50 Jahre Reiten im Reichswald
Bildquelle: imageBROKER / newspixx vario imaWDR. 3 Min. 15 Sek.. Verfügbar bis 23.09.2028.
Mitten im Reichswald. Grün soweit das Auge reicht. Menschen gehen hier spazieren oder wagen direkt eine kilometerlange Wanderung. Die grüßende Hand in Richtung Gleichgesinnter wird häufiger gehoben. Nicht nur gegenüber Wanderern, auch Reiterinnen und Reiter trifft man hier täglich. Dass das so ist, stand vor 50 Jahren auf der Kippe.
Beim Reichswaldritt Freireiten erleben
Die Landesregierung wollte 1976 Reiten im Reichswald verbieten. Reiter aus Kranenburg organisierten deshalb eine Demo - mit Erfolg. Um das zu feiern, riefen sie noch im selben Jahr einen mehrtägigen Reichswaldritt ins Leben und laden seither jährlich Reitsportler aus ganz NRW dazu ein. Am Freitag (24.09.2026) startet die 50. Jubiläums-Veranstaltung.
Der Ritt duch den Reichswald: Für viele ein besonderes Erlebnis auf dem Rücken ihrer Pferde
Bildquelle: WDR/Ralf LachmannSo wie im Reichswald ist das in vielen Wäldern in NRW nicht so einfach möglich: Also frei, querfeldein Reiten. Durch hügeliges und flaches Terrain, vorbei an Buchen, Eichen, Tannen. Hier geht es mal im Schritt, mal im Trab oder im Galopp voran. Unter den Hufen raschelt das Laub. Der Wald verströmt frischen, erdigen Duft. Immer wieder ducken sich Reiter in den Sattel, tauchen unter Ästen hindurch - so nahe geht es an den Bäumen vorbei.
"Einmalige Glücksgefühle von Naturnähe, Freiheit, Abenteuer"
So umschreiben es Mitglieder des Reitervereins Kranenburg. Freireiten machen sie jede Woche. Freuen sich, es gemeinsam mit Reitsportlern aus NRW einmal im Jahr zu erleben. Viele kommen regemäßig, Freundschaften seien gewachsen.
Diesmal reisen rund 60 Reitsportler mit ihren Pferden an. Zimmer und Stallplätze organisieren die Kranenburger im Vorfeld. Dann geht es täglich in kleinen Gruppen raus - in den Wald.
"Vor 50 Jahren wollte man uns aus dem Reichswald verbannen. Wir haben dann eine Demo auf die Beine gestellt. Der Wald ist für alle da, auch für uns Reiter!" Anton van den Boom, Mitglied Reiterverein Kranenburg
Landwirtschaftsminister machte Ausritt durch Reichswald
Der fast 80-Jährige erinnert sich: Einen triftigen Grund für das geplante Verbot habe es aus seiner Sicht nicht gegeben. Und so zogen 1976 Kranenburger und Klever Reiter mit Pferden und Kutschen auf einer Demonstration durch Kleve.
Daraufhin sei der damalige Landwirtschaftsminister aus Düsseldorf angereist. Anstatt lange mit ihm zu diskutieren, ließ van den Boom den Minister auf seinem Pferd durch den Reichswald reiten - der sei begeistert gewesen und habe den Verbotsplan gestoppt.
Im Kreis Kleve brechen Wald und Pferdesport sogar Rekorde
Der Reichswald ist NRWs größter zusammenhängender Staatsforst - und sollte sogar mal NRWs zweiter Nationalpark werden. Das wurde Ende 2024 allerdings durch einen Bürgerentscheid gestoppt. Von Kranenburg über Kleve und Bedburg-Hau bis Goch erstreckt er sich über eine Fläche, die gut 7100 Fußballfeldern entspricht. Es gibt 500 Kilometer Wanderwege, die auch von Reitern genutzt werden dürfen. Abseits davon gibt es weitere 200 Kilometer Reitmöglichkeiten quer durch den Wald.
Zweitgrößter Pferdesportverband im Rheinland
Knapp 6.000 Mitglieder, über 40 Reitvereine - der Kreispferdesportverband Kleve bezeichnet sich damit als "zweitgrößtes Pferdesportorgan des Rheinlands". Laut Agrobusiness Niederrhein e. V. gehört er außerdem zu den pferdereichsten Gebieten Deutschlands - mit knapp 4.200 Pferden je 100.000 Einwohner. Der Pferdesport ist damit auch ein bedeutender Wirtschaftsfaktor für die Region.
Unsere Quellen:
- Eindrücke des Reporters vor Ort
- Gespräch mit Zeitzeugen und Reitsportlern
- Kreispferdesportverband Kleve e. V.
- Agrobusiness Niederrhein e. V.
- Reiterverein Kranenburg
Sendung: WDR.de, 50 Jahre Reiten im Reichswald, 23.09.2026, 08:15 Uhr
