Exkursionsabenteuer: Uferzugfischung in der Rheinaue

Bildquelle: WDR/Leonie Miß

WDR 2 Min. 38 Sek. Verfügbar bis 08.09.2028

Ökosystem Rheinaue am Niederrhein Dieser Fisch verändert den Rhein

Stand:

Grundeln breiten sich am Niederrhein rasant aus. Ein Fischfang zeigt, wie dominant die invasive Art inzwischen ist.

Die Wathosen reichen ihnen bis zu den Schultern. Dann nehmen sie das große Netz in die Hand und stapfen los. Das Wasser am Ufer des alten Baggersees ist nicht tief. Trotzdem ist es ganz schön anstrengend, das lange Netz durchs Wasser zu ziehen. Aber die Anstrengung hat sich gelohnt.

Vier Menschen ziehen ein Fischernetz durchs Wasser

Freiwillige konnten das Netz durchs Wasser ziehen und auf einen guten Fang hoffen.

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Johan und Elsa haben mit angepackt, als es mit dem Fischernetz ins Wasser ging. Mehrere Meter sind sie durchs Wasser gezogen. Dann haben sie den Fang an Land gebracht.

"Das Netz konnte man nicht einfach so durchs Wasser ziehen", sagt Johan nachher. "Wenn man mit dem Kescher so durch's Wasser geht, ist das recht leicht. Mit dem Netz ist schon Spannung drauf."

Zur Exkursion in der Rheinaue sind etwa 30 Menschen vom Niederrhein und darüber hinaus gekommen. Organisiert hat sie das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve. Zeigen, was das Ökosystem kann, das war das Ziel. Und gleichzeitig mittendrin sein, auch das war den Teilnehmenden möglich.

Über 40 verschiedene Fischarten im Rhein

Im Rhein und in den anliegenden Gewässern sind über 40 verschiedene Fischarten zuhause. Manche schon länger als die anderen. Aber das macht das Ökosystem Rheinaue so wichtig. Der Niederrhein gilt als die Kinderstube des Rheins. Die Lebensbedingungen sind für die Fische in allen Lebensphasen ideal. Zumindest noch.

Dr. Kristin Scharnweber vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve trägt eine graue Kappe und eine Brille
"Es ist aber etwas ganz Besonderes, so eine Exkursion auch mit den Leuten, die aus der Region kommen und die Gewässer und die Umgebung kennen, zu machen und die biologischen Zusammenhänge nahezulegen." Kristin Scharnweber, Geschäftsführerin der Ökologischen Forschungsstation Rees

"Wir haben große Probleme heutzutage: Biodiversitätsverlust, Klimawandel", sagt Kristin Scharnweber von der ökologischen Forschungsstation Rees der Universität zu Köln. Der Rhein sei als Hauptstrom der "Pulsgeber" für die anliegenden Auengewässer, die Seitenarme, die Rheinauen, die Altarme. "Die sind auch ganz stark beeinträchtigt von all diesen großen Problemen, die wir haben", sagt Scharnweber weiter.

Schutz für heimische Arten: Anschluss an den Rhein

Ein Problem sind auch die invasiven Arten, die sich in der Region mittlerweile ausbreiten und das heimische Ökosystem auf den Kopf stellen. Ein Übeltäter ist die Grundel. Verschiedene Arten der Grundel sind durch die Schifffahrt an den Niederrhein gekommen. Seither breitet sie sich rasend schnell aus.

Eine Hand greift nach einem kleinen Fisch im Netz.

Die Fische kommen nachher in die Station zur Forschung.

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Die sind heute "einfach da", sagt Sebastian Wantia, stellvertretender Geschäftsführer vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve. Trotzdem gelten sie noch weitere Jahrzehnte als gebietsfremd. Nun müsse dafür gesorgt werden, dass heimische Arten stärker gefördert werden. Dafür muss die Verbindung der Rheinaue zum Rhein bestehen bleiben.

"Dadurch, dass wir den so stark kanalisiert und ausgebaut haben, gräbt der sich weiter ein", sagt der Biologe. So müsse es immer höhere Hochwasser geben, damit die Nebengewässer angebunden sind und die Fische hin und her schwimmen können. "Wenn das in Jahren ausfällt, weil es zu trocken ist, dann fehlt eine ganze Generation an jungen Fischen."

Grundeln verdrängen heimische Fische

Mengenmäßig geben die Grundeln mittlerweile den Ton in den Gewässern an. Angler fangen sehr viele Grundeln, das sei ein erster Indikator dafür, dass sie sich stark ausbreiten. Aber auch die Forschungen der Ökologischen Forschungsstation der Uni zu Köln oder jener am Samstag in Grietherort legen das nahe.

Kinder schauen auf einen kleinen Fisch, den eine Frau in ihrer Hand hält.

Den Exkursionsteilnehmern sind viele kleine Fische ins Netz gegangen.

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95 bis 98 Prozent der gewogenen Biomasse bei Uferzugbefischungen bestehen aus invasiven Grundelarten. Beim Angeln sei das noch etwas anders, weil man da noch gezielter nach bestimmten Fischen angeln kann, sagt Wantia, der beruflich eigentlich den Bienener Altrhein betreut.

Naturschutzzentrum will Natur anfassbar machen

Auch bei der Exkursion in Grietherort ziehen die Teilnehmer größtenteils Grundeln aus dem Wasser. Zwischen schleimigen Algen hüpfen die kleinen Fische hin und her. Daher auch ihr englischer Name "Monkey Goby" oder zu deutsch Affen-Grundel. Weil sie so zappelig sind, erklärt Wantia beim Begutachten der Fische.

Sebastian Wantia vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve trägt ein grünes Tshirt und eine Brille
"Man kann ja letztlich nur das schützen, was man kennt, und deswegen zeigen wir das auch so gerne." Sebastian Wantia, stellvertretender Geschäftsführer vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve

Das Naturschutzzentrum im Kreis Kleve befasst sich aktuell nicht nur mit den Fischen. Es setzt auch Projekte in Gang, damit zum Beispiel Röhricht am Altrhein wieder wächst. Sebastian Wantia vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve sagt: "Wir erfassen die Natur, die da ist, und gucken dann, was man machen könnte, um den Zustand zu verbessern." Gemeinsam mit den Behörden, mit Landwirten und Anglern oder mit Jägern sollen solche Projekte dann umgesetzt werden.

Unsere Quellen:

  • Eindrücke der WDR-Reporterin vor Ort
  • Ökologische Forschungsstation Rees
  • WDR-Interview mit Sebastian Wantia, stellvertretender Geschäftsführer vom Naturschutzzentrum im Kreis Kleve
  • Naturschutzzentrum im Kreis Kleve

Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Duisburg, 08.09.2026, 19:30 Uhr

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