Windstromtrasse aus dem Norden geht in die finale Phase

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WDR 05.08.2026 03:12 Min. Verfügbar bis 05.08.2028

Bauarbeiten am Niederrhein

Milliarden-Stromtrasse für die Energiewende

Stand:

Das Projekt kostet drei Milliarden Euro und ist entscheidend für die Energiewende: A-Nord. Erdkabel sollen dabei den Windstrom aus dem Norden transportieren. Und auch der riesige Stromkonverter in Meerbusch soll schon bald fertig sein. Außerdem zieht Amprion am Rhein bei Voerde derzeit neue Höchstspannungsleitungen.

Von
Markus Waerder
,
Michael Jung
und Emma-Louise Rothschild

Seine großen Füße funktionieren wie Raupen funktionieren und können einzeln bewegt werden. Über eine Spezial-Führungsschiene drückt der Kabelpflug biegsame, orangene Rohre in den Boden - ganze zwei Meter tief. Die Maschine ist aktuell auf einem Acker bei Tönisvorst im Einsatz und soll dafür sorgen, dass schon bald Windstrom aus dem Norden in den Süden des Landes transportiert wird.

Finale Bauarbeiten an vielen Stellen in NRW

Erdkabel sollen durch diese Leerrohre gezogen werden | Bildquelle: WDR/Markus Waerder

Simon Jungbluth ist der Regionalleiter für den Tiefbau am Niederrhein. Alleine in Nordrhein-Westfalen, sagt er, werden gerade an 60 Stellen solche Leerrohre verlegt. Dafür heben Bagger breite Gräben aus. Auch an mehreren Stellen in Willich oder Tönisvorst passiert das gerade.

Mit dem Pflug geht alles schneller

Den Kabelpflug - jenes Spezialgerät, das gerade aus dem Kreis Borken an den Niederrhein transportiert wurde - könne man nur bei bestimmten Bodenverhältnissen einsetzen, sagt Jungbluth. Dann aber geht alles viel schneller.

"Der Kabelpflug kann ungefähr einen Strang von 1000 Metern an einem Tag einpflügen. Umso länger die Strecke ist, umso schneller ist er. Wenn er öfter umsetzen muss, dauert es ein bisschen länger." Simon Jungbluth, Regionalleiter für den Tiefbau am Niederrhein

Finale Bauphase am Konverter in Meerbusch

Ein paar Kilometer südlich geht in Meerbusch der Bau an einem weiteren zentralen Projekt auf die Zielgerade. Dort gab es viele Jahre Proteste um den Großkonverter. Jetzt ist er aber nahezu fertig gestellt.

In Meerbusch soll der Sromkonverter im Dezember in den Testbetrieb gehen | Bildquelle: WDR/Markus Waerder

Der Großkonverter bildet die Schaltstation für den Stromtransport vom Norden in den Süden: Hier kann Strom eingespeist und entnommen werden, angebunden sind die Erdkabel von A-Nord und die neuen Hochspannungsleitungen in Richtung Baden-Württemberg. Schon im Dezember soll der Konverter in den Testbetrieb gehen.

Ausbau für die Energiewende

Durch den schrittweisen Ausstieg der Kohleverstromung in NRW müssen alternative Möglichkeiten geschaffen werden, um das Land mit Strom zu versorgen.

Dazu zählt neben dem Ausbau von Wind- und Solarenergie auch der Ausbau von Hochspannungsleitungen. Die sollen den Windstrom aus Norddeutschland weitertransportieren. Das Projekt gilt als wichtiger Bestandteil der Energiewende.

Die rund 300 Kilometer lange Gleichstromverbindung führt von Emden an der Nordsee bis nach Osterath im Rhein-Kreis Neuss. Der Strom soll sozusagen dort abgeholt werden, wo er erzeugt wird und dorthin gelangen, wo er gebraucht wird.

Wichtig für NRW

Für NRW ist eine zuverlässige Stromversorgung besonders wichtig, weil sich hier besonders viele energie-intensive Industrien angesiedelt haben - wie zum Beispiel die Stahl-, Chemie- oder die Papierindustrie. Die sind auf eine sichere und auch günstige Stromversorgung angewiesen.

Anderes Amprion-Projekt über dem Rhein bei Voerde

Auch am Rhein bei Voerde zieht Amprion derzeit neue Leitungen. Eine alte 380.000-Volt-Stromtrasse aus den 1920er Jahren wird erneuert und verstärkt, "um den Anforderungen der Energiewende gerecht zu werden", wie Amprion-Sprecherin Nancy Kluth erklärt.

Projektleiter Claudio Pinto | Bildquelle: WDR/ Michael Jung

Die Arbeiten über dem Rhein in 40 bis 80 Meter Höhe sind kein Job für Ängstliche: In schwankenden Gondeln hangelt sich eine Crew von Spezialisten an den Stromleitungen entlang und montiert Abstandshalter. "Die verhindern, dass die Seile bei Wind und Wetter aneinander peitschen und es zu Geräuschen oder Schäden an den Leiterseilen kommt.", erläutert Projektleiter Claudio Pinto.

Wer oben in den Stromseilen hängt, ist bei der Arbeit mehrfach gesichert. "Die Männer sind alle Quereinsteiger", erzählt Bauleiter João Vicente. Sechs bis zwölf Monate werden sie geschult, bevor sie mit erfahrener Begleitung in den Seilfahrkorb dürfen.

Neue Stromleitungen: Amprion-Projekt über dem Rhein bei Voerde

Bildquelle: WDR/ Michael Jung

WDR 02:32 Min. Verfügbar bis 05.08.2028

Bei allem Aufwand ist das Amprion-Projekt zwischen Voerde und Rheinberg nur ein Provisorium. Die endgültige Leitung soll unter dem Rhein hindurch verlaufen. Bis dahin sorgt die oberirdische Trasse für die Stromversorgung am Niederrhein.

Windstromtrasse aus dem Norden geht in die finale Phase

Bildquelle: WDR/Markus Waerder

WDR 05.08.2026 00:36 Min. Verfügbar bis 04.08.2028 WDR Online

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Unsere Quellen:

  • Beobachtungen des Reporters vor Ort
  • Amprion GmbH
  • WDR-Archiv

Sendung: WDR 2, WDR 2 für Rheinland, Ruhrgebiet und Niederrhein, 5.8.2026, 14.30 Uhr
Sendung: WDR.de, Neue Stromleitungen: Amprion-Projekt über dem Rhein bei Voerde, 5.8.2026, 17:55 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 05.08.2026, 19:30 Uhr