WDR Lokalzeit Stadtgespräch in Neuss : Ist die Landesgartenschau 60 Millionen wert?
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Zuschauer und Podiumsgäste diskutierten teils kontrovers am Donnerstagabend über Kosten und Nachhaltigkeit der großen Gartenschau.
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Jetzt mitdiskutierenAuf dem Podium auf der Tribüne der früheren Neusser Rennbahn zeigte sich Bürgermeister Reiner Breuer (SPD) sehr zufrieden mit Blick auf eine Halbzeitbilanz. "Ein Erfolgsgradmesser ist für uns, dass wir hier auch was Dauerhaftes schaffen."
Mitte Juni zählte die Neusser Landesgartenschau ihren 200.000sten Besucher. Breuer zeigte sich optimistisch, bis zum Ende der Schau im Oktober die Zielmarke von 650.000 Besuchern zu erreichen. "Wir wollen auch eine etwas andere ´LaGa´ sein. Der östliche Bereich ist etwas für die klassischen Gartenschau-Besucher, der westliche Teil ein Bereich für Spiel, Sport, Erholung und Kultur."
Gemischte Halbzeitbilanz
Die Zuschauer diskutierten beim Lokalzeit Stadtgespräch intensiv mit.
Sybille Niedermeier schilderte als Volunteer auf der LaGa, wie gut die Spiel- und Sportplätze vor allem bei jungen Leuten ankämen: "Viele Kinder gehen glücklich und begeistert wieder nach Hause, das junge Publikum kommt wirklich gezielt für diese Angebote." Typische Gartenschau-Besucher seien jedoch irritiert und enttäuscht, weil es teilweise zu wenige Infos gebe, und so mit dem westlichen Areal mit vielen Wiesen und wenigen Blumen kaum was anfangen könnten.
Simone vom Kampen vom BUND fehlten nach einem eigenen Rundgang viele ökologische Aspekte, die aus ihrer Sicht zu kurz gekommen sind. "Man hätte sich viel mehr Gedanken um die Hitzeplanung, Wasserspeicher und die Biodiversität machen können, das ist noch deutlich ausbaufähig. Auch die hohe Versiegelung durch die asphaltierten Wege braucht es nicht."
Ist die Landesgartenschau 60 Millionen Euro wert?
WDR. 02:35 Min.. Verfügbar bis 01.07.2028.
Bund der Steuerzahler: Zeit für Gartenschauen ist vorbei
Beim Thema Finanzen und Investitionen der Stadt in die Gartenschau entspann sich ein kontroverses Zwiegespräch zwischen dem Neusser Bürgermeister und Eberhard Kanski vom Bund der Steuerzahler NRW. Der hält solch großen Schauen in Zeiten knapper Stadtkassen für ein Auslaufmodell: "Man muss sich ehrlich machen: Der Sanierungsbedarf für Schulen und Straßen ist auch in Neuss groß. Die Stadt sollte besser in die Daseinsfürsorge Geld stecken."
Bürgermeister Reiner Breuer im Austausch mit BUND-Vertreterin Simone von Kampen
Dem widersprach Bürgermeister Reiner Breuer entschieden: "Die LaGa ist nicht etwas, was wir uns leisten, sondern sie ist ein zwingender Teil der Stadtentwicklung. Die passiert nicht nur in Steinen, sondern auch in Grün." Dafür gab es aus dem Publikum viel Applaus.
Kamp-Lintfort: LaGa brachte Imagegewinn
Andreas Iland aus der LaGa-Stadt Kamp-Lintfort von 2020 unterstrich, dass es für Kommunen inzwischen schwieriger würde, sich eine Gartenschau zu leisten. "Weshalb es trotzdem viele machen wollen: Man macht durch die Schau einen großen Zeitsprung. Man kann in kurzer Zeit so viel entwickeln, wofür man sonst 20 Jahre bräuchte."
Die LaGa habe der Kleinstadt am Niederrhein einen großen Imagegewinn beschert, berichtete Iland. Der entstandene Zechenpark sei heute ein beliebtes Ausflugsziel und Veranstaltungsort. "Die Laga hat was mit der Bevölkerung gemacht, es ist auch ein großer Zusammenhalt entstanden."
