Kanadagänse auf einer Wiese in Köln

Sie sehen sie so harmlos aus: Kanadagänse auf einer Wiese

Bildquelle: WDR/dpa/Oliver Berg

"Die Tiere koten alle fünf Minuten" Warum die Gänse kaum zu bremsen sind

Stand:

Die Zahl der Wildgänse in NRW steigt seit Jahren, und mit ihr die Diskussion über Kot, Vertreibung und Abschüsse. Weil Parks und Ufer zunehmend von Gänsen besetzt sind, wächst der Frust vieler Menschen. Mancherorts werden die Tiere sogar illegal beschossen.

Ein frischer Kothaufen liegt auf der Wiese im Düsseldorfer Zoopark. Weitere Hinterlassenschaften der verschiedenen Vögel sind an diesem eigentlich idyllischen Ort bereits plattgetreten. Im Hintergrund pickt eine Gruppe Kanadagänse munter ins Gras.

Noch schlimmer sieht es am Ufer des Weihers in diesem Park aus. Der Bereich ist komplett zugekotet. Auch auf den Spielplätzen fällt der Dreck auf. "Ich muss sagen, dass mich das ganz schön stört", sagt eine junge Mutter verstimmt.

Bezirksvertreter Uwe Wagner (SPD) steht im Düsseldorfer Zoopark

Uwe Wagner (SPD) ärgert sich über den Gänsekot.

Bildquelle: WDR / Benjamin Sartory

Auch Uwe Wagner (SPD) ärgert sich. Er wohnt in der Nähe und ist für diesen Stadtbezirk der zweite stellvertretende Bezirksbürgermeister. Früher hätten sich hier auf einer großen Wiese Familien entspannt. Das sei seit einigen Jahren nicht mehr so: "Weil die Wiese so verkotet ist, dass man sich dort nicht niederlassen kann."

Zahl der Wildgänse in NRW steigt seit Jahren

Kees Koffijberg von der NRW-Ornithologengesellschaft (NWO) bestätigt, dass die Gänse sich teils seit Jahrzehnten bei uns vermehren. Die Experten zählen die Tiere jedes Jahr an einem bestimmten Wochenende. Er erklärt: "Das kann am Rhein im Flussvorland sein, in den Tümpeln, aber natürlich auch in den ganzen Stadtparks."

Laut der letzten Zählung 2025 geht die NWO von knapp 15.500 Kanadagänsen aus. In den vergangenen 15 Jahren sei der Bestand in NRW damit um im Schnitt rund drei Prozent pro Jahr gestiegen.

Den stärksten Zuwachs verzeichnete die Nilgans mit durchschnittlich 5,5 Prozent mehr pro Jahr. Zum ersten Mal wurden deutlich mehr als 10.000 Tiere gezählt. Auch bei der heimischen Graugans gibt es einen bemerkenswerten Anstieg. Momentan gibt es in NRW rund 50.000 Exemplare.

Natürlich sind das nur ungefähre Zahlen. Aber der Trend ist trotzdem klar, wie Koffijberg sagt. "Die Gänse sind Profiteure der intensiven Landwirtschaft", erklärt er. Dadurch würden sie viel Nahrung finden. Außerdem werden sie seiner Erkenntnis zufolge von den vielen Gewässern angezogen.

Eine Gruppe Kanadagänse im Düsseldorfer Zoopark

Kanadagänse tummeln sich im Düsseldorfer Zoopark und hinterlassen ihren Kot.

Bildquelle: WDR / Benjamin Sartory

Ertränken Nilgänse Stockenten?

Christian Chwallek vom NABU NRW

Christian Chwallek vom NABU NRW

Bildquelle: Christian Chwallek

Christian Chwallek ist beim NABU NRW Experte für Gänse und erklärt, wo die Tiere eigentlich herkommen. Die Graugans zum Beispiel sei hier zwar heimisch. In den 1980er-Jahren wilderten Jäger sie aber auch aus. Kanada- und Nilgänse sind aus Nordamerika und Afrika zu uns gekommen, teils auch durch Auswilderungen, teils als Ziervögel.

Auch Chwallek sieht in der Verbreitung ein Problem. Die Gänse würden den Freizeitraum der Menschen belasten. Außerdem sei die Nilgans auch ein aggressives Tier: "Da habe ich auch schon gehört, dass sie Stockenten vertreiben", sagt der Experte. Das gehe bis zum Ertränken der heimischen Tiere.

NABU-Experte Chwallek kann deshalb sogar nachvollziehen, dass einige Städte die Gänse auch erschießen lassen. Der Naturschützer weiß aber, dass andere im NABU das anders sehen und strikt gegen das Töten der Tiere sind.

Viele Städten klagen über Gänsekot

Fakt ist: Besonders Städte mit vielen Wasserflächen haben Probleme mit den Gänsen. "Die Tiere koten alle fünf Minuten, wodurch ein Sauberhalten kaum möglich ist", schreibt zum Beispiel die Stadt Köln. Auch Duisburg ist betroffen, insbesondere am Toeppersee, am Uettelsheimer See, an der 6-Seen-Platte und an der Regattabahn "Die Verschmutzung durch Gänsekot stellt ein zunehmendes Problem dar", teilt auch die Stadt Mönchengladbach mit.

Frischer Gänsekot im Düsseldorfer Zoopark

Frischer Gänsekot im Düsseldorfer Zoopark

Bildquelle: WDR / Benjamin Sartory

Klassischerweise versuchen viele Städte, die Ausbreitung von Kanadagänsen durch die Entnahme von Eiern zu begrenzen, 500 Eier pro Jahr sind es zum Beispiel in Köln. Bei den Nilgänsen ist das nicht so einfach, weil die Tiere keine Bodenbrüter sind. Sie legen ihre Eier oft erhöht ab, etwa in Baumhöhlen, auf Gebäuden, in Nischen, manchmal auch auf Dächern. Deshalb ist die sogenannte Gelegekontrolle bei Nilgänsen deutlich schwieriger als bei Kanadagänsen.

Und: Einige Kommunen halten die Auflagen dafür für zu streng. Für die Entnahme der Eier bräuchte man zum Beispiel die Genehmigung der Jagdpächter, erklärt die Stadt Mönchengladbach. Das würde nicht immer klappen.

Illegaler Beschuss von Gänsen

In manchen Städten werden oder wurden die Tiere auch geschossen, zum Beispiel in Duisburg, Mülheim an der Ruhr und am Aasee in westfälischen Innenbüren im Kreis Steinfurt im Tecklenburger Land. Dafür gibt es strenge Auflagen, wie zum Beispiel bestimmte Jagdzeiten. Und in der Innenstadt dürfen Jäger in der Regel auch nicht schießen.

Die Stadt Krefeld fordert dazu professionelle Stadtjäger-Strukturen, bessere Fortbildung und Ausrüstung für die Gänsejagd und eine Förderung von Monitoring und Biotopmanagement. Hier ist besonders das Naherholungsgebiet "Elfrather See" betroffen. Die Kombination aus Wasserflächen und großen Wiesen bietet Kanadagänsen und Nilgänsen ideale Lebensbedingungen. Dort finden die Tiere sowohl Nahrung als auch geeignete Brut- und Rückzugsorte.

Schockierend: Bürger greifen zu Pfeil und Luftgewehr

Besonders krass: Mancherorts gehen Bürger selbst illegal gegen die Gänse vor. In Bochum und Witten wurden Tiere durch Pfeile verletzt, womöglich mit Hilfe einer Armbrust oder ähnlichem. Auch der Tiernotruf in Düsseldorf hat in den vergangenen Jahren immer wieder über Attacken auf Wildgänse berichtet. In Köln zum Beispiel wurden die Tiere mit einem Luftgewehr attackiert, in Mönchengladbach auch mit Pfeilen.

"No-go-Areas" für Gänse?

In Düsseldorf versucht es die Stadt auch mit dem sogenannten Gänsemanagement, also der Entnahme von Eiern. Vor einem Jahr berichtete die Behörde, dass die Zahl der Gänse dadurch leicht gesunken sei. Es sei aber ein Problem, dass Menschen die Tiere verbotenerweise immer noch füttern würden. Aktuell will sich die Stadt nicht äußern, weil die Gänse gerade für eine neue Bilanz gezählt werden.

Dem Düsseldorfer Bezirksvertreter Uwe Wagner reichen die Maßnahmen der Stadt nicht. Er meint, dass der Bestand auf einem viel zu hohen Niveau stagnieren würde. Wagner schlägt deshalb unter anderem vor, es den Gänsen ungemütlicher in den Parks zu machen. Man könnte aus seiner Sicht zum Beispiel die Ufer der dortigen Gewässer so gestalten, dass die Tiere nach der Landung auf dem Wasser nicht an Land gehen können.

Zugekotetes Ufer eines Weihers im Düsseldorfer Zoopark

Das zugekotete Ufer im Düsseldorfer Zoopark

Bildquelle: WDR / Benjamin Sartory

Der SPD-Mann sieht die Niederlanden als Vorbild. Die haben sozusagen "No-go-Areas" und "Go-Areas" für die Gänse geschaffen, um sie von den Freizeiträumen der Menschen fernzuhalten.

Auch Bürger könnten es den Gänsen übrigens ungemütlicher machen. Viele Städte klagen, dass einige die Tiere immer noch füttern würden, obwohl das vielorts verboten ist.

Warum die Gänse kaum zu bremsen sind

WDR 54 Sek. Verfügbar bis 26.08.2028 WDR Online

Unsere Quellen:

- Beobachtungen des WDR-Reporters vor Ort
- Uwe Wagner, SPD-Bezirksvertreter in Düsseldorf
- NABU NRW
- NRW-Ornithologengesellschaft
- verschiedene Kommunen in NRW

Sendung: WDR.de, Warum die Gänse kaum zu bremsen sind, 27.08.2026, 07:04 Uhr

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