Sachsen-Anhalt: So blickt der Westen
Bildquelle: dpa/Michael KappelerAktuelle Stunde . 07.09.2026. 22 Min. 28 Sek.. UT. Verfügbar bis 07.09.2028. WDR. Von Jens Eberl.
43,8 Prozent für die AfD in Sachsen-Anhalt. So das vorläufige Ergebnis (Stand 7.09.2026) der Landtagswahl. Die AfD erhält damit zwar keine absolute Mehrheit, könnte aber dennoch bald zum ersten Mal einen Ministerpräsidenten stellen. Damit würde auch erstmals eine vom Verfassungsschutz als "gesichert rechtsextrem" eingestufte Partei ein Landesparlament in der Bundesrepublik Deutschland führen.
Zwischen Sorge und Freude über das AfD-Ergebnis
In einer repräsentativen Blitzbefragung, die infratest dimap am Montag für die ARD durchgeführt hat, äußerten sich 64 Prozent der Befragten besorgt über das Ergebnis. Jeder Vierte (24 Prozent) zeigte sich erfreut.
Ein ähnliches Stimmungsbild herrscht auch auf den Straßen in NRW. Gerade Menschen aus der migrantischen Community in Nordrhein-Westfalen macht das Wahlergebnis Sorgen. Kenan aus Wuppertal möchte nur seinen Vornamen nennen. Er arbeitet als Altenpfleger und kommt ursprünglich aus der Türkei.
"Wir dürfen keine Angst haben. Das ist ein demokratischer Prozess und die Menschen haben so gewählt. Die Rechten erstarken überall. Die anderen Parteien müssen gucken, was sie falsch gemacht haben." Kenan aus Wuppertal
Es gibt aber auch Stimmen, die das Ergebnis positiv sehen. Wie zum Beispiel von Marius, der auch nicht seinen vollen Namen nennen möchte. Er arbeitet in Wuppertal in einem Restaurant als Spüler. Der 47-Jährige kommt aus Rumänien. "Ich finde es gut, dass es einen Wechsel gibt. Weil alles so teuer ist und vielleicht kann die AfD was ändern."
Auch Dietmar Friedrich aus Herne-Wanne findet das Ergebnis ganz gut. "Vielleicht ändert sich hier was. So wie es jetzt hier im Lande läuft, kann es auch nicht gehen."
Parallelen zu Gelsenkirchen
Überrascht hat das Ergebnis die meisten nicht. So geht es auch Sabine Pansch aus Gelsenkirchen. Und sie sieht Parallelen zu ihrer Stadt.
"Gelsenkirchen tendiert auch dahin, weil wir zu viele Probleme in Gelsenkirchen haben. Ich wünsche mir auch, dass mehr für Gelsenkirchen getan wird. Dass wieder eine Struktur reinkommt, wo man sagt: 'Hier fühlt man sich wohl'." Sabine Pansch aus Gelsenkirchen
Bei der Bundestagswahl 2025 war Gelsenkirchen der Wahlkreis in Nordrhein-Westfalen mit dem höchsten AfD-Ergebnis bei den Zweitstimmen. Sie bekam 24,7 Prozent. Zum Vergleich: Der landesweite Durchschnitt für die AfD lag bei 16,8 Prozent. Bei der Wahl um das Oberbürgermeisteramt schaffte es die AfD in Gelsenkirchen sogar in die Stichwahl - und unterlag dann nur knapp dem SPD-Kandidaten.
Im WDR 5 Tagesgespräch zeigen sich viele Hörer schockiert. So auch auch Uschi Funke: "Nach dem Wahlergebnis gestern war mit den ganzen Abend zum Heulen zu Mute - ich bin fassungslos". Sie wünscht migrantischen Menschen in Sachsen-Anhalt "Mut und Kraft das Land zu verlassen und eine neue Heimat zu finden, in der sie willkommen sind."
Ähnlichkeiten zum Aufstieg der NSDAP?
Christian Brune-Sieren ist Geschichtslehrer aus Kerken. Er sieht in den Wahlergebnissen in Sachsen-Anhalt historische Parallelen zum Aufstieg der NSDAP. 1932 habe diese im Bereich des heutigen Sachsen-Anhalts ebenfalls nur knapp die absolute Mehrheit verpasst und führte dann die erste Landesregierung im Deutschen Reich.
"Das ist damals unter den gleichen Vorzeichen wie heute passiert - aufgrund der Schwächen der etablierten Parteien. Und diese Parallelen verstehen unsere Politiker offensichtlich überhaupt nicht." Christian Brune-Sieren aus Kerken
Brune-Sieren sieht noch eine weitere Ähnlichkeit: Damals wie heute hätten die Politiker den Menschen keine Vision angeboten, das täte gerade nur die AfD. Er hält es für eine ernste Lage. Denn: "Eine AfD-Regierung wird die AfD nicht entzaubern."
Wahl in Sachsen-Anhalt als Vorschau für NRW?
Bei der Kommunalwahl 2025 kam die AfD in NRW auf rund 15 Prozent - und konnte ihr Ergebnis damit etwa verdreifachen. Bis zur Landtagswahl in NRW ist noch knapp ein halbes Jahr Zeit. 2022 gingen 5,4 Prozent der Stimmen auf die Partei. Auch im April 2027 könnte die AfD dreimal so stark sein: In aktuellen Umfragen liegt sie bei rund 17 Prozent.
Unsere Quellen:
- WDR-5-Tagesgespräch vom 07.09.2026
- WDRforYou-Umfrage in Wuppertal
- WDR-Umfrage in Gelsenkirchen
- Aktuell Stunde vom 07.09.2026
- Landtag Sachsen-Anhalt
Sendung: wdr.de, "Ich habe Angst um die Zukunft meiner Kinder", 07.09.2026, 19:18 Uhr.
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 07.09.2026, 18:45 Uhr