Neusser Bürger freuen sich über neuen Stadtpark
Darauf hoffen auch die Menschen in Neuss, so wie Sandra Maria Breuer vom Mitmachverein Grünes Herz Neuss: "Viele Bürger haben den Park mitgestaltet, wir haben viele Themengruppen von Sport über Brauchtum bis zur Kultur, in denen sich Leute aus der Stadt einbringen. Es gibt schon viele konkrete Pläne und Veranstaltungen für den Park für 2027."
Die Zuschauerreihen beim Lokalzeit Stadtgespräch wurden voll besetzt.
Die Meinung der Neusserinnen und Neusser zur 60-Millionen-Investition in das Rennbahngelände war recht eindeutig: Für die meisten hat sie sich in jedem Fall gelohnt. Eine Zuschauerin zog dazu einen besonders bildhaften Vergleich: "Für 60 Millionen hätte ich sonst aus unserem Rheinmetall-Werk hier in Neuss zwei Leopard-Panzer kaufen können. Dann doch viel lieber einen neuen Stadtpark."
Unsere Quellen:
- WDR Lokalzeit Stadtgespräch vom 02.07.2026
- Stadt Neuss
- Landesgartenschau Neuss 2026 GmbH
- Bund der Steuerzahler NRW
- BUND NRW
- Landesgartenschau Höxter 2023
- Andreas Iland, Prokurist LaGa GmbH Kamp-Lintfort 2020
Sendung: WDR Fernsehen, Lokalzeit aus Düsseldorf, 01.07.2026, 19:30 Uhr
Sendung: WDR.de, Ist die LaGa 60 Millionen wert?, 02.07.2026, 22:46 Uhr

15 Kommentare
Kommentar 15: Horscht schreibt am 03.07.2026, 14:11 Uhr :
Die Sitzgelegenheit mit dem Gastro-Kontainer am neuen Teich ist gut gelungen und wäre ideal für eine Weiterbewirtschaftung auch nach der Laga. Geringe Mietkosten könnten dazu führen dass ein bezahlbares Gastro für jung und alt entsteht, alternativ zur teuren Innenstadt. Die ehemaligen Ställe wirken von aussen mit dem Hof und den übrigen Gebäuden wie ein Feriencamp. Vielleicht kann die Stadt ein Projekt entwickeln, wie der Kirschkamper Hof in Krefeld. ... generell gilt: diese Laga dürfte viele enttäuschen, aber wenn die Stadt ein gutes Nachnutzungskonzept auf die Beine stellt ist die Sache nicht verloren.
Kommentar 14: M. schreibt am 02.07.2026, 22:14 Uhr :
Als Kommune sollte man davon die Finger lassen. Sehr oft gehen diese Veranstaltungen - so schön sie auch sind - mit einem massiven finanziellem Minus für die Städte aus, die sie ausrichten. Darüber machen sich die Kommunen meist zuwenig Gedanken. Die Zeche zahlen dann später die Einwohner/Bürger, weil Jahre später noch Gelder für wichtige Dinge, wie Schulmodernisierung oder Schwimmbäder fehlen. Ein prominentes Beispiel der letzten Jahre ist Papenburg oder auch Hamburg und das Havelland. In NRW sind fast alle Kommunen in der Haushaltssicherung. Streng genommen dürfte es hier gar keine BuGas oder LaGas mehr geben. Nochmal: Die Zeche zahlen am Ende wir alle! Ich möchte sowas nicht. Das vorhandene Geld soll da investiert werden wo es gebraucht wird, in Kitas, Schulen etc.
Kommentar 13: Marie schreibt am 02.07.2026, 19:04 Uhr :
Ich bin mehr als enttäuscht, viel Freifläche, wenig Bepflanzung. Einfallslos! Nur eine Handvoll Mustergärten. Die Spielplätze und Sportanlagen sind als einziges gelungen, aber was hat das mit einer Landesgartenschau zu tun. Ich bereue die Dauerkarte seit dem ersten Besuch.
Antwort von Peter , geschrieben am 02.07.2026, 21:31 Uhr :
Stimme dem voll zu! Sehr viel Rasen und ab und zu ein paar Blumen Arrangements das soll eine LGA sein? Schade um‘s Geld 🤷🏻♂️
Kommentar 12: Detlef schreibt am 02.07.2026, 18:17 Uhr :
Wir waren gestern auf der LaGa. Ehrlich, spart euch die 22€ pro Person an Eintritt und die 7€ für das Parken. Jede Gartenmesse bietet weit mehr an Blumen und Ambiente als das teilweise sehr lieblos dar- und dahingestellte. Nach Höxter, dachten wir, okay, ein Versuch ist es wert und ja auch nicht so weit entfernt, aber Höxter ist und bleibt das Maß der Dinge. Und davor, Kamp-Linfort , das war nur eine Grünanlage zur Aufwertung der damals neu entstanden Immobilien, finanziert durch uns Besucher. Unser Eindruck bleibt, eine Laga passt, so wie sie sich in Neuss präsentiert, nicht mehr in diese Zeiten und schon gar nicht in Kommunen der Kassen mehr als leer sind. Nur zur Erinnerung, LaGa heißt "Landesgartenshow". Das trostlos dargestellte spiegelt nicht unseren Zustand vom Land NRW wieder und von Garten und Show war nichts zu sehen. Ist das alles was unsere Gärtner und Landschaftsbauer können, oder war zu viel Politik mit im Spiel ?
Kommentar 11: Dortmunder schreibt am 02.07.2026, 15:47 Uhr :
Kommunen schöpfen bei leeren Kassen aus dem Vollen. „Zu teure Show für klamme Kommunen“ ist kein Einzelfall. Die gleiche Frage kann man nächstes Jahr wieder zu Dortmund stellen, bei der Internationale Gartenausstellung Metropole Ruhr 2027. Die Zahlen scheinen ähnlich – in der Planung und weder Neuss noch Dortmund haben etwa 20 Millionen Überschuss. Allein eine Brücke in Dortmund für Fußgänger und Radfahrer soll 13,6 Millionen kosten (WDR 8.12.2025); bei Wikipedia steht etwas von „Skywalk“ für 21,5 Millionen € netto um den „Propeller“ für 10 Millionen € netto. Neuss ist weitgehend gelaufen, in Dortmund kann der neue Oberbürgermeister der CDU noch den Rotstift an den Planungen des alten SPD-Bürgermeisters ansetzen. Düsseldorf hat „Herzensprojekt“ Neubau Oper gestoppt. Bei der Olympia-Bewerbung NRW wage ich mal die Vorhersage, das kommt nicht. Sonst hätten wir auch dort wieder die Frage nach „zu teure Show für klamme Kommunen“.
Kommentar 10: Günter schreibt am 02.07.2026, 15:41 Uhr :
Mit 20 EUR pro Person mehr als überzogen für ein Stückchen Garten! Das können sich manche nicht mehr leisten! Und für Neusser hätte es einen Sondertarif geben müssen.
Kommentar 9: Anja schreibt am 01.07.2026, 23:28 Uhr :
Neuss hat so viele Grünanlagen, die verteilt in der Stadt und in der näheren Umgebung in den Stadtteilen liegen. Diese wurden leider nicht ins Konzept eingebunden und wuchern zu, werden nicht gepflegt. Als älteste Stadt Deutschlands hätte Neuss sicher davon profitiert, das Konzept so zu erstellen, dass die vorhandenen Anlagen zu Konzept- Flächen mit eingebundener Stadtgeschichte aufgewertet worden wären. Charmanter Nebeneffekte: • Menschen, die hier leben und arbeiten erfahren Wertschätzung des Rathauses durch die gepflegten Anlagen direkt vor der Tür. • Besucher bewegen sich tatsächlich DURCH die Stadt. Der Grüngürtel verbindet bereits den Sporthafen mit dem Neusser Norden. • Organisierte Touren zu Fuß, mit Rädern, Rikscha oder Planwagen/ kleinen Bussen als charmante Fortbewegungsmittel hätten ergänzend Appetit gemacht. Schade, die Ist-Situation ist schlicht an den Bürgern vorbei entschieden worden. Über mangelndes Interesse darf man sich im Rathaus nun nicht wundern.
