Prozess um Brandstiftung in Goch bringt Geständnis
WDR. 01:34 Min.. Verfügbar bis 30.07.2028.
Geständnis nach Brandstiftung in Goch : "Ich will was zerstören"
Stand:
Beim Brand eines Mehrfamilienhauses in Goch hatte sich Ende Januar die 70-jährige Hausbesitzerin nur knapp vor den Flammen retten können. Schnell geriet ein damals 34-jähriger Mieter in Verdacht, das Feuer absichtlich gelegt zu haben. Seit Donnerstag muss sich Dennis H. vor dem Landgericht Kleve wegen der Tat verantworten.
Rotblondes, an den Seiten und dem Nacken rasiertes Haar, einen langen Bart und Arme voller Tätowierungen. Der mutmaßliche Täter sitzt neben seinem Anwalt, als dieser zum Prozessauftakt sein Geständnis vorliest. Darin räumt der Angeklagte ein, dass tatsächlich er es war, der am 28. Januar ein Feuer in seiner eigenen Wohnung im 1. Obergeschoss und im Flur gelegt hat. Dazu habe er sich zuvor an einer nahen Tankstelle Benzin als Brandbeschleuniger besorgt.
Streit mit der Vermieterin in Goch eskaliert
Am Tattag sei er nach mehreren Wochen der Abstinenz wieder rückfällig geworden und habe früh am Tag mit dem Trinken begonnen. Dann sei es zum Streit mit seiner Vermieterin gekommen. Denn H. hatte seine Wohnung bereits gekündigt, wollte nun aber, dass das Mietverhältnis doch weiterlaufen solle. Die Vermieterin lehnte das ab - wohl auch, weil das Verhältnis zwischen den beiden schon länger angespannt gewesen war. "Bei mir ist dann eine innere Sicherung durchgebrannt", heißt es im Geständnis.
"Ich hatte in meinem Kopf nur einen Gedanken: Ich will was zerstören." Dennis H., Angeklagter am Landgericht Kleve
Und so war er zu einer nahe gelegenen Tankstelle gefahren, habe einen Benzinkanister gefüllt, dann den Inhalt in seiner Wohnung und im Hausflur verteilt und schließlich angezündet. Die Stichflamme sei so heftig gewesen, dass er selbst davon überrascht gewesen sei. Daher hatte er sich selbst Verbrennungen im Gesicht und an den Armen zugezogen.
"Angst machen" - Angeklagter bestreitet Tötungsabsicht
Laut Geständnis betonte der Angeklagte aber mehrfach, dass er nie eine "Tötungsabsicht" gehabt habe. "Ich wollte ihr Angst machen. Und ja: Ich habe Verletzungen in Kauf genommen." Die Anklage geht von "erheblich verminderter Schuldfähigkeit" aus, weil der Angeklagte alkoholisiert gewesen sei.
Nun muss das Gericht klären, ob es dem Angeklagten glauben kann, dass er tatsächlich nie vorhatte, die 70-jährige Vermieterin zu töten. Sie war - obwohl Nebenklägerin - heute nicht persönlich vor Gericht erschienen. Dafür ihr Lebensgefährte, der berichtet, dass sie ihre Verletzungen und die Rauchvergiftung überstanden habe.
Haus in Goch noch immer unbewohnbar
Die Situation sei weiterhin sehr belastend für sie, da ihr Haus weiterhin unbewohnbar ist und sie seither bei ihm "untergekommen" sei. Immerhin: Die beiden hätten beschlossen, die Brandfolgen bald zu beseitigen und das Haus zu renovieren.
Das Haus in Goch ist immer noch unbewohnbar
Urteil fällt wohl erst im August
Bis dahin wird H. wahrscheinlich bereits verurteilt und in Haft sein. Die große Frage ist, wie hoch das Strafmaß ausfallen wird. Sollte das Gericht der Staatsanwaltschaft folgen, geht es um schwere Brandstiftung mit Mordabsicht. Dann wäre lebenslänglich möglich.
"Für versuchten Mord sieht das Gesetz eine bis zu lebenslange Freiheitsstrafe vor." Maximilian Fröhlich, Sprecher des Landgerichts Kleve
Doch die Lebensgeschichte des Angeklagten, sein Geständnis und die Reue, die er darin gezeigt hatte, könnten strafmildernd wirken. Da einige Zeugen und Sachverständige befragt werden müssen, gilt es als unwahrscheinlich, dass am Donnerstag noch ein Urteil fällt. Die mögliche Fortsetzung des Prozesses ist für den 17. August geplant.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des WDR-Reporters im Gerichtssaal
- Landgericht Kleve
- vorherige WDR-Berichterstattung
Sendung: WDR.de, Geständnis im Prozess um Brand in Goch, 30.07.2026, 11:51 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 30.07.2026, 18:08 Uhr