Kochkurs für trauernde Männer in Kleve
WDR. 03:16 Min.. Verfügbar bis 29.07.2028.
Die Messer klappern auf den Schneidebrettern, Gemüse wandert in Töpfe, aus der Küche zieht ein vertrauter Duft. Eigentlich wirkt alles wie ein ganz normaler Kochkurs. Doch wer genauer hinschaut, merkt schnell: Hier geht es um viel mehr als gutes Essen.
Der Austausch untereinander ist für viele der Kursteilteilnehmer ein guter Grund, wiederzukommen.
"Meine Partnerin hätte wahrscheinlich gesagt: Mensch Thomas, das sieht doch schon richtig gut aus", sagt Thomas Jagusch und lächelt kurz. Dann wird er wieder ernst. Seine Partnerin ist vor knapp einem Jahr gestorben. Heute steht er zum ersten Mal in der Kochgruppe für trauernde Männer in der Familienbildungsstätte Kleve.
Wenn der Platz am Tisch plötzlich leer bleibt
Besonders die Sonntage seien schwer, erzählen viele Teilnehmer. Wenn Ablenkungen fehlen und Erinnerungen lauter werden. Genau für diese Männer gibt es das Angebot vom Ambulanten Hospizdienst Donsbrüggen und der Katholischen Karl-Leisner-Trägergesellschaft in Kleve.
Sprechen muss hier niemand. Wer etwas erzählen möchte, erzählt. Wer lieber Karotten schneidet, darf auch das.
Chefköchin Monika Mott leitet den Kochkurs für trauernde Männer.
"Es geht hier nicht in erster Linie ums Kochen", sagt Kursleiterin und Chefköchin Monika Mott. "Es geht ums Zusammensein. Viele Menschen sind in der Woche beschäftigt. Aber sonntags wird die Stille oft ziemlich laut. Dann kommt die Trauer häufig besonders stark durch."
Das Motto: Kochen statt Stuhlkreis
"Man merkt schnell, dass hier jeder seine eigene Geschichte mitbringt", sagt Monika Mott. "Und trotzdem versteht man sich oft schon nach wenigen Minuten." Viele Männer tun sich schwer damit, über Gefühle zu sprechen. Am Herd fällt das oft leichter. Während gemeinsam gekocht wird, entstehen Gespräche fast nebenbei. Nicht geplant, nicht erzwungen, sondern ganz natürlich.
"Zu Hause sind die Gedanken manchmal sehr laut. Hier werden sie zumindest für eine Weile leiser." Ein Teilnehmer des Kochkurses für trauernde Männer
Zwischen Kochlöffel und Gesprächen wächst neues Vertrauen
Begleitet wird die Gruppe von Trauerbegleiterinnen wie Dorothee Beutler. Ihr Ziel ist nicht, Trauer verschwinden zu lassen oder Gespräche zu erzwingen. "Trauer ist keine Krankheit, die geheilt werden muss", sagt sie. "Aber niemand sollte sie dauerhaft allein tragen. Und niemand muss mit uns reden, wenn er nicht will."
Die Männer berichten von stillen Wohnungen, langen Abenden und dem Gefühl, nach dem Tod der Partnerin plötzlich aus dem gewohnten Leben gefallen zu sein. Hier treffen sie auf Menschen, die das kennen. "Man muss nichts erklären. Die anderen wissen einfach, wie sich so etwas anfühlt", sagt ein Teilnehmer.
Ein Tisch gegen das Alleinsein
Viele kommen deshalb immer wieder. Nicht wegen eines besonderen Rezepts. Sondern wegen der Gemeinschaft. Weil wieder jemand fragt, wie es geht. Weil gemeinsam gelacht werden darf. Und weil an diesem Tisch Platz ist für Erinnerungen, Tränen und neue Zuversicht.
Am Ende sitzen alle gemeinsam beim Essen. Für Thomas Jagusch ist dieser Nachmittag mehr als ein Kochkurs. "Heute war gar nichts mit Trauer. Im Gegenteil", sagt er. "Heute habe ich gemerkt, dass es aber gut tun kann, sie mit anderen zu teilen. Man geht ein bisschen leichter nach Hause."
Die Kochgruppe schenkt Männern in Trauer Gemeinschaft statt Stille.
Das ist vielleicht die wichtigste Zutat dieses Nachmittags. Nicht das Essen auf dem Teller. Sondern das Gefühl, mit seinem Verlust nicht allein zu sein.
Unsere Quellen:
- Interview mit Thomas Jagusch, Teilnehmer
- Interview mit Dorothee Beutler, Trauerbegleiterin vom Hospizdienst Donsbrüggen
- Interview mit Monika Mott, Kursleiterin und Chefköchin
- Eindrücke des WDR-Reporters vor Ort
Sendung: WDR.de, Kochkurs für trauernde Männer in Kleve, 29.07.2026, 5:11 Uhr
