"Bitte auf dem Gehweg bleiben!", ruft Alessandro Borth durch sein Megafon. In einer gelben Warnweste läuft er neben dem CSD-Zug durch die Moerser Innenstadt.
Vor und hinter den Teilnehmern fahren Polizeiwagen, auch an Seitenstraßen stehen Beamte mit Streifenwagen oder Motorrädern. Aber auch Borth passt als ehrenamtlicher Ordner und Ordnerleitung auf, dass alles glatt läuft. Immer wieder spricht er in sein Funkgerät, um sich mit den anderen Ordnern auszutauschen. Für ihn ist es ein Ehrenamt - eines mit besonderer Verantwortung.
CSD-Demos in NRW: "Jetzt erst Recht!"
Die CSD-Demos in Bonn, Moers und Ahaus am Samstag stehen unter dem Eindruck des Anschlags auf den Berliner CSD am vergangenen Wochenende. Das sagen die Teilnehmer.
Mutter und Tochter sind heute extra aus Rheinbach nach Bonn angereist und feiern hier heute zum ersten Mal auf Beethovens Bunter.
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Nach Berlin: besonderer Blick auf Sicherheit
Denn der Christopher Street Day in Moers findet nur eine knappe Woche nach den Ereignissen beim Berliner CSD statt. Dort war am vergangenen Wochenende ein Mann am Rande der Veranstaltung in die Menschenmenge angegriffen. Eine Frau ist gestorben, 16 Personen wurden teils lebensgefährlich verletzt.
Seitdem ist das Thema Sicherheit bei vielen CSD-Veranstaltungen noch präsenter als ohnehin schon. Auch in Moers wurden die Sicherheitsvorkehrungen überprüft und mit der Polizei abgestimmt. Die Beamten begleiten den Umzug durch Moers mit mehr Einsatzkräften als noch im vergangenen Jahr. Auch die Zahl der ehrenamtlichen Ordner wurde aufgestockt. "Man macht sich schon seine Gedanken: Was kann passieren?", sagt Borth. "Aber wir werden so gut von der Polizei begleitet."
Vielfalt statt Verunsicherung
Trotz der erhöhten Sicherheitsvorkehrungen ist von Anspannung entlang der Strecke nichts zu spüren. Stattdessen dominieren Regenbogenflaggen, Musik und gute Laune das Bild. Am Rande des Zugweges stehen Menschen, machen Fotos. "Happy Pride!" ruft ein Teilnehmer und winkt.
Eigentlich hatten die Veranstalter mit rund 150 Teilnehmerinnen und Teilnehmern gerechnet. Nach Angaben der Polizei kamen am Ende aber rund 400 Menschen zum CSD in Moers. Für viele war das auch eine bewusste Entscheidung: Gerade nach den Ereignissen in Berlin wollten sie Präsenz zeigen.
"Ich bin von dem Mut der Leute sehr begeistert. Und das ist jetzt hoffentlich auch ein Zeichen in die Welt: Jetzt erst recht!“ Marius-Felix-Aladini Femaro, Teilnehmer beim CSD Moers
Die Botschaft des Tages ist damit klar: Einschüchtern lassen wollen sich die Menschen in Moers nicht. Stattdessen setzen sie mit Regenbogenflaggen, Musik und ihrer Präsenz ein Zeichen für Vielfalt, Offenheit und Akzeptanz - laut, bunt und sichtbar.
Friedlicher Abschluss in Moers
Am Abend kommt der CSD-Zug an seinem Ziel an: Das Bollwerk 107 in Moers. Ordner Alessandro Borth kann sein Funkgerät ausschalten und die Warnweste ausziehen. Sein Fazit: "Es war super friedlich." Außergewöhnliche Einsätze gab es für die ehrenamtlichen Ordner und Sicherheitskräfte nicht.
Und genau das ist das beste Ergebnis - denn wenn am Ende vor allem die Bilder von bunten Fahnen, guter Stimmung und gelebter Vielfalt bleiben, dann ist der Christopher Street Day in Moers genau so verlaufen, wie ihn sich alle gewünscht haben. Für nächstes Jahr hat Borth einen Wunsch: "Dass wieder so viele Menschen kommen und wieder für die Vielfalt auf die Straße gehen."
Unsere Quellen:
- SLaM and Friends Moers e.V.
- Polizei Kreis Wesel
- Beobachtungen der WDR-Reporterin vor Ort
Sendung: WDR.de, So lief der CSD in Moers, 01.08.2026, 19:30 Uhr