Die Branche steht unter Druck: günstige Konkurrenz aus dem Ausland, hohe Energiepreise, schwierige Standortbedingungen. Gleichzeitig wächst in der Raumfahrt der Bedarf an hochspezialisierten Textilien.
ESA-Astronaut Matthias Maurer zeigte bei einem Austausch in Mönchengladbach, wo sich Chancen auftun könnten. Europa muss seiner Ansicht nach in der Raumfahrt unabhängiger werden - etwa bei der Entwicklung eines neuen Raumanzugs.
"Hier entscheidet das Textil, wie gut wir im Weltall arbeiten können. Beweglichkeit und Komfort spielen da eine große Rolle. Aber auch wie gut geschützt ich bin. Ein Raumanzug erfordert sehr viel Innovation und die besten Materialien." Matthias Maurer
ESA-Astronaut Matthias Maurer verbrachte schon 176 Tage im All
Bildquelle: IMAGO/Panama Pictures/Christoph HardtEin Raumanzug ist aktuell wenig "High-Tech"
Die heute eingesetzten Modelle basieren in ihren Grundzügen teilweise noch auf Technik aus den 1980er-Jahren. Künftig könnten Sensoren direkt in Textilien integriert werden, die Vitalfunktionen überwachen oder beim Heizen und Kühlen helfen. Auch bei den Materialien ist Forschung gefragt. Heute kommt etwa Kevlar zum Einsatz. Wie in kugelsicheren Westen. Denn ein Raumanzug muss tatsächlich ein bisschen wie eine kugelsichere Weste funktionieren: Winzige Teilchen treffen im All mit enormer Geschwindigkeit auf den Anzug. Die Frage ist also: Geht das leichter, flexibler und noch sicherer?
Forschungsfeld am Niederrhein
Genau hier könnte der Niederrhein seine Stärken ausspielen. Hier gibt es schon hochspezialisierte Unternehmen, zum Beispiel für Textilien in der Fliegerei oder in der Automobilzulieferung. Die Hochschule Niederrhein forscht bereits an verschiedenen Technologien rund um technische und intelligente Textilien.
Dazu gehört zum Beispiel die Forschung an Materialien, die dem Muskelschwund in der Schwerelosigkeit entgegen wirken sollen. Außerdem wird an Sensortextilien geforscht, die die Körperfunktionen überwachen.
Zurück zum Mond: Astronauten-Training im Mondzentrum Luna
Bildquelle: WDRLokalzeit am Samstag. 21.02.2026. 5 Min. 56 Sek.. UT. DGS. Verfügbar bis 21.02.2028. WDR. Von Olaf Tack.
Mit dem Mond-Trainigszentrum LUNA in Köln gibt es zudem direkt in NRW die Möglichkeit, Technologien unter Bedingungen einer nachgebildeten Mondoberfläche zu erproben.
Hoffnung auf die große Innovation
Viel Geld verdienen lässt sich mit diesem Nischenprodukt sicherlich erstmal nicht. Trotzdem sei das Geschäftsfeld für die Textilbranche interessant, sagt der Präsident des Nordwestdeutschen Textilverbands, Friedrich-Hans Gardin.
"In der Raumfahrt werden ja häufig Sachen entwickelt, die erst in kleinen Stückzahlen in der Raumfahrt eingesetzt werden und später in ganz normalen Bereichen Anwendung finden. Insofern ist eine solche Forschung auch interessant für uns." Friedrich-Hans Grandin
Friedrich-Hans Grandin ist Präsident vom Nordwestdeutschen Textilverband
Bildquelle: Joscha WeidenfeldFörderprogramme und ein ESA-Budget für die Entwicklung von Textilien für die Raumfahrt sind vorhanden. Ob daraus ein größeres Geschäftsfeld für die heimische Textilindustrie werden kann, ist noch völlig offen. Der Termin in Mönchengladbach war nur ein Auftakt.
Für eine Branche, die bei Massenware kaum über den Preis konkurrieren kann, könnten hochspezialisierte Anwendungen eine neue Perspektive bieten.
Werden in Mönchengladbach bald Raumanzüge produziert?
Bildquelle: WDR/ Olaf TackWDR. 35 Sek.. Verfügbar bis 22.09.2028.
Unsere Quellen:
- Reporter vor Ort
- HS Niederrhein
Werden am Niederrhein bald Raumanzüge produziert?
Bildquelle: ESAWDR. 1 Min. 12 Sek.. Verfügbar bis 22.09.2028.
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit Düsseldorf, 22.09.2026, 19.30 Uhr