Besonders schwer trifft das Betriebe im ländlichen Raum. In Brakel hilft dabei immer wieder die ökomenische Flüchtlingshilfe. Für die Bäckerei Pape war das ein Glücksfall. Ein geflüchteter aus Ägypten ging dort im vergangenen Jahr in die Lehre.
Vom Fluchtweg in die Backstube
Auf dem Schreibtisch stapeln sich nicht gerade die Bewerbungen. Deswegen hatte sich Bäckermeister Reinhard Pape an die Flüchtlingshilfe in Brakel gewandt. So hat er Ahmad Suleiman Zaid kennengelernt, der erst ein Praktikum machte und dann in die Lehre ging.
"Es ist heutzutage schwierig einem 16-Jährigen klar zumachen, dass er freitags um 0:30 Uhr in der Backstube stehen muss." Reinhard Pape, Bäckermeister aus Brakel
Im ostwestfälischen Brakel hat Ahmad eine Heimat gefunden. Hier hat er Freunde, spielt Fußball und backt. Vor knapp zehn Jahren, mit 16, hat er sich auf den Weg nach Deutschland gemacht. Die meiste Zeit zu Fuß und allein, ohne Familie. Auf der Suche nach einem guten Leben, wie er sagt.
Ahmad wohnt während seiner Lehre in einer Wohnung seines Chefs. Als Ausländer sei es immer noch schwer in Brakel eine Wohnung zu kriegen und diese stand sowieso leer, sagt Bäckermeister Pape.
Mit 16 hat Ahmad sich auf den Weg nach Deutschland gemacht.
Bildquelle: WDRZukunftssorgen im Handwerk
Auch ein paar Kilometer weiter, in Willebadessen-Niesen, fehlen die Azubis. Hier ist Hogir Jendi Ali bereits in seinem dritten Lehrjahr als Landschaftsbauer. Der Betrieb von Ulrich und Renate Müller hätte eigentlich Platz für sechs Azubis - nur zwei Plätze sind besetzt.
Hogir ist jetzt im letzten Ausbildungsjahr. Danach hofft er auf eine Aufenthaltsgenehmigung als Fachkraft.
Bildquelle: WDRHogir kommt eigentlich aus dem Irak. Eine Familienstreitigkeit habe ihn und seine Familie zum Auswandern gebracht. Mehr will er dazu nicht sagen. Zu Fuß machte er sich mit seiner Frau und Tochter auf den Weg. Mittlerweile hat er zwei Töchter. Beide gehen in den Kindergarten. Seine Frau fängt eine Ausbildung in einer Bäckerei an.
Das politische Geschehen bekommt Hogir deutlich mit. Er fürchtet einen Rechtsruck in Deutschland. "Ich habe Angst vor der AFD. Dass sie uns abschieben. Ich will hier leben und meine Ausbildung fertig machen. Für meine Familie und meine Kinder."
Zwischen Fleiß und Duldung
Ahmad und Hogir besuchen beide noch Deutschkurse. Das machen sie nach der Arbeit und der Berufsschule, also in ihrer Freizeit. Ihre Chefs sind von ihrem Einsatz begeistert, denn auch in der Berufsschule stimmen die Leistungen.
Aktuell besitzen beide eine Ausbildungsduldung - können also jederzeit abgeschoben werden. Damit verbunden bleibt die Ungewissheit, wie es nach dem Abschluss weitergeht. Ihr klares Ziel ist der Übergang in eine reguläre Aufenthaltsgenehmigung als qualifizierte Fachkraft.
Unsere Quellen:
- Recherche & Gespräche vor Ort
- Stadt Brakel
- Flüchtlingshilfe Brakel
Sendung: WDR 5, WWDR 5 Morgenecho, 01.09.2026, 06:23 Uhr
Sendung: WDR 2, WDR 2 für Ostwestfalen und Lippe, 01.09.2026, 10:30 Uhr
