Niederrhein-Bauern spenden hunderte Tonnen Kartoffeln an die Tafeln
Bildquelle: IMAGO/Martin Wagner3 Min. 18 Sek.. Verfügbar bis 08.09.2027.
Niederrhein-Bauern spenden hunderte Tonnen Kartoffeln an die Tafeln
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"Kartoffeln statt Bomben" - nach diesem Motto haben sich drei Landwirte zusammengetan. Sie wollten die überschüssigen Kartoffeln aus ihrer Ernte vom Niederrhein zunächst in Krisengebiete spenden. Jetzt sollen sie an die Tafeln in der Region gehen.
Die Kartoffelernte ist diesem Jahr so gut ausgefallen, dass viele Tonnen am Ende wohl nicht in den Verkauf kommen werden. Die drei Landwirte wollen mit ihrem Projekt verhindern, dass diese Kartoffeln in den nächsten Wochen im Feld zerquetscht, zu Biogas verarbeitet werden oder im Futtertrog landen.
Denn das wäre das übliche Vorgehen, wenn der Überschuss nicht mehr gewinnbringend verkaufen werden könnte.
Akuten Hunger in Gaza stillen?
"Es kann nicht sein, dass wir hier die Kartoffeln zerquetschen und andere hungern", so Bernd Hesseling vom Bauernmarkt Lindchen in Uedem.
Allein im Kreis Kleve sind in diesem Erntejahr rund 140.000 Tonnen Kartoffeln übrig. Davon könnten eine Millionen Menschen ein halbes Jahr lang ernährt werden, so Hesseling. Gerade Kartoffeln seien ein geeignetes Nahrungsmittel, um akuten Hunger zu stillen.
Kartoffelbauern spenden an die Tafeln
Die drei Initiatoren haben alles durchgerechnet. Sie suchten nach Organisationen und Sponsoren, um das Vorhaben umzusetzen. Bis zu zehn Euro Transportkosten pro 100 Kilo Kartoffeln müssten eingeplant werden. Zunächst war die Überlegung, die Kartoffeln nach Gaza zu transportieren. Aus unterschiedlichen Gründen ist das aber nicht möglich.
Der WDR fragte bei der Tafel Duisburg an, ob dort die große Menge Kartoffeln gebraucht werden könnte. Bei der Tafel freute man sich sehr über das Angebot und kündigte an, die Kartoffeln mit anderen Tafeln in Gelsenkirchen, Dortmund und Coesfeld zu teilen.
20 Tonnen Kartoffeln bereits geliefert
Heiner Ricken ist einer der Landwirte und auf dem Acker. "Heute werden 20 Tonnen an die Tafeln geliefert", sagt er während er die Kartoffeln erntet. "Solange wir die Kartoffeln hier haben, liefern wir auch an die Tafeln". Allein auf diesem Feld könnten es bis zu 500 Tonnen Kartoffeln sein.
Doch auch die Tafeln können nicht alle Kartoffeln aufnehmen. Daher soll in dieser Woche der erste LKW in die Ukraine fahren und dort die Kartoffeln ins Krisengebiet bringen. Weitere sollen folgen.
Landwirtschaftskammer NRW reagiert positiv
"Von der Idee war ich sofort angetan", betont Martin Kanders von der Landwirtschaftkammer NRW. "Das ist ein wirklich großes Projekt, bei dem viele helfende Hände gebraucht werden".
Extrem gute Ernte in diesem Jahr
In diesem Jahr kommen mehrere Faktoren zusammen, die zu einem solch großen Überschuss geführt haben. Es gab keinen Frost und viel Regen gerade in den dafür passenden Zeiten. Die Rekordernte hat bereits die Preise, die Industrie und Handel den Bauern zahlen, abstürzen lassen.
Zugleich seien die Umsätze der Pommesindustrie durch die hohen Energiepreise gefallen. Gerade auch im Exportgeschäft würden, Pommes, Chips und Speisekartoffeln schwächeln.
Unser Quellen:
- Gespräch mit Bernd Hesseling, Bauernmarkt Uedem
- Interview mit Martin Kanders, Kartoffelanbauberater der Landwirtschaftskammer NRW
- Gespräch mit Heiner Ricken, Landwirt aus Alpen
- Gespräch mit Günter Spikofski, Tafel Duisburg