THW startet Hilfseinsatz für Venezuela | Video
WDR. 00:42 Min.. Verfügbar bis 26.06.2028.
Erste Organisationen in NRW haben auf das Erdbeben in Venezuela reagiert: Knapp 50 Einsatzkräfte des Technischen Hilfswerks (THW) fliegen in das Katastrophengebiet. Im Mittelpunkt stehe aktuell die Bergung und Rettung von verschütteten Menschen aus zerstörten Gebäuden. Zu der Einheit gehören auch Rettungshundeführer mit jeweils einem Hund.
THW-Team auf dem Weg nach Venezuela
Zwei THW-Helfer waren bereits am Freitagmorgen um 2.30 Uhr nach Venezuela aufgebrochen. Am Freitagmittag flog die erste Maschine mit THW-Helfern von Wunstorf in Niedersachsen ab. Insgesamt drei Maschinen sind für das THW auf dem Weg in die Hauptstadt Caracas mit 50 Helfern und 15,2 Tonnen Ausrüstung. Der Flug dauert voraussichtlich 13 Stunden. Die Helfer werden wahrscheinlich in La Guaira und Caracas eingesetzt.
Lage vor Ort unklar
Wie die Lage genau vor Ort sein wird, ist bisher schwer einzuschätzen, sagt Kai Pietsch. Er leitet von Bonn aus für das THW den Einsatz in Venezuela. "Wir rechnen jedoch mit vielen Opfern und sehr schweren Zerstörungen in allen Bereichen. Dafür ist unser Team aber ausgerüstet." In erster Linie fokussiert sich das THW nun auf die Bergung von verschütteten Menschen. Die ehrenamtlichen Helfer werden unter anderem mit Suchhunden, technischen Ortungsgeräten und akustischen Sensoren vor Ort sein, um Menschen aufzuspüren.
"Jetzt ist die Phase, wo wir alle fokussiert sind und mit aller Kraft versuchen verschüttete Menschen zu finden. Denn das Zeitfenster Überlebende zu finden schließt sich." Kai Pietsch, Abteilungsleiter Einsatz für das THW
Action Medeor packt erste Hilfslieferungen
Weitere Hilfen wie die Bereitstellung von Trinkwasser und Lieferung von Hilfsgütern sind laut THW gerade in Klärung. Auch Action Medeor, das Medikamentenhilfswerk vom Niederrhein, hat 50.000 Euro als Soforthilfe bereitgestellt. Am Donnerstagnachmittag packten Mitarbeitende bereits eine erste Hilfslieferung für Venezuela zusammen.
"Wir verschaffen uns in den ersten Stunden nach dem Erdbeben erst noch ein klares Bild von der Situation vor Ort", so Sid Peruvemba, Vorstandssprecher von Action Medeor: Man wisse aber aus Erfahrung, was in solchen Situationen wichtig sei.
"Es geht um die notwendigsten Dinge: medizinische Versorgung, Schutz, Wasser, Nahrung und Hygiene." Sid Peruvemba, "Action Medeor"
ISAR Germany hat Voraus-Team losgeschickt
Die Rettungsorganisation ISAR Germany aus Duisburg hat am späten Donnerstagnachmittag zwei Mitarbeiter als Voraus-Team nach Südamerika losgeschickt. Sie sollen vor Ort die Lage sondieren und einen möglichen Bergungs- und Versorgungseinsatz vorbereiten.
Jonas Jung koordiniert die Nothilfe für die Malteser International.
Auch die Malteser International in Köln hat Einsatzteams in Bereitschaft versetzt. Malteser-Nothilfekoordinator Jonas Jung hat jede Menge zu tun, sagte er dem WDR am Donnerstag. Was man von den Kontakten vor Ort höre, sei gravierend. Man sei mit den Partnern vor Ort im Austausch, "wie wir schnellstmöglich den Menschen helfen können. Malteser International hat dafür als Soforthilfe 250.000 Euro zur Verfügung gestellt."
Internationale Hilfe läuft an
Das Ausmaß der Schäden nach den schweren Erdbeben ist aktuell noch unklar. Interims-Präsidentin Delcy Rodríguez rief den Notstand aus, sprach im staatlichen Fernsehen von rund 1.000 Verletzten. Die Zahl der Toten wurde zuletzt mit 235 angegeben. Die Hilfsorganisationen in Deutschland versuchen aktuell, ihre möglichen Hilfen mit Partnern vor Ort abzustimmen. Erste Hilfsgelder sind zugesagt worden, unter anderem eine Million Euro vom Bündnis Aktion Deutschland hilft.
Angespannte Versorgungslage in Venezuela
In Tönisvorst werden die Hilfslieferungen vorbereitet
Auch Action medeor ist bereits im Austausch mit lokalen Partnerorganisationen vor Ort, um die Beschaffung und Lieferung von Hilfsgütern zu organisieren, teilte das Medikamenten-Hilfswerk mit. "Die Versorgungslage mit Medikamenten und Medizinprodukten war in Venezuela schon vor dem Erdbeben sehr angespannt, das hat sich durch die Naturkatastrophe jetzt noch einmal verschärft", sagt Vorstandssprecher Peruvemba.
"Wir bereiten uns daher jetzt parallel auf verschiedene Hilfsszenarien vor, indem wir unsere Partner vor Ort unterstützen und parallel den Versand von Hilfsgütern aus Deutschland anschieben, die dann in der zweiten Welle zum Einsatz kommen."
Unsere Quellen:
- dpa
- Bundesanstalt Technisches Hilfswerk
- Pressemeldung "action medeor"
- Malteser International, Köln
- Bündnis "Aktion Deutschland hilft"
- ISAR Germany, Duisburg
Sendung: WDR.de, "Action Medeor" unterstützt Hilfsmaßnahmen in Venezuela, 25.06.2026, 13:50 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 25.06.2026, 19:30 Uhr