Kommentar 8: Gebt der Laga eine Chance schreibt am 01.07.2026, 19:14 Uhr :
Nachtrag: Auch für Radfahrer sehr schön! Und weil das Gelände so groß ist, hat man das Gefühl, wirklich mal raus zu kommen aus dem Alltag und zu entschleunigen. Im Zelt gab/gibt es auch sehr chillige Livemusik. Nutzt vielleicht auch die APP, stellt Euch auf Sonne ein, und genießt den Tag oder auch mehrere auf der Laga!
Antwort von Susanne Wasser , geschrieben am 02.07.2026, 15:37 Uhr :
Die Entwicklung eines Stadtparks ist eine gute und nachhaltige Idee. Der große Schwachpunkt sind leider die vielen, unbeschatteten Rasenflächen. Statt nur 2000 Bäumen hätten hier eigentlich 6.000 Bäume oder Sträucher Platz gefunden, und würden für ein angenehmes Klima sorgen. Der Hammfeldhof wäre im übrigen ein toller Ort für ansprechende Gastronomie inkl. Biergarten, statt Toiletten. Leider die Chance verpasst!
Kommentar 7: Gebt der Laga eine Chance schreibt am 01.07.2026, 19:03 Uhr :
Wer die Laga wie ein Museum besucht, wo ich in kurzen Abständen ein Highlight nach dem anderen sehe, dürfte etwas enttäuscht sein. Wer aber die Gesamtidee betrachtet, dass eine große Fläche zu einer langfristig nutzbaren Erholungsanlage für ganz unterschiedliche Betätigungen und Erlebnisse umgestaltet wurde, dürfte positiv überrascht sein. Ja, es ist vielleicht erst nur der Anfang und man hat vielleicht mehr erwartet. Aber es gibt sie, die einzelnen Highlights. Ob das Hortensienparadies im Zelt, die Schaugärten, die Spie- und Sportplätze, die Lichtkirche, der See und die Möglichkeit, an vielen Plätzen, einfach mal entspannt zu verweilen. Liebe Neusser, kauft Euch eine Dauerkarte. Ihr unterstützt die Entwicklung einer tollen Idee, die Euch und Euren Freunden noch viel Freude bereiten kann!
Kommentar 6: B.Cichozki schreibt am 01.07.2026, 17:45 Uhr :
Finde die Laga komplett überflüssig,habe schon viele Lagas besucht,dort stimmte immer das Preis Leistung Verhältnis.Auf der Laga wird nichts besonderes geboten, hätten besser die alte Rennbahn investiert B.Cichozki
Antwort von Wolfgang Schriddels , geschrieben am 01.07.2026, 23:00 Uhr :
Die Stadt Neuss weist aktuell einen historischen Schuldenberg auf. Die Stadt steuert im operativen Haushalt auf ein Gesamtdefizit von bis zu 250 Millionen Euro für die kommenden Jahre zu. Allein der Haushaltsentwurf und das strukturelle Defizit für das Jahr 2026 belaufen sich auf Fehlbeträge von 50 bis über 70 Millionen Euro. Quelle IHK Mittlerer Niederrhein. Kosten der Landesgartenschau ca. 60 Millionen Euro, Landesförderung: ca. 20 Millionen Euro, Städtischer Eigenanteil: ca. 12 - 15 Millionen Euro. Quelle Rheinische Post Da frage ich mich als Bürger dieser Stadt: Musste das sein?
Kommentar 5: Wolfgang Schriddels schreibt am 01.07.2026, 14:35 Uhr :
Die Stadt Neuss weist aktuell einen historischen Schuldenberg auf. Die Stadt steuert im operativen Haushalt auf ein Gesamtdefizit von bis zu 250 Millionen Euro für die kommenden Jahre zu. Allein der Haushaltsentwurf und das strukturelle Defizit für das Jahr 2026 belaufen sich auf Fehlbeträge von 50 bis über 70 Millionen Euro. Quelle IHK Mittlerer Niederrhein. Kosten der Landesgartenschau ca. 60 Millionen Euro, Landesförderung: ca. 20 Millionen Euro, Städtischer Eigenanteil: ca. 12 - 15 Millionen Euro. Quelle Rheinische Post Da frage ich mich als Bürger dieser Stadt: Musste das sein?