Emmericher Rheinbrücke: Warum die Sanierung so lange dauert
WDR. 3 Min. 23 Sek.. Verfügbar bis 14.08.2028.
Rheinbrücke in Emmerich
Bildquelle: WDR"Seit ich den Führerschein habe, gibt es diese Baustelle. Echt nervig", erzählt eine junge Autofahrerin, die vor einer roten Ampel hält. Sie rollt mit den Augen und kurz danach mit der täglichen Blechlawine über die Brücke - langsam, durch eine verengte Spur. Während der schleichenden Rheinquerung zwischen Emmerich und Kleve treibt wohl viele ein Gedanke um: Wieso geht es mit der Sanierung nicht schneller voran?
Eine Antwort darauf hat Leonard Schulte-Schmidthammer, Projektleiter beim zuständigen Landesbetrieb Straßen NRW. Er sagt: Um für den Verkehr dauerhaft zwei Spuren aufrecherhalten zu können, muss die Verkehrsführung ständig umgebaut werden. Das braucht Zeit.
"Wäre die Brücke vollgesperrt, könnten wir in einem Rutsch durcharbeiten - wären in drei Jahren fertig." Leonard Schulte-Schmidthammer, Projektleiter Straßen NRW
Nächste Brücke rund 20 Kilometer entfernt in Rees
Der Nachteil einer Vollsperrung: Das hätte über Jahre riesige Umwege über Rees bedeutet: gut vierzig Minuten längere Fahrzeiten. Das sei unzumutbar, hatten Städte Emmerich und Kleve, der Kreis Kleve und Experten von Straßen NRW vorab entschieden.
Böse Überraschungen bei Sanierungsarbeiten
Die Planung ist das eine, die Realität das andere. Die hält böse Überraschungen parat. "Stellen Sie sich das vor wie bei einer Renovierung zu Hause", erzählt Ingenieur Schulte-Hammerschmidt. "Man will nur den Fliesenspiegel erneuern. Sobald man ihn weghämmert, bröckelt dahinter Putz ab. Alles ist feucht, vielleicht noch ein Rohr defekt. Dann dauert alles viel länger als geplant!" So rostet die gut 61 Jahre alten Brücke stärker dahin, als prognostiziert: In die Konstruktion war über die Jahre mehr Wasser als erwartet eingedrungen.
Langsamer Fortschritt der Arbeiten
Immerhin: Elf Kilometer Seile wurden bereits ersetzt. Doch Beton, Asphalt und Rostschutz müssen oft erst aushärten, bevor die nächsten Arbeiten beginnen können. Dennoch liegt man laut Straßen NRW jetzt wieder gut im Zeitplan.
Rheinbrücke in Emmerich
Bildquelle: WDR/Petra VennebuschEnde kommenden Jahres der Verkehr soll wieder ungestört fließen. Dann kümmern sich die Brückenbauer um alles unterhalb der Fahrbahnen: Die Fachwerksverstrebung wird verstärkt und mit Rostschutz ummantelt. Ein Ende der Arbeiten ist bis 2030/31 geplant.
IHK sieht Politik in Verantwortung
Vieles an deutscher Infrastruktur wurde etwa zwanzig Jahre nach Kriegsende gebaut - so auch die Emmericher Rheinbrücke. Im Laufe der Jahrzehnt wurden viele davon immer baufälliger, sagt Fabian Griewel, Experte für Logistik und Infrastruktur bei der Industrie- und Handelskammer (IHK) Duisburg-Niederrhein. Das habe zu einem Sanierungsstau geführt - mit fatalen Folgen.
"In NRW gibt es 23 Straßenbrücken über den Rhein. Elf davon sind nur eingeschränkt oder gar nicht befahrbar - ein Versäumnis der Politik und verheerend für die Wirtschaft!" Fabian Griewel, IHK Duisburg-Niederrhein
Fest steht: Deutschlands längste Hängebrücke zu sanieren, ist insgesamt ein Megaprojekt. Auch finanziell: Am Ende sollen die Arbeiten rund 80 Millionen Euro gekostet haben.
Unsere Quellen:
- WDR-Gespräch mit Leonard Schulte-Schmidthammer, Straßen NRW
- WDR-Gespräch mit Fabian Griewel, IHK Duisburg-Niederrhein
- WDR-Gespräch mit Autofahrern vor Ort
- Beobachtungen des WDR-Reporters Ralf Lachmann vor Ort
Sendung: Lokalzeit Duisburg, Die letzte Fahrt der Rheinfähre Walsum-Orsoy, 13.08.2026, 19:30 Uhr
