschutzrohre verlegt werden, könnten die Gräben schnellstmöglich zugeschüttet werden.
Meerbusch-Osterath als Dreh- und Angelpunkt der Stromversorgung
Die Stromtrasse "A-Nord" soll in eine weitere wichtige Trassenverbindung münden, genannt "Ultranet". Sie endet in Philippsburg in Baden-Württemberg. Beide Trassen treffen sich in Meerbusch-Osterath. Dem künftigen Dreh- und Angelpunkt der Nord-Süd-Stromverbindung zwischen Emden und Philippsburg.
In Meerbusch wird seit 2023 eine riesige Anlage gebaut. Sie besteht aus vier Hallen und zwölf Transformatoren. Da, wo vorher Felder waren, ragen nun auf einer Länge von 200 Metern die Hallen in die Höhe. Es handelt sich um einen Konverter, der Gleichstrom in Wechselstrom umwandelt und umgekehrt. Die Windkraft wird in Form von Gleichstrom durch die Leitungen fließen, Industrie und Haushalten brauchen aber Wechselstrom. Die Konverterstation soll laut Betreiber Amprion 2026 in Betrieb gehen. Und dann auch fähig sein, Sonnenenergie aus dem Süden nach NRW zu transportieren.
Protest gegen den Konverter
Der Protest habe vieles zum Besseren gewendet, so Bommers. Zum Beispiel gibt es nun einen größeren Abstand zur Wohnbebauung. Ein begrünter Sichtschutz-Wall verdeckt die Anlage.
Der Netzausbau in NRW
Zwischen dem Münsterland und Meerbusch wird die Energiewende in Form von Baustellen sichtbar. Die Trassen "A-Nord" und "Ultranet" bilden zusammen den Korridor A. Der Netzentwicklungsplan des Bundes sieht in NRW noch einen Korridor B vor.
Er ist allerdings noch im Planungsstadium und umfasst zwei Trassen: die Höchstspannungsleitung zwischen Heide West (Schleswig Holstein) nach Polsum, einem Stadtteil von Marl im Kreis Recklinghausen, und die Höchstspannungsleitung von Wilhelmshaven (Niedersachsen) nach Hamm im Ruhrgebiet. Beide Erdkabel-Leitungen sollen ab 2032 Gleichstrom transportieren.
Darüber hinaus gibt es zahlreiche weitere Stromleitungen, an denen gearbeitet wird, denn das Stromnetz muss sich über das ganze Land erstrecken. Einen Überblick über den Netzausbau bietet die Bundesnetzagentur mit einer interaktiven Karte. Dort kann man gezielt nach Orten suchen und erhält Informationen über das Vorhaben und den Verfahrensstand.
Unsere Quellen:
- Nachrichtenagentur dpa
- Pressemitteilung Amprion
- Informationen von Amprion zu "A-Nord"
- Bundesnetzagentur
- Eigene Berichterstattung und Recherche
Über dieses Thema berichten wir auch im WDR-Fernsehen: Lokalzeit aus Duisburg am 14.08.2025.