Borussia Mönchengladbach und Trainer Polanski trennen sich | WDR aktuell
Bildquelle: IMAGO / Picture Point LEWDR. 28 Sek.. Verfügbar bis 13.09.2028.
Der dritte Spieltag ist der neue Schicksalsspieltag bei Borussia Mönchengladbach – denn wie schon Gerardo Seoane in der Vorsaison muss auch Eugen Polanski jetzt nach nur drei Bundesligapartien die Trainerbank räumen. Am Tag nach der 0:5-Klatsche beim SC Freiburg gaben die Gladbacher, die nach wie vor punktlos sind und bereits zwölf Gegentore kassiert haben, die Trennung bekannt.
Genau eine Saison hat Polanski, der damals Seoane zunächst interimsweise beerbt hatte und dann den Zuschlag erhielt, hinter sich – und am Ende war es beileibe keine Erfolgsgeschichte. Der Start war schon mit zwei Punkten aus seinen ersten fünf Spielen sehr schlecht, doch die darauffolgenden Auftritte und Ergebnisse mit drei Siegen in Folge und dem Derbyerfolg gegen den 1. FC Köln (3:1) brachten Polanski den ersten Profi-Trainerjob seiner Karriere.
Polanski umstritten bei Gladbach-Fans
Wirklich angekommen ist er in diesem aber nicht: Gladbach kämpfte um den Klassenerhalt und schaffte ihn schließlich auch. Polanski wackelte dennoch, Rouven Schröder entschied sich jedoch, mit dem Trainer weiterzumachen – mit dem Wissen, dass der Ex-Mittelfeldspieler auch bei den Fans umstritten war.
Wie groß dieses Risiko wirklich war, zeigte sich nach der 3:4-Niederlage gegen die SV Elversberg. Gladbach hatte einen 3:1-Vorsprung hergeschenkt und trotz des so frühen Zeitpunkts entfachte dieser erneute Rückschlag sofort wieder die Polanski-Diskussion.
Schröder vermeidet nach Freiburg-Klatsche Bekenntnis zu Polanski
Nach dem Freiburg-Desaster ist diese nun beendet. Schröders Aussagen danach hatten schon erahnen lassen, dass es zu diesem Schritt kommen würde. "Es ist klar, dass die Luft für alle dünner wird. Drei Spiele, null Punkte, Mainz vor der Brust – ich möchte nicht in die Länderspielpause mit null Punkten. Es ist wichtig, dass man drüber schläft und sich morgen in die Augen schaut und sagt: Was können wir verbessern?", sagte der Manager.
Am Morgen danach war allen klar: Eine Veränderung muss her. Auch Polanski selbst soll der Mannschaft erklärt haben, dass er es für besser erachte, wenn jemand anderes versucht, sie aus dem Schlamassel zu führen.
Offene Fehlerkultur unter Polanski ohne Wirkung
Der nun Ex-Coach hatte sich in den vergangenen Wochen immer wieder selbstkritisch gegeben und auch in der Kabine gepredigt, dass es wichtig sei, über Fehler zu sprechen und zu ihnen zu stehen. Deswegen wurde auch aus den kritischen öffentlichen Aussagen von Tim Kleindienst kein großes Bohei gemacht, weil das der Weg war, den die Gladbacher gehen wollten.
Die harte Wahrheit sollte die Borussen aus der harten Realität im Bundesligakeller holen – doch es braucht eben keine selbstkritischen Worte, sondern Taten, die den Klub wieder dorthin führen, wo er hinwill.
Zweifel an Manager Schröder werden größer
Die Frage, die sich nun stellt, ist aber auch: Ist es überhaupt möglich, dass Gladbach dorthin kommt, wo es hinwill? Polanski ist auch ein Opfer der Verletzungsprobleme geworden: Gerade durch die Ausfälle von Jens Castrop, Zento Uno und Enzo Leopold ist das zentrale Mittelfeld zu einer absoluten Problemstelle geworden – was in allen drei Partien mehr als offensichtlich war. Grundsätzlich werden die Zweifel am von Manager Schröder zusammengestellten Kader immer größer. In der Tiefe hat er sich verbessert, aber in der Spitze könnte es zu wenig sein.
Gladbachs Sportchef Rouven Schröder
Bildquelle: IMAGO / fohlenfotoKleindienst ist nicht in der Form von vor seiner Verletzung, Rückkehrer Ko Itakura (von Ajax Amsterdam) ist nicht der erhoffte Ersatz für Nico Elvedi, praktisch kein Spieler befindet sich in Normalform – und selbst der sonst so verlässliche Torhüter Moritz Nicolas hat nun schon mehrfach danebengegriffen.
Kein Grundvertrauen in Gladbachs Trainer und Mannschaft
Die Verunsicherung in Gladbach ist riesig. Sie ist aber auch ein Ergebnis dessen, dass es unter Polanski kein Grundvertrauen mehr gab. Eine ganz starke Vorbereitung hatte Lust auf die neue Saison gemacht, aber sie hatte nichts daran geändert, dass tief im Inneren die Skepsis, ob er wirklich der richtige Trainer sei, noch immer da war.
Polanski ist weg, die Probleme der Borussen aber bei Weitem nicht. Stimmung, Kader, Verletzungen – das alles bleibt auch mit einem neuen Trainer. Vor wenigen Wochen hatte Gladbach noch gewirkt, als wäre so viel Gutes in dieser Saison möglich. Jetzt entsteht der Eindruck, es sei viel Schlechtes möglich. Die Angst vor dem Abstieg ist zurück, die Panik ist ausgebrochen. Die Fans waren entsetzt von dem, was sie in Freiburg von ihrer Mannschaft zu sehen bekamen; aus Trotz stimmten sie Jubelgesänge an, während die Spieler verzweifelt versuchten, nicht noch mehr Gegentore zu kassieren. Polanski hat es nicht geschafft, das alles in den Griff zu bekommen – aber auch sein Nachfolger wird es mehr als schwer haben.
Unsere Quellen:
- WDR-Reporter
Sendung: WDR.de, "Polanski weg, Probleme weiter da", 13.09.2026, 12:48 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR aktuell, 13.09.2026, 12:45 Uhr