Zwischen Kinderkleidung, Porzellanfiguren und vollgestellten Kisten sucht Mirco Schwoll nach seiner nächsten großen Entdeckung. Sein Blick wandert über die Stände eines Trödelmarkts unweit seines Zuhauses in Mönchengladbach. "Am liebsten möchte ich ein schönes Borussia-Trikot", sagt er.
Denn: Seitdem ein Gehirntumor sein Leben grundlegend verändert hat, kann er zwar keinen Fußball mehr spielen. Dafür sammelt Schwoll jetzt ganz besondere Trikots.
Fußball ist seine große Leidenschaft - eigentlich als Spieler
Auf Trödelmärkten sucht Mirco Schwoll nach Sammlerschätzen.
Bildquelle: WDR / Juliette NicholsSchon als Kind hatte er angefangen Fußball zu spielen, zunächst im Rheydter Spielverein nebenan. Später wechselte er in der Jugend zu Borussia Mönchengladbach. Profifußballer zu werden, war sein großer Traum. Und dafür legte sich Schwoll mächtig ins Zeug.
"Ich hatte fünfmal die Woche Training und am Wochenende immer ein Spiel. Fußball war mein Leben und plötzlich war alles weg." Mirco Schwoll, 29 Jahre
Mirco Schwoll kurz nach der Operation, die sein Leben rettet.
Bildquelle: Mirco SchwollMit 22 Jahren wird bei Mirco ein Tumor im Gehirn entdeckt, nachdem er über Schwindelanfälle und Sehstörungen geklagt hatte. "Das war am Anfang eine Schockdiagnose", sagt Schwoll. "Ich wusste ja nicht einmal, was ein Tumor oder Krebs überhaupt ist." Statt zum Fußballspiel geht es kurze Zeit nach der Diagnose auf den OP-Tisch. Elf Stunden dauert die Operation, die sein Leben rettet.
"Ich musste mich richtig herauskämpfen"
"Es war beängstigend", sagt Schwolls Mutter Alexandra Bednaic. Ihr Sohn zieht wieder bei ihr ein, Tag und Nacht kümmert sie sich um ihn. "Ich musste ihm vieles wieder beibringen, er war wieder ein kleines Kind".
Es folgt eine monatelange Strahlentherapie und Reha. Auf diese Zeit blickt er mit gemischten Gefühlen zurück: "Ich denke mir: Ich habe es geschafft, der Krebs ist weg. Aber es war eine harte und lange Leidenszeit für mich." Heute, sieben Jahre später, ist er krebsfrei.
Ein geplatzter Fußballtraum
Bei der Operation wurde Schwolls Sehnerv verletzt. Seitdem hat er beim Laufen Gleichgewichtsstörungen, außerdem ist seine periphere Wahrnehmung eingeschränkt. "Ich habe ein zweites Leben geschenkt bekommen, aber Fußballspielen ist nicht mehr drin", bedauert Schwoll.
Ganz loslassen konnte er den Fußball jedoch nie. Durch seine Krankheit sei er sogar ein noch größerer Fan von Borussia Mönchengladbach geworden, erzählt Schwoll.
Seltene Trikots im Wert von über 1.000 Euro
Seine Verbundenheit mit dem Fußball entwickelte sich schließlich zu einer echten Sammelleidenschaft. In seinem Zimmer hängen, sauber aufgereiht, um die 250 Trikots. Einige von ihnen haben einen beträchtlichen Sammlerwert.
Dieses Trikot wurde von Uli Borowka getragen und soll einen Wert von über 1.000 Euro haben.
Bildquelle: WDR / Juliette NicholsDazu gehört zum Beispiel ein Trikot, das Uli Borowka im UEFA-Cup-Viertelfinalspiel 1987 zwischen Vitória Guimarães und Borussia Mönchengladbach getragen hat. Es soll mehr als 1.000 Euro wert sein, erzählt Schwoll.
Zur Not gibt es einen Frustkauf
Wenn es mal keins von Borussia gibt, nimmt er aber auch gerne die Trikots anderer Vereine mit nach Hause. Schwoll schaut sich weiter auf dem Flohmarkt um und sagt: "Vielleicht finde ich aber heute auch nichts. Dann kommen die Frustkäufe am Ende, das ist auch okay." Er lacht.
Seit Kurzem darf er auch wieder Auto fahren und Trödelmärkte abklappern, die weiter entfernt liegen. Vielleicht werden es damit auch weniger Frustkäufe und noch mehr Borussia-Trikots.
Unsere Quellen:
- Gespräch mit Mirco Schwoll
- Gespräch mit Alexandra Bednaic
- Datencenter des DFB
Sendung: WDR.de, Mönchengladbacher kämpft sich nach Tumor zurück, 03.09.2026, 6:12 Uhr